Wohnungen auf dem Pflegeheim

Pflegeheim Leeder: Apartments fürs Personal im Dachgeschoss

Plan Pflegeheim bei Leeder
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Erneut ging es im Fuchstaler Gemeinderat um das Pflegeheim (Foto), das bei Leeder gebaut werden soll. Mit überraschender Entwicklung: Statt eines Flachdaches sollen nun ein weiteres Geschoss und ein Satteldach aufgesetzt werden.
  • VonJohannes Jais
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Fuchstal – Dieser Vorschlag zum neuen Seniorenheim kam von der jüngsten Gemeinderätin, nämlich von Elisabeth Frieß: Auf dem Gebäude mit der stationären Pflege, das im Osten Leeders entsteht, soll ein weiteres Dachgeschoss draufgesetzt werden. Personalwohnungen für Pflege- und Betreuungskräfte könne man auf diese Weise schaffen. 

Der Antrag kam an. Eine klare Mehrheit im Fuchstaler Gemeinderat war damit einverstanden. Die Frage ist allerdings, ob das Landratsamt als zuständige Baubehörde grünes Licht dazu gibt, dass das ohnehin schon große Gebäude, in dem 92 Pflegeplätze mit 82 Einzelzimmern und fünf Doppelzimmern vorgesehen sind, höher gebaut werden soll als bisher vorgesehen. Die bisherige Planung mit Erd- und zwei Obergeschossen hätte – bei einem Flachdach – eine Gebäudehöhe von 10,7 Metern bedeutet. Die nun beschlossene Variante hat laut Architektin Ute Höpfl von der Unternehmensgruppe Erlbau (Deggendorf) zur Folge, dass die Wandhöhe 11,7 Meter beträgt. Hinzu käme das Satteldach mit Wiederkehr; insgesamt sei von 16 Meter Firsthöhe auszugehen.

Projektentwickler Günther Schmidl berichtete im Gemeinderat, dass die erste öffentliche Auslegung zu dem Bauvorhaben bereits erfolgt sei. Das Grundstück fürs Pflegeheim östlich der Josef-Schöner-Straße und nahe der Fuchstalhalle habe nun 6.150 Quadratmeter. Im ersten Entwurf seien es 5.900 Quadratmeter gewesen. Die Zahl der Pflegeplätze erhöhe sich um einen auf 92. Laut Schmidl wird auf der Nordseite des Gebäudes die Zahl der Stellplätze von 29 auf 33 erhöht. Im Erdgeschoss soll eine Cafeteria eingerichtet werden. Die Bewegungsflächen im Haus und auf dem Gelände reichten aus; die Bewohner seien in der Regel „nicht mehr so mobil“.

Erlbau-Prokurist Frank Kühnhauser schilderte, für das Pflegeheim benötige man 60 Arbeitsplätze in Vollzeit. Darunter seien auch Mitarbeiterinnen aus dem Ausland. Wolfram Ruoff (Neue Liste) sagte, man müsse sich Gedanken machen, wo das Personal wohnen soll. Ins Spiel brachte in diesem Zusammenhang Bürgermeister Erwin Karg den Vorschlag, auf einem gemeindlichen Grundstück an der Bahnhofstraße in Asch Mikro-­Apartments zu schaffen. Eine andere Variante sei ein Wohnheim auf der Ostseite der stationären Pflege. Da meldete sich Elisabeth Frieß zu Wort und meinte: „Besser, wir bauen in die Höhe als nebendran ein eigenes Gebäude“.

Dr. Walter Reitler wollte wissen, wie viele Wohnungen im Dachgeschoss Platz hätten. Das könne man jetzt noch nicht beantworten, entgegnete Kühnhauser. Zur Frage, ob es denn einen Einfluss der Gemeinde auf die Auswahl des künftigen Trägers gebe, sagte der Prokurist nur, dass es schwierig sei. „Man sei froh, dass man überhaupt einen Betreiber finde. Wesentliches Kriterium sei, dass der Träger „eine gute Pflege abliefert“.

