Perfektion in der Kirche – Ludwig Güttler und sein Blechbläserensemble begeistern in Landsberg

Die Fürstentümer Preußen und Sachsen wurde in der deutschen Geschichte Jahrhunderte lang mit einem sehr einfachen und einprägsamen Satz charakterisiert: „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“. Ein bisschen teilhaben an der glänzenden Vergangenheit Sachsens durften am Donnerstagabend etwa 300 Besucher in der Kirche „Zu den Hl. Engeln“. Hörten sie doch das berühmte „Blechbläserensemble Ludwig Güttler“ aus Dresden. Von Silber und Gold funkelten da die Tuba, die Trompeten, die Posaunen und die Waldhörner im Kirchenrund. Was die Zuhörer erlebten, war überwältigend: Perfektes Blechbläserspiel, wie es auf diesem Niveau selten in der Lechstadt zu hören ist.

Trompeter Ludwig Güttler, der 1943 in Sachsen geborene Impresario dieses Ensembles, hatte seine „Truppe“ bereits 1978 mit Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle und der Philharmonie Dresden gegründet. Seine Erfolge im In- und Ausland sind außerordentlich groß. Um so mehr verwunderte es, dass beim Landsberger Konzert wenig Fachpublikum, dafür aber die große Kirchengemeinde von Hl. Engel versammelt war. Das Programm des Abends spiegelte die ganze Leistungsfähigkeit des Ensembles wider. Von Musik der Renaissance ausgehend über die Barockzeit bis zu Anton Bruckner gelangend, kehrten die Musiker mit ihrem letzten frühbarocken Stück, einer Komposition von Samuel Scheidt, fast wieder zum Ausgangspunkt zurück. Tylman Susatos fünf Tänze, darunter „La Mourisque“, die übrigens beim Ruethenfest aufgeführt wurden, spielten die Musiker wie eine Antiphon. Den acht auf ihren Plätzen hinter dem Altar verbliebenen Bläsern antworteten drei Musiker aus der Tiefe des Kirchenraumes. Ein ungeheurer Höreffekt wurde damit erreicht und die Akustik der Kirche gut ausgereitzt. Das ganze Konzert war durch einen beständigen Wechsel der Rhythmik, der Dynamik und schließlich dem Austausch der einzelnen Instrumente erfreulich kurzweilig. Interessant zu beobachten, wie die Musiker sich bei den einzelnen Stücken immer wieder neu auf ihren Stühlen positionierten. Auch konnte die Entwicklung der Musik nachvollzogen werden, wenn man beim Hören von Johann Sebastian Bachs Motette „Singet dem Herrn“, dem letzten Stück vor der Pause, noch die prächtige, fast 200 Jahre ältere Komposition des Landgrafen Moritz von Hessen für den Herrn Stockhausen im Ohr hatte. Bachs Werk war schon viel geschmeidiger und gefälliger, wesentlich melodiegesättigter als die im Rede- und Antwortstil gehaltene Komposition des Fürsten. Aufregend wie im fugierten Allegro der Bachschen Motette die Trompeten den Posaunen nacheilten. Etwas ganz Besonderes war das ohne jede Sentimentalität vorgetragene „Ave Maria“ von Anton Bruckner. Ein Werk, das in seinen Halbtonschritten eine ungeheure Intimität entwickelt. Klangprächtig dann das „Ecce sacerdos“, ebenfalls von Bruckner. Hier hören wir den Bruckner der großen Sinfonien durch. Nur mit einer Zugabe wollte sich das begeistert klatschende Publikum nicht zufrieden geben. Das spürte Ludwig Güttler bei den Bravorufen und den stehenden Ovationen sofort. Doch nach der Zweiten meinte der Dirigent „Nach der nächsten Zugabe wünschen wir Ihnen einen guten Nachhauseweg“. Drei Zugaben waren es schließlich und das Publikum nahm ein Erlebnis von Kammermusik nach Hause, wie diese vielleicht an den Fürstenhöfen der Renaissance und des Barock, übrigens einem Schwerpunkt Güttlers, viele Jahrhunderte hindurch gepflegt wurde.

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