"Das ist mir neu!"

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Nach wie vor gibt es aus der Stadtverwaltung widersprüchliche Aussagen zu den chinesischen Pflastersteinen auf Zwischenlagerfläche im Frauenwald.

Landsberg – Wenn nach dem Abschluss eines Jahrhundertprojekts wie dem Hauptplatzumbau einige Pflastersteine übrig bleiben, ist das zunächst nichts Ungewöhnliches. Wenn es aber rund 140 Paletten voller Steine sind, mit denen weitere 400 Quadratmeter gepflastert werden können, darf man schon mal nachhaken.

Das allerdings kommt im Hause Katharinenstraße 1 nicht so gut an. Da werde schon wieder das Haar in der Suppe gesucht, heißt es im OB-Büro – dort widerspricht man sich gegenseitig.

Der Reihe nach. Ein Schwammerlsucher „entdeckt“ in der vergangenen Woche über 140 Paletten mit Natursteinpflaster für den Hauptplatz auf der städtischen Zwischenlagerfläche im Frauenwald. Das reicht für rund 400 Quadratmeter. Auf Anfrage des KREISBOTEN erklärt Tiefbauamtsleiter Hans Huttenloher, dass es sich dabei um „ca. fünf Prozent Mehrmenge für Transportschäden und Verschnitt“ handle. Das jedoch ist nicht wirklich schlüssig, da, ausgehend von 9000 Quadratmetern Pflasterfläche, diese „Mehrmenge“ kurz vor Abschluss der Arbeiten eigentlich zur Neige gehen müsste. Die Frage nach einer möglichen Mehrbestellung wird verneint. Das war am Dienstag.

"Es war schon bestellt"

Unmittelbar nach der Veröffentlichung des KREISBOTEN-Berichtes „Zu viel bestellt?“ am Mittwoch hakt landsbergblog-Herausgeber Werner Lauff nach. Ihm teilt Pressesprecher Andreas Létang schriftlich mit, dass die im Frauenwald gelagerten Natursteine für die Herzog-Ernst-Straße vorgesehen sind. Im zweiten Abschnitt des Hauptplatzumbaus sollte sie ebenfalls ein neues Pflaster erhalten, wofür im Haushalt insgesamt 150000 Euro vorge­- sehen waren. Zur Ausführung sei es aber nicht gekommen, weil der Stadtrat diese Entscheidung Ende Oktober 2012 zurückgenommen habe. „Das Pflaster war zu diesem Zeitpunkt schon bestellt“, so Létang wörtlich. Er lässt weiterhin wissen: „Die 134 Paletten reichen für das Pflaster in der Herzog-Ernst-Straße aus und auch für eine gewisse Reserve, um beschädigte Steine auszutauschen.“

Wenige Stunden später will Reinhard Skobrinsky (BAL) im Stadtrat wissen, wofür denn nun die Mehrmenge vorgesehen sei. Stadtbaumeisterin Annegret Michler begegnet der Anfrage mit zwei Gegenfragen: „Was hätten Sie getan, wenn wir zu wenig Steine hätten?“ und „Wo liegt das Prob­lem, wenn wir mehr haben?“. Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) bezeichnet „drei bis vier Prozent mehr“ als „üblich und ganz normal“, spricht von einer „Punktlandung“. Weiterhin beteuert er: „Dass wir Steine für die Herzog-Ernst-Straße bestellt haben, ist mir neu.“

Dies bekräftigt Neuner tags darauf, am Donnerstag, beim „Jour Fixe“ mit der Presse. Die widersprüchlichen Aussagen vor Augen erhält Pressesprecher Létang allerdings den Auftrag, den Sachverhalt erneut und abschließend mit der Bauverwaltung zu klären. Eine Presseerklärung werde man danach herausgeben, verspricht Neuner. Zum Redaktionschluss des KREISBOTEN am Dienstag lag sie immer noch nicht vor.

Großzügige Beigabe

Ohnehin zeigt OB Neuner für die Diskussion um die „Mehrmenge“ kein Verständnis – auch nicht für die überschlägige Rechnung, dass die im Frauenwald noch lagernden Steine fast 60000 Euro wert sein müssten – ausgehend von 1,27 Millionen Euro Kaufpreis für die 9000 Quadratmeter. Mehr als 35000 Euro seien das nicht, betont der Oberbürgermeister mit dem Hinweis darauf, dass die Stadt vom Liefe­ranten allein 100 Quadratmeter Naturstein geschenkt bekommen habe – das ist ebenfalls neu.

Toni Schwaiger

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