Bald ein "neuer Turm"

Renovierung als Kraftakt

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Bleibt bis zum Winter eingerüstet: der 36 Meter hohe Turm an der Westseite der Pfarrkirche von Leeder.

Fuchstal – Einen (finanziellen) Kraftakt bedeutet für die Kirchenstiftung von Leeder die aufwändige Renovierung des Gotteshauses Mariä Verkündigung. Schwerpunkt der Arbeiten in diesem Jahr ist der 36 Meter hohe Turm. Voraussichtlich bis in den Winter hinein bleibt er eingerüstet. Die gesamte Renovierung ist beinahe ein Millionenprojekt, auf 940000 Euro sind die Kosten veranschlagt, wie Kirchenpflegerin Ingrid Hohen- adl berichtet. Weil an den Klinkersteinen fünf Kilometer mehr Fugen auszubessern sind als zunächst angenommen, hat es eine Kostenmehrung gegeben.

Der Zahn der Zeit hat an vielen Stellen des Turmes genagt, wo seit Mai das Gerüst steht. Dies betrifft auch die drei Zifferblätter mit den Zeigern und die Schlagwerke der sechs Glocken. 17000 Euro werden für die Instandsetzung benötigt. Die Gemeinde übernimmt die Hälfte der Kosten. Das haben die Räte neulich in nichtöffentlicher Sitzung entschieden, wie zweiter Bürgermeister Martin Brennauer auf Nachfrage bestätigt.

Seitens der Kirchenverwaltung heißt es dazu freilich, dass die Kirchturmuhr „seit Napoleons Zeiten“ immer komplett Sache der Gemeinde gewesen sei. Die Kirchturmuhr diente in besonderer Weise ausschließlich dem öffentlichen Interesse. Es ist aber ein ungeschriebenes Gesetz; und die katholische Kirchenstiftung Leeder übernimmt die andere Hälfte der Instandsetzungskosten.

Begonnen wurde die aufwändige Baumaßnahme im vergangenen Jahr, als die Dächer der Vorzeichen und der Sakristei repariert wurden. Zahlreiche Balken waren verfault und mussten teilweise erneuert werden. Weiter ging es dann am Kirchendach. Die Instandsetzung an der Chor­apsis ist beendet.

Im Mittelpunkt steht heuer die Turmsanierung. Ausgelöst durch immer wieder von Frostschäden gelockerten und herabfallenden Ziegelsplittern und Fugenbrocken, wird eine Überarbeitung der Ziegelfassade notwendig. Damit einher geht erst einmal eine intensive Reinigung von Schmutz und Flechtenbewuchs.

Die schadhaften Stellen sind neu zu verfugen und einzelne Steine müssen sogar ausgetauscht werden. Für einen besseren Witterungsschutz werden die Fensterbänke und auch teilweise die Gesimse mit Blei abgedeckt. Der Aufbau des Westgiebels wird abgetragen, da die verwendeten hohlen Steine nicht frostsicher sind und schon vielfach abgesprengt wurden. Bei der Aufmauerung ergibt sich die Möglichkeit, wieder die historische Profilgestaltung aufzunehmen und ein farblich passendes Material einzusetzen.

Samtiger Glockenklang

Damit das Geläut wieder in vollem Klang erstrahlen kann, muss der langsam anrostende und zu schwach bemessene stählerne Glockenstuhl ersetzt werden. Er wird erneuert und wie die langlebigen historischen Vorbilder aus Eichenholz gefertigt. Um das Geläut vor Verwitterung zu schützen, werden Schallläden angebracht. Diese Maßnahmen werden auch zu klanglichen Veränderungen führen. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Glocken „voller und samtiger“ klingen.

Weil auch im Turmdach zahlreiche faule und morsche Balken vorhanden sind, muss der Zimmerer hinzugezogen werden und Instandsetzungen vornehmen. Und nicht zuletzt kümmert sich die Pfarrei auch um die Empore, wie Kirchenpflegerin Ingrid Hohenadl schildert. Sie ist bereits einige Zeit notabgestützt, da sich dort sprichwörtlich schon die Balken biegen.

Die Pfarrei Leeder gehört mit ihrer Pfarrkirche Maria Verkündigung seit der Landkreisreform vor gut 40 Jahren zum Dekanat Landsberg. Höchst interessant ist ein Blick in die Geschichtsbücher: Bis 1786 war Leeder beim Dekanat Schongau. 42 Jahre lang, bis 1828, war es ein eigenes Dekanat, ehe es schließlich wieder mit Schongau vereinigt wurde.

Johannes Jais

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