Keine Tiefgarage

Den von einigen Gemeinderäten geforderten Bau einer Tiefgarage lehnte das Ratsgremium ab. Günther Schmidl hatte eingangs erklärt, bei einer Tiefgarage bestünde das Problem, dass deren Kosten vom Betreiber nicht geschultert werden könnten. Bürgermeister Karg dazu: Besucher und auch Bedienstete des Seniorenheimes könnten die Parkplätze auf der anderen Straßenseite vor der Fuchstalhalle nutzen. Ein Großteil davon stünde meist leer.

Während Bürgermeister Karg vom Ja für das Draufsatteln eines weiteren Stockwerks völlig überrascht war, verstand Anton Weinholzner den Vorgang kaum noch. Beim Energieprojekt Wärmetopf außerhalb der Ortschaft habe man die Höhe von 16 Metern gar zum Wahlkampfthema gemacht. Und beim großen Gebäude des Seniorenheimes am Ortsrand gehe man jetzt auch bis zu dieser Höhe – der Wohnungen wegen. Es hieß doch, dass die Gemeinde selbst Wohnungen bauen könne. Die Gemeinde aber habe mit dem Gebäude und den Wohnungen nichts zu tun. Vermarktet würden diese vom Bauträger, der Unternehmensgruppe Erl.

Im Nachhinein bedauerte Wolfram Ruoff (Neue Liste), dass die Gemeinde durch den Verzicht auf Vorgespräche mit Trägern und Interessenverbänden die Einflussnahme „komplett aus der Hand gegeben und sich nicht die Bohne drum gekümmert“ habe. Die beschlossene Veränderung zu einem weiteren Geschoss fand er „fürchterlich“.

Dennoch hatte er den Eindruck einer echten Meinungsbildung mit guten Argumenten von vielen Seiten. Gegenüber dem KREISBOTEN fand Ruoff zur Diskussion diese Worte: „Für mich eine Sternstunde im Gemeinderat Fuchstal.“

Energie reinstecken

Der Vorstoß von Gemeinderätin Elisabeth Frieß hört sich gut an: kleine Apartments aufs Pflege­heim obendrauf, anstatt neben­dran ein zweites Gebäude zu bauen. Da mag so mancher – etwa Rathauschef Karg – vom tollen Bergblick schwärmen samt Ausblick zur Denklinger und Leederer Kirche. Nur schade, dass da die Gebäude von Edeka und Netto das Bild trüben.

Unbestritten ist, dass fürs Personal eines solchen Pflegeheimes zusätzlicher Wohnraum notwendig wird. Die Höhe des Gebäudes ist nicht der entscheidende Faktor, selbst wenn der architektonische Klotz am Ortsrand, der durch die Drehung um 90 Grad besser als im ersten Entwurf platziert ist, mit einem Dachgeschoss über drei Stockwerken wieder wuchtiger rauskommt.

Genauso wie die Gebäude-Gestaltung ist schon frühzeitig abzuklären, ob Kräfte aus der Pflege und Betreuung, die einen anstrengenden Beruf haben, direkt über dem Arbeitsbereich wohnen wollen. Nicht von der Hand zu weisen ist nämlich der Gedanke, dass Mitarbeiter eines solchen Seniorenheimes in ihrer freien Zeit gerade auf (mentalen) Abstand Wert legen und daher Wohnraum im Fuchstal bzw. zwischen Landsberg und Schongau bevorzugen.

Wer künftig als Betreiber des großen Pflegeheimes im Fuchstal genommen wird, wie und wo für ausreichend Wohnraum gesorgt wird, ob engagierte Bürger aus Pfarreien oder aus der Gemeinde einen Besucherdienst einrichten können oder Einkäufe erledigen, ob Schulen und Vereine mit Senio­ren gemeinsam was gestalten oder wie den etwas rüstigeren älteren Bewohner möglichst barrierefrei in der Gemeinde Teilhabe ermöglicht wird: Das sind wichtige Fragen für den Investor, aber mindestens genauso für die Gemeinde selbst. Die muss da mitreden; es geht um wichtige soziale Aspekte vor Ort. Auch da ist es angezeigt, Energie reinzustecken – nicht nur bei Windkraft und Wärmetopf.

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