Ortsumfahrung einzig entlastende Lösung

Patient Schondorf vor dem Verkehrsinfarkt

Stau in Schondorf
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Der ganz normale Verkehrswahnsinn in Schondorfs Ortsmitte. Bis zu 17.000 Fahrzeuge quälen sich täglich über die Staatsstraße 2055. Die einzig praktikable Lösung wäre laut Gutachter eine Umgehungsstraße.
  • Dieter Roettig
    vonDieter Roettig
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Schondorf – Da kann man noch soviel herumdoktern, für den Patienten Schondorf gibt es nur eine Präventionsmaßnahme vor dem drohenden Verkehrsinfarkt: Eine Umfahrung der Gemeinde mit gleichzeitiger Abstufung der Staatsstraße 2055 zur normalen Ortsdurchgangsstraße. Damit hätten Gemeinderat und Verwaltung alle Gestaltungsmöglichkeiten in der Hand – von Tempo 30 bis hin zum „Shared Space“ mit Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer. Bis so eine Umfahrung allerdings realisiert wird, kann es bis zu 30 Jahre dauern – so zumindest die Erfahrung des Fachgutachters Prof. Dr.-Ing. Harald Kurzak, der in der aktuellen Gemeinderatssitzung zum Dauerthema Staatsstraße referierte.

Mit bis zu 17.000 Autos täglich ist die durch Schondorf führende Staatsstraße 2055 die meist frequentierte Straße am Ammersee-Westufer. Wer von Raisting, Dießen oder Utting zur Autobahn BAB 96 will, muss notgedrungen mitten durch den Ort, der unter der stetig zunehmenden Verkehrslast leidet. Wahrscheinlich ist die Zahl noch höher, denn die Verkehrserhebung fand in Pandemie-Zeiten statt, als bereits viele Berufspendler im Homeoffice tätig waren. Je nach Variante einer Ortsumfahrung würden täglich zwischen 7.000 und 9.000 PKW, LKW und Motorräder weniger auf der Staatsstraße durch das Ammerseedorf fahren.

Für eine Ortsumfahrung mit dieser deutlichen Verkehrsentlastung spricht sich seit Jahren CSU-Gemeinderat Rainer Jünger aus. Er monierte in der Sitzung die Unentschlossenheit der Kommunalpolitik, die das Projekt bisher nicht vehement vorangetrieben habe. Nach Rücksprache mit Alex Dorow, dem Stimmkreisabgeordneten im Bayerischen Landtag, könnte Schondorf hier mit Unterstützung von „ganz oben“ rechnen.

Jünger hat in der Vergangenheit Alex Dorow bei einigen Vor-Ort-Terminen mit dem Straßenbauamt Weilheim begleitet, das den Umfahrungsvarianten Priorität einräumte. Die Planungskosten durch das Straßenbauamt oder ein externes Büro würde der Freistaat Bayern mit 90 Prozent bezuschussen. „Maßnahmen, die man längst hätte auf den Weg bringen können“, bedauerte Jünger. Als lobendes Beispiel hob er die Gemeinde Pähl hervor, deren Entlastungsstraße von der Entscheidung bis zur Fertigstellung in nur acht Jahren realisiert wurde.

Für Rainer Jünger und die CSU-Fraktion im Gemeinderat gibt es zwei Varianten für eine Entlastungsstraße: einmal die klassische Umfahrung, bei der am nördlichen Ortsrand der Verkehr Richtung Westen abgeleitet, um Schondorf herum geführt und dann im Süden auf die Staatsstraße zurückgeleitet wird. Nach den Studien von Prof. Harald Kurzak wäre die Entlastung mit 9.000 Fahrzeugen hier am höchsten.

Die zweite Variante ist die sogenannte Kamm-Erschließung, bei der der Verkehr parallel und in deutlicher Entfernung zum Ammersee vorbeigeleitet wird. Wobei die Hälfte dieser Strecke bereits existiert, nämlich die Straße von Entraching bis zur Rotter Straße in Dießen. Für die nördliche Weiterführung gebe es laut Jünger mehrere Optionen, die weder durch Siedlungsgebiete noch durch naturschutzrechtlich relevante Bereiche führen.

Diese Variante würde Schondorf täglich um 7.000 Fahrzeuge entlasten. Aber auch mehr, wenn man gleichzeitig das Tempo in der Ortsdurchfahrt reduzieren würde.

Nur Kosmetik

Alle anderen bis dato diskutierten Lösungen des Verkehrs­problems seien nur Kosmetik, befand Bettina Hölzle (CSU). Dass der Ist-Zustand im Ortskern Schondorfs verbessert werden müsse, zeigte die Umfrage von Planer Diplom-Ingenieur Architekt Klaus Schulz bei den Gemeinderäten. Aber für Vorschläge wie Geschwindigkeitsbegrenzung, Tempotunnel, mehr Querungshilfen, Rechts-vor-Links-Lösungen, Bedarfsampeln, breitere Gehsteige oder begrünte Fahrbahnteiler brauche man die Zustimmung des Straßenbauamtes. Ein Okay hierzu sei sehr unwahrscheinlich, da an einer Staatsstraße so gut wie nie „rumgedoktert“ werden darf. Trotzdem versuche man die eine oder andere Verbesserung als Aufwertungsmaßnahme.

Bei den eventuellen Lösungen für die Staatsstraße in Schondorf möchte Bürgermeister Alexander Herrmann die Bevölkerung mit einbeziehen. Sobald es die Corona-Beschränken erlauben, soll es dazu eine Bürgerversammlung geben. Eine im letzten Jahr durchgeführte repräsentative Online-Umfrage unter zufällig ausgewählten Schondorfern zwischen 14 und 80 Jahren ergab übrigens für die Staatsstraße im Bereich Greifenberger- und Uttinger Straße die mangelhafte Schulnote 4,5.

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