Umfangreiche Sanierung steht an

Schlossberggarage: Landsberg macht sich lächerlich

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Das Alternativkonzept: Dauerparker in die Lechgarage, insgesamt 350 Kurzparker auf die dann kostenlose Waitzinger Wiese.

Landsberg – Das deutete sich schon vor zwei Wochen an: Anstatt im Wirtschaftsausschuss des Stadtrats gemäß der Tagesordnung „Lösungen“ für die Zeit der zwölfmonatigen Schließung der Schlossberggarage vorzustellen, machte Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Köhler nur Ausführungen zum hinreichend bekannten Sanierungsbedarf. Die Ausschussmitglieder waren allerdings sicher, dass Köhler bei der für Montag dieser Woche anberaumten Informationsveranstaltung schlüssige Konzepte präsentieren würde. Sie wurden enttäuscht: Er tat es nicht.

Am Ende der anderthalb Stunden waren die 60 Besucher, die in der Altstadt leben, als Angestellte arbeiten oder als Unternehmer Waren und Dienstleistungen anbieten, kein bisschen klüger als zuvor. Denn rasch wurde klar: Die Stadtwerke haben auf fast alle Probleme, die durch die Schließung der Garage entstehen, keine Antwort. Getrieben von dem Bemühen, die eigenen Kosten gering zu halten, verlagern sie die Last auf ihre Kunden. Die anwesenden Stadträte von CSU, Grünen, UBV und Landsberger Mitte hätten sich wohl am liebsten unsichtbar gemacht; sie mussten miterleben, wie die Stadt sich blamiert.

Es hilft, die einzelnen Zielgruppen der Schlossberggarage durchgehen, um zu verstehen, welche Nullnummer die Stadtwerke am Montagabend im Pfarrzentrum Mariä Himmelfahrt ablieferten. Da gibt es zum einen 116 Personen, die in der Schlossberggarage nur nachts parken. Die fahren künftig in die Lechgarage, wo nachts natürlich ebenfalls genug Platz ist; das kann man schnell abhaken.

Die beiden anderen Gruppen von Dauerparkern, nämlich die 117 Nutzer, die 14 Tagstunden gebucht haben (weil sie in der Innenstadt arbeiten), und die 58 Kunden, die einen 24-Stunden-Parkplatz gemietet haben (weil sie dort wohnen), müssen hingegen selbst sehen, wie sie weiterkommen. Die 24-Stunden- Parker können zwar nachts die Lechgarage nutzen, müssen sie aber tagsüber räumen. Und für die 14-Stündler gibt es gar keine Parkmöglichkeit; sie müssen draußen bleiben – die Kündigungen sind schon angekommen.

Die so ausgesperrten Bewohner, Angestellten oder Geschäftsinhaber werden zu Kurzparkern umdefiniert, die in der Lechgarage oder auf der Waitzinger Wiese die normalen Besucher-Preise zahlen müssen. Alternativ können sie den 150 Plätze großen P&R-Parkplatz am Do it!-Baumarkt im Landsberger Osten nutzen. Aber da fährt nicht etwa von früh bis spät ein kostenloser Shuttle-Bus; vielmehr sollen die peripher Parkenden zu normalen Preisen den Stadtbus nehmen, dessen Frequenz und Betriebszeiten unverändert bleiben.

Dass über Köhler daraufhin nicht sofort ein Proteststurm hereinbrach, lag daran, dass er darlegte, der Vorteil der Ausgrenzung der Dauerparker bestehe darin, dass die 175 Kurzparker, die nun nicht mehr in der Schlossberggarage parken können, in der Lechstraße unter­kämen. „Wir wollen den Kurzparkern die Möglichkeit geben, in der Lechgarage zu parken“, so Köhler, „die sind Ihre Kundschaft“, fügte er hinzu, „Kurzparker bringen Leben in die Stadt“. Mehrere Einzelhändler und ein Apotheker begrüßten das; so sei wenigstens klar, für wen man sich da opfert.

