Körpergräber am Landsberger Papierbach untersucht

Wohnten da mal Merowinger?

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Der zum Bebauungsplan „2150 Am Papierbach“ gehörende Umweltbericht hebt die mögliche Ausdehnung der Grabstelle mit einem roten Neuneck hervor.

Landsberg – Auf der Großbaustelle für das Urbane Leben am Papierbach (ULP) untersuchen Denkmalschützer demnächst im Auftrag von Investor ehret + klein, wie weit Körpergräber vom Spöttinger Kreisel aus in das Plangebiet hineinreichen.

Schon im ersten Entwurf des Umweltberichts, der Teil des Bebauungsplans ist, hatte der Planungsdienstleister LARS Consult aus Memmingen darauf hingewiesen, dass es an dieser Stelle eine Grabstätte gibt, die vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Bodendenkmal geführt wird. Die mögliche Ausdehnung verdeutlichten die Planer durch ein rotes Neuneck (siehe Zeichnung).

Historische Grabstätten gibt es in Landsberg öfter; 16 Körpergräber, Reihengräber, Kreisgräber und Grabhügel sind in der aktuellen Denkmalliste enthalten. Aus welcher Zeit sie stammen, ist unklar. Das Landesamt ordnet die meisten, so auch die am Spöttinger Kreisel, in den Zeitraum „Mittelalter oder frühe Neuzeit“ ein. Infrage kämen damit das 6. bis 18. Jahrhundert.

„Wer auf einem Grundstück Erdarbeiten vornehmen will, obwohl er weiß oder den Umständen nach annehmen muss, dass sich dort Bodendenkmäler befinden, bedarf der Erlaubnis“, heißt es im Bayerischen Denkmalschutzgesetz. Bevor sie erteilt wird, muss ehret + klein auf eigene Kosten fachkundige Unternehmen mit der Untersuchung beauftragen. Das hat die Stadt Landsberg angeordnet.

Sollte bei den Untersuchungen festgestellt werden, dass tatsächlich Überbleibsel vorhanden sind, wären sie zunächst zu sichern, bevor der westliche Bauabschnitt des ULP-Projekts beginnen kann. Der Spatenstich ist dort ohnehin zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Auch eine Siedlung?

Generell ist allen Beteiligten bewusst: Wo Gräber sind, da kann sich auch eine Siedlung befinden. Vom heutigen Spöttinger Kreisel aus gesehen ­dürfte die Wahl möglicher Siedler dabei auf das Gebiet zwischen Kreisel und Lech gefallen sein, also genau das Gebiet, das ehret + klein bebaut. Beispielswiese könnten sich Merowinger im siebten oder achten Jahrhundert auf ihrem Weg von Augsburg ins Voralpenland, dem Flusslauf folgend, dort niedergelassen haben.

Allerdings: Nur wenn da tatsächlich eine Siedlung war und noch nennenswerte Überreste vorhanden sind, entstünde ein Problem. Dann wäre ehret + klein zum Abwarten gezwungen, bis „die notwendigen Maßnahmen zur sachgemäßen Bergung des Fundgegenstands sowie zur Klärung der Fundumstände und zur Sicherung weiterer auf dem Grundstück vorhandener Bodendenkmäler“ erfolgt sind. So regelt es das Bayerische Denkmalschutzgesetz.

Das kann dauern: In Deutschland gelang der letzte große Siedlungsfund aus der Merowinger-Zeit im Jahr 2007 auf einem 17 Hektar großen Areal in Beuel-Bechlinghoven bei Bonn. Die Archäologen legten 94 Werkstätten und Wohngebäude frei. Die Ausgrabungen erstreckten sich über sechs Jahre.

Das Landesamt warnte

Im Rahmen der frühzeitigen Behördenbeteiligung hatte das in München ansässige Landesamt für Denkmalpflege vor solchen Funden gewarnt: Die exakte Ausdehnung der Grabstätten sei nicht bekannt, sodass bei Bodeneingriffen mit der Aufdeckung weiterer bisher unbekannter Bodendenkmäler sowie der Fortsetzung bekannter Bodendenkmäler gerechnet werden müsse. Das Amt empfahl sogar die Verlagerung des Projekts an einen anderen Standort.

Der Stadtrat nahm das im Rahmen seines Billigungsbeschlusses zwar zur Kenntnis, legte aber dar, die mögliche Betroffenheit der genannten Bodendenkmäler sei der Stadt Landsberg seit langem bekannt. Eine Verlagerung der Planung sei „nicht zielführend“: das urbane Konzept sei andernorts nicht verwirklichbar. „Die Wahrung des Denkmalschutzes wird während der Bauarbeiten sichergestellt“.

Nach Informationen des KREISBOTEN bliebe der städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt Landsberg und ehret + klein auch im Fall eines weitergehenden Fundes unangetastet. ­Geschäftsgrundlage ist zwar „die Erwartung der Parteien, dass der Bebauungsplan umgesetzt werden kann“. Die im Vertrag enthaltene Anpassungsklausel findet aber nur dann Anwendung, wenn die Realisierung des Vorhabens „auf Dauer“ nicht möglich sein sollte. „Auf Dauer“ wären aber selbst ausgiebige Siedlungsreste kein Hindernis.

Werner Lauff

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