Peinlich:

Im Herkomer-Jahr bleibt das Herkomer-Museum zu!

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Bleiben im Herkomer-Jahr 2014 geschlossen: Herkomer-Museum (links) mit Mutterturm.

Landsberg – Für viele kulturinteressierte Lechstädter dürfte es eine Hiobsbotschaft und für die großzügigen Spender eine herbe Enttäuschung sein: Das Herkomerjahr 2014 wird in Landsberg mit einem geschlossenen Museum und einem geschlossenen Mutterturm stattfinden.

Zwar haben die Bürger wesentlich mehr für die Sanierung und Neukonzeption gespendet als erwartet, doch lag die gesamte Planung wegen Personalengpässen in der Stadtverwaltung offensichtlich über Monate auf Eis. „Das Ziel der Wiedereröffnung des Herkomermuseums in 2014 ist nicht erreichbar“, teilten Stadtbaumeisterin Annegret Michler und Museumsleiterin Sonia Fischer jetzt offiziell mit.

Besonders bitter an dieser Nachricht ist die Tatsache, dass die Spendenaktion ausdrücklich mit dem Ziel gestartet worden war, zum 100. Todestag des Landsberger Ehrenbürgers Sir Hubert von Herkomer das Museum zumindest grundsaniert wieder der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Die Peinlichkeit, „die einzige Herkomer­stadt in Deutschland zu sein und dann im Jubiläumsjahr das Herkomermuseum zu schließen“, so Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller (CSU) damals, wollte man unbedingt vermeiden.

Genau dazu ist es jetzt aber gekommen. Dem Stadtrat erläuterte Michler jetzt, warum das Projekt offenbar seit dem Sommer nicht mehr vorangetrieben wurde. „Zwei Ausfälle“ im Hochbauamt habe es gegeben, zudem sei nach einem Todesfall eine Stelle erst im Herbst wiederbesetzt worden. Der Zeitvertrag des Architekten, der mit der Planung beauftragt war, lief im Juli aus und wurde nicht verlängert; nach Abschluss der „Phase 1“ passierte deshalb offenbar nicht mehr viel. Bezüglich einer möglichen Förderung hätten mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz krankheitsbedingt „zwischen August und Ende November keine Sprechtage“ stattfinden können.

Den Stadtrat schien die Nachricht nicht unvorbereitet zu treffen, eine Aussprache zu der Terminverschiebung fand nicht statt. Dabei war bisher ein Scheitern der Wiedereröffnung im kommenden Jahr höchstens wegen fehlender Gelder befürchtet worden. Eben hier hat man aber offensichtlich die Bereitschaft der Landsberger unterschätzt, zum Erhalt ihrer Kul­turdenkmäler beizutragen. „Wir gehen auf die 300000 Euro zu“, berichtete Museumsleiterin Fischer, „mit den fest zugesagten weiteren Spenden dürften es rund 360000 Euro werden.“ Eine Summe, mit der wohl weder die meisten Räte noch OB Mathias Neuner (CSU) gerechnet hatten. Er sei „fast ein wenig überrascht von der hohen Spendenbereitschaft“, so Neuner, „daran erkennt man, wie wichtig den Landsbergern offensichtlich dieses Museum und der Mutterturm sind.“

Indirekt haben die Spender die Stadt mit ihrer Großzügigkeit aber in weitere Schwierigkeiten gebracht. Zwar konnte sich wegen Personalproblemen im städtischen Referat „Zuwendungswesen“ monatelang niemand um mögliche Fördergel­- der bei den verschiedenen staatlichen Stellen kümmern, jetzt hat man aber vom Denkmalschutz zumindest eine vorläufige Zusage, dass man mit mindestens 20 Prozent Zuschuss zu den Gesamtkosten rechnen könne – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Stadt selbst 40 Prozent beisteuert.

Neuner bestätigte auf Nachfrage von Stadtrat Jost Handtrack, dass damit der Eigenan­- teil von den geplanten 85000 auf 360000 Euro steigt. Das führte bei den Grünen zu Kritik. „Ich will nicht hoffen, dass wir den Spendern versprochen haben, jeden Euro zu verdoppeln“, meinte etwa Ludwig Hartmann und wollte „erst beschließen, wenn der Förderbescheid da ist.“ Und für Henrik Lüßmann stellte sich die Frage, „wie wir jetzt 360000 Euro beschließen können, wenn wir vorher nicht einmal das Geld für die Grundsanierung hatten.“

Aus dem Herzen

Die anderen Fraktionen sprachen sich dagegen für die Aufstockung des städtischen Bei­trags aus, „aber der Kämmerer wird dazu schon einen kleinen Salto machen müssen“, wie Helmut Weber (CSU) befürchtete. Mit der Zustimmung zum Herkomermuseum müsse aber seiner Meinung nach „den Freunden der anderen Museen klar sein, dass wir die nächsten Jahre in dieser Richtung nichts anderes mehr angreifen können.“ Dieter Völkel (SPD) sah die Erhöhung auf 360000 Euro „nicht nur als Pflicht, sondern auch als Entscheidung aus dem Herzen“. Die Mehrheit sah es offenbar genauso, mit 18:5 (gegen die Stimmen der Grünen) stimmte der Stadtrat dem Beschlussvorschlag zu.

Dabei ist noch gar nicht sicher, ob dieses Geld auch wirklich fließen kann. Zum einen wäre die Summe angesichts der Haushaltslage nur über weitere Kredite aufzubringen, wie Kämmerer Peter Jung deutlich machte: „Und sie legen ja nicht nur 85000 Euro für 2014 fest, sondern binden auch Gelder für 2015 und 2016. Dazu müssten wir eine Verpflichtungsermächtigung machen.“ Somit stehe die Finanzierung „unter dem Genehmigungsvorbehalt“ der Rechtsaufsicht im Landratsamt.

OB Neuner hat zumindest jetzt seinen Beitrag zum Fortgang der Arbeiten getan. Der OB hat eine „interne Projektleitung“ eingesetzt, die „abteilungsübergreifend koordinie­ren“ und dem Stadtrat regelmäßig berichten soll.

Christoph Kruse

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