Aber noch vor wenigen Tagen, am 31. Januar, hatte Verkehrsplaner Christian Fahnberg in der Stadtratssitzung Auslastungszahlen der Lechgarage vorgelegt, die von den Stadtwerken stammen. Danach ist die Lechgarage in Spitzenzeiten bis auf 50 Stellplätze belegt. Sind diese Zahlen korrekt, werden 125 frühere Schlossberg-Parker, vor allem mittags, vor geschlossener Lechgaragen-Schranke stehen. Sie werden dann, so Köhler, zwar durch das Parkleitsystem zur Waitzinger Wiese weitergeleitet. Aber dabei bekommen sie genau das Gefühl, das man unter allen Umständen vermeiden muss: Parken ist zurzeit in Landsberg ein Problem.

Die Schlossberggarage ist geschlossen, fahren Sie bitte zur Lechgarage, die hat allerdings nur begrenzte Kapazität, wenn sie voll ist, fahren Sie bitte weiter zur Waitzinger Wiese. Nein, so ist die Sache nicht kommunizierbar: Mit Wenn und Aber bekommt man keine Kunden in die Stadt, mit Wenn und Aber vertreibt man sie.

Betroffen macht, dass die Stadtwerke ihre eigenen Vorschläge nicht durchdacht haben. Aus einem 24-Stunden-Parkplatz wird also ein Nacht-Parkplatz. Am Morgen sollen Altstadtbewohner dann wohl zu ihrem Auto gehen, es aus der Tiefgarage fahren, es irgendwo zwischenparken, um es am Abend wieder in die Tiefgarage zu fahren. Geht‘s noch?

Wer die Lösung „Park and Ride“ wählt, fährt auch nicht besser. Zum Einkaufen fährt man also mit dem Stadtbus (1,40 Euro) nach oben, holt sein Auto, macht seine Besorgungen, liefert sie zuhause ab und steuert das Auto dann wieder in den Osten, um mit dem Stadtbus (1,40 Euro) zurückzufahren. Beim Viertelstundentakt kann das leicht zwei Stunden dauern. Abends und am Wochenende länger –da wartet man aufs Anruf-Sammeltaxi.

Norbert Köhlers Strategie an diesem Abend ist zweiteilig. Bei überzeugenden Einwänden verspricht er, das Thema „mitzunehmen“. Ansonsten verweist er auf den Verwaltungsrat, der das alles ja so beschlossen habe. Der besteht vor allem aus Mitgliedern des Stadtrats. Die sitzen im Raum und man sieht ihnen an: Sie erfahren gerade, was Fremdschämen ist.

Die Alternative

Gibt es eine Alternative? Ja, die gibt es. Sie lautet: „Parken auf der Waitzinger Wiese ist ab 1. April 2018 für ein Jahr kostenlos.“ Wer dies weit über die Lechstadt hinaus kommuniziert, schafft zunächst einen klaren Anreiz. Bei allem Respekt vor Buchloe: Kostenloses Parken in der dortigen Bahnhofstraße ist nichts gegen kostenloses Parken in Landsberg am Lech.

Wer so vorgeht, schafft aber auch ein klares Ziel; kein Parksuchverkehr, kein Anklopfen an der Lechgarage, stattdessen eine eindeutige und erste Adresse: Hier heißt Landsberg uns willkommen. Die Kapazität der Waitzinger Wiese mit geöffnetem „Überlauf“ ist mehr als ausreichend. Selbst wenn alle Kurzparker dorthin fahren, sind noch Hunderte von Plätzen frei.

Gleichzeitig kann man sämtlichen Dauerparkern, ob Tag oder Nacht, ob 24 oder 14 Stunden, Plätze in der Lechgarage zuweisen. Niemand hat, von etwas mehr Fußweg abgesehen, ein Problem. Und selbst wenn restlos alle Dauerparker diese Offerte annehmen, stehen für diejenigen, die „kostenpflichtig und nah dran“ der Variante „kostenlos und etwas weiter weg“ vorziehen, noch 55 Kurzparkplätze zur Verfügung.

Das kostet etwas. Die Stadtwerke verzichten bei diesem Modell auf Einnahmen. Aber das im Pfarrsaal Mariä Himmelfahrt präsentierte Modell ist schlicht und einfach inakzeptabel. Es ist nicht durchdacht, es hilft niemandem. Landsberg macht sich gerade lächerlich. Man sollte das verhindern. 

Werner Lauff

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