Signal für den Neuanfang:

"Aktive Unterstützung" in der Pflugfabrik

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Die Umwandlung der Pflugfabrik (hier das Verwaltungsgebäude) in ein Wohngebiet möchte die Stadt „aktiv unterstützen“.

Landsberg – Die erste Weiche ist gestellt, wohin diese aber führen wird, das bleibt vorerst offen. Einstimmig sprach sich der Stadtrat am Mittwoch dafür aus, „die Entwicklung der Pflugfabrik in ein urbanes Wohngebiet aktiv zu unterstützten“.

Allein dieser Wortlaut verdeutlicht, was im Verlauf der Debatte mehrfach zur Sprache kam: Die Bauleitplanung liegt zwar in städtischer Hand, das letzte Wort indes haben die Eigentümer. Und die sind „nicht die Caritas“, wie zwei Tage vor der Sitzung Heinz Pöttinger beim Ortstermin betonte.

Wenngleich man sich im Rat einig war, dass der neuerliche Anlauf der oberösterreichischen Unternehmerfamilie als „große Chance“ zu bewerten sei, waren mahnende Stimmen allgegenwärtig. Weil etwa seine An­frage nach der Größenordnung der Bebauung in der Fraktionssitzung am Montag lapidar mit einem „Die Zukunft wird’s zeigen“ beantwortet worden war, sprach SPD-Fraktionschef Dieter Völkel Klartext: „Wir wissen nicht, wohin die Reise geht; es ist und bleibt ein Privatgrundstück.“ Völkl forderte ebenso wie Grünen-Chef Dr. Andreas Hartmann „einen gewissen Prozentsatz“ an sozialem Wohnungsbau in dem neuen „Stadtteil“.

Klare Ansage auch von Axel Flörke (Landsberger Mitte): „Die Bauleitplanung liegt bei uns, da dürfen wir uns nicht erpressen lassen.“ Derlei kritische Bemerkungen wohl erahnend, hatte Stadtbaumeisterin Annegret Michler eingangs der Beratung betont, dass Pöttinger „sehr positiv gestimmt“ sei, eine Wohnbebauung umzusetzen. Sollte das allerdings scheitern, würden die Gebäude der Industriebrache saniert und damit die „gewerbliche Nutzung für die nächsten zehn bis 15 Jahre festgeschrieben“, wie Heinz Pöttinger beschrieb.

Mit dem Bürger

Jetzt aber geht es darum, die große Chance zu nutzen. Um einen „durchdachten Planungsprozess“ entwickeln zu können, wollen Stadtspitze und Grundstückseigentümer die Planungsziele gemeinsam mit den Bür­gern festlegen. Die Bürgerbeteiligung auf dem Pflugfabrikgelände ist für 24. bis 26. April vorgesehen. Einen städtebaulichen Wettbewerb wird es danach laut Michler nicht geben. „Wir legen Planungsgrundsätze per Beschluss fest und gehen damit zu Pöttinger“, beschrieb die Stadtbaumeisterin den Verlauf bis zur Sommerpause. Einige Ratsmitglieder quittierten das mit einem ungläubigen Lächeln. Sie gehen offensichtlich nicht davon aus, dass der Wunsch der Lechstädter dann auch Befehl sein wird.

Und dennoch, „zur Klärung wichtiger planerischer Zielsetzungen“ gab der Stadtrat einen „informellen Entwicklungsplan“ – er führt noch nicht zum Baurecht – an externe Fachgutachter in Auftrag. Sie sollen sich mit Verkehr, Grünordnung, Versorgungsstruktur und der Bürgerbeteiligung beschäftigen. Kostenpunkt: rund 50000 Euro. Laut Beschlussvorschlag sollte der Eigentümer die Kosten „bei Umsetzung der anstehenden Bauleitplanung“ tragen, doch OB Neuner fügte mündlich ein „eventuell“ hinzu, was UBV-Rat Christoph Jell nicht gelten ließ. Es wurde durch ein „Ziel der Vereinbarung ist es…“ ersetzt. Um eine Verbesserung der städtischen Finanzsituation bemüht, erinnerte Jell seine Rats- kollegen daran, dass man auch die „Richtschnur für die Abschöpfung“ festlege und dabei Pöttinger wie alle anderen zu behandeln habe.

Leben statt Wohnen

Im Verlauf der Debatte wurden aus der Mitte des Stadtrates noch weitere Forderungen laut. Geht es nach Dr. Andreas Hartmann (Grüne), muss die Haupterschließung des neuen Wohngebietes über die Spöttinger Straße erfolgen und dem Rad- und Fußwegenetz müsse man besonderes Augenmerk schenken. Weiter: die „Erweiterung der Innenstadt“ dürfe nicht allein mit Wohnungen, sondern auch mit Büros erfolgen. Ähnlich argumentierte Ellighofens Ortssprecher Tobias Schmid. Auf seine Anregung hin wurde das „Urbane Wohnen“ im Projekt-Arbeitstitel auf „Urbanes Leben am Papierbach“ geändert. Sollte die Altstadt tatsächlich um einen „modernen Stadtteil“ erweitert werden, sieht Reinhard Skobrinsky ein erhebliches Verkehrsproblem auf Landsberg zukommen. Deshalb fordert er, jetzt „endlich ein Verkehrskonzept“ zu entwickeln.

Mit Stadthalle?

Fast überschwänglich sprach Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller (CSU) von einem „Geschenk“, das da auf die Stadt zukomme. Einen Teil des „kostbaren Grundstücks“ möchte sie auch öffentlich genutzt wissen; so könne man einige der „wunderschönen Industriehallen“ in kultureller Hinsicht nutzen, sie in Begegnungsstätten umgestalten oder in eine Stadthalle. Letztere fordert die CSU nach wie vor in ihren „Landsberger Perspektiven“ und war Teil des Städtebaulichen Wettbewerbes, dessen 2. Preisträger 2003 im Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Pflugfabrik berücksichtigt wurde. Den entsprechenden Beschluss hob der Stadtrat am Mittwoch auf – ein „Signal für den Neuanfang“, so Stadtbaumeisterin Annegret Michler.

Toni Schwaiger

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