Pfahlbauten sind Weltkulturerbe

Die Ausgrabung der prähistorischen Feuchtbodensiedlung bei Pestenacker wurde zwischen 1988 und 2004 vom Landesamt für Denkmalpflege gefördert.

Einst waren sie im ganzen Alpenraum verbreitet, mittlerweile gibt es nur noch wenige Spuren von ihnen. Die Rede ist von prähistorischen Pfahlbauten wie jene, die Grabungen bei Pestenacker und Unfriedshausen zutage förderten. Beide zählen zu den am besten erhaltenen Feuchtbodensiedlungen in Bayern. Jetzt hat die Unesco ihnen den Titel Weltkulturerbe verliehen – gemeinsam mit 108 weiteren prähistorischen Pfahlbauten im Alpenraum.

Unter Federführung der Schweiz hatten sich Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien und Frankreich für die Aufnahme der Feuchtbodensiedlungen in die Weltkulturerbeliste eingesetzt. Dem Antrag stimmte das Welterbekomitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur nun in seiner 35. Sitzung, die jüngst in Paris stattfand, zu. Für Archäologen sind die Pfahlbauten eine wahre Goldgrube. Denn an den wassernahen Standorten bestehen ungewöhnlich gute Bedingungen für den Erhalt organischer Materialien wie Holz, Textilien, Pflanzenreste und Knochen. Die reichen Funde liefern daher präzise und detaillierte Erkenntnisse zur Welt der frühen Bauern Europas. Mit der Möglichkeit der exakten Datierung hölzerner Architekturelemente (Jahrringdatierung) kann zudem die Entwicklung vollständiger prähistorische Dörfer über sehr lange Zeit verfolgt werden. Die Siedlung bei Pestenacker wurde im Jahr 1934 zufällig bei der Begradigung des Loosbachs entdeckt. Der Reichsarbeitsdienst stieß damals auf ein hölzernes Fundament eines prähistorischen Kleinhauses. Der Fund jedoch wurde für eine Art Floß gehalten und nicht weiter beachtet. Erst später erkannten Wissenschaftler die Bedeutung der jungsteinzeitlichen Kulturschichten. 1988 begann man schließlich damit, die Feuchtbodensiedlung freizulegen. Die Archäologen datierten die Ursprünge der Siedlung auf das Jahr 3495 vor Christus. Insgesamt 17 Kleinhäuser standen auf dem 30 x 40 Meter großen Areal. Nach nur vier Jahren zerstörte ein Großbrand bereits wieder große Teile, die anschließend repariert und wieder aufgebaut wurden. Zu den bedeutendsten Funden zählt eine Reihe von Textilien, darunter ein sehr gut erhaltener Spitzhut. Noch älter ist die Siedlung, die man 1986 beim Pipeline-Bau im Niedermoor des Verlorenen-Bach-Tals bei Unfriedshausen entdeckte. Sie entstand zwischen 3537 und 3517 vor Christus. Aufgrund des geringen zeitlichen Abstands und der räumlichen Nähe gehen Forscher mittlerweile davon aus, dass die Pestenacker Siedlung von Unfriedshausen aus gegründet wurde. In dem von einem Zahn umschlossenen Dorf legten Grabungen insgesamt zwölf Wohnstallhäuser frei. Getreideanbau und Viehhaltung bildeten einst sowohl in Pestenacker als auch Unfriedshausen die Existenzgrundlage der Bewohner. Landrat Walter Eichner zeigte sich mehr als erfreut über die Entscheidung der Unesco. „Für den Landkreis Landsberg ist es von großer Bedeutung, dass die prähistorischen Siedlungen in Pestenacker und Unfriedshausen in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurden“, stellte Eichner stolz fest. Zugleich sieht sich der Landrat dadurch aber auch in der Pflicht: „Wir müssen jetzt mit dieser hohen Ehre entsprechend umgehen und die Gemeinde Weil und den Förderverein in Zukunft bei ihrer Arbeit unterstützen.“

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