Pfarrers Traum wird endlich wahr

Für Stadtpfarrer Thomas Rauch wird am Palmsonntag ein Traum wahr werden. Ein Traum, so sagt er, den er vor kurzem tatsächlich geträumt hat: Er zelebriert in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt wieder die Heilige Messe. Nach fast vierjähriger Schließung soll das renovierte Gotteshaus am 28. März mit einer Prozession von der Heilig-Kreuz-Kirche zur Stadtpfarrkirche feierlich wiederer­öffnet werden.

„Jetzt ist sie wieder eine Kirche, wir sind auf der Zielgeraden“, sagte Stadtpfarrer Thomas Rauch vergangene Woche in einem Pressegespräch. Als vor Kurzem Fotoaufnahmen für einen Kirchenführer gemacht werden mussten und die Kirche wieder in neuem Glanz erstrahlte, habe er intuitiv eine Kniebeuge vor dem Altar machen müssen. „Das war schon ein schönes Erlebnis.“ Hinter Rauch liegt eine anstrengende Bauzeit. Begonnen hatte alles im Juni 2005, als sich ein Gesteinsbrocken aus dem Haupteingangsportal gelöst hatte und herab gefallen war. Die anschließenden Untersuchungen der Statiker brachten kein positives Ergebnis: Die Kirche musste sofort geschlossen werden, eine Hiobsbotschaft folgte auf die andere. Dennoch ist Rauch im Nachhinein mit dem Verlauf der Sa­nie­rungsmaßnahmen zufrieden. „Es ist eigentlich sehr, sehr gut gelaufen.“ Es habe wenige Bereiche mit großen Problemen gegeben. Lediglich im Seitenschiffgewölbe seien die Risse größer gewesen als zunächst gedacht. 200000 Euro mehr mussten deshalb für das Ver­press­en aufgebracht werden. Figuren beschädigt Ein Schadensfall wird die Pfarrei auch noch in den nächsten Monaten beschäftigen: Bei der Verpressung in der Annakapelle ist Mörtel in die Passionskrippe gelaufen und hat dort einige der 300 Jahre alten Figuren beschädigt. „Sie müssen teuer konservatorisch restauriert werden“, er­klärte Prof. Franz Bernhard Weißhaar. Zudem seien Altschä­den an den Figuren festgestellt worden. Welche Kosten die Versicherung des Handwerksbetriebes und welche die Pfarrei noch zu tragen habe, hänge vom Ergebnis der Schadensprüfung ab. Eine Aufgabe, die Kirchenpfleger Anton Hafenmaier auch noch meistern wird. Standen er und Stadtpfarrer Rauch anfänglich vor einem schier unlösbaren finanziellen Kraftakt, so kann Hafenmaier heute sagen: „Finanziell ist es sehr gut gelaufen.“ Von den 7,4 Millionen Euro Gesamtkosten hat die Pfarrei 5,4 Millionen an öffentlichen Zuschüssen, darunter 2,9 Millionen Euro aus Kirchensteuereinnahmen, erhalten. „Gut, dass wir noch vor der Finanzkrise mit der Sanierung begonnen haben“, so Hafenmaier. „Heute hätten wir keine Chance mehr, Mittel in dieser Größenordnung zu bekommen.“ 1800 Einzelspenden Rund zwei Millionen Euro musste die Pfarrei noch selbst schultern. Und das hat sie bis auf 68000 Euro auch geschafft. „Wir hoffen jetzt natürlich noch auf einen letzten Schwung an Spenden, um auch diesen Restbetrag noch zu schaffen“, so Rauch. Rund 1800 Einzelspenden in Höhe von insgesamt 1,75 Millionen Euro sind bisher auf das Konto der Pfarrei eingegangen. 60 Prozent davon sind Groß­spenden von Stiftungen, Firmen oder Privatleuten. Die restlichen 40 Prozent stammen von Kleinspendern. „Viele haben mitgefiebert und jeder hat versucht, etwas zu geben“, sagte Rauch. Zweimal wiedereröffnen Das sei auch der Grund, weshalb alle zur Wiedereröffnung am Palmsonntag, 28. März, eingeladen seien. „Jeder ist willkommen, alle dürfen diesen Tag mit uns feiern“, betonte Rauch. Die Feier beginnt um 9.30 Uhr an der Heilig-Kreuz-Kirche mit einer Prozession zur Stadtpfarrkirche, wo gegen 10 Uhr die Heilige Messe beginnt. Von offizieller Seite wird die Stadtpfarrkirche aber erst am „Weißen Sonntag“, 11. April, um 10 Uhr von Bischof Dr. Walter Mixa mit einem Festgottesdienst wiedereröffnet. „Wiedereröffnet und nicht geweiht, denn die Kirche ist ja nie entweiht worden“, erklärte Rauch. Anschließend gibt es einen Festakt mit Ansprachen und Stehempfang im Pfarrzentrum, „wie­derum für alle“, so Rauch. „Das ist ein ganz wichtiges Signal, denn an dem Projekt waren so viele Menschen beteiligt – ideell wie materiell.“

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