Anlaufpunkt Klosterpforte

Immer ein offenes Ohr für Bedürftige

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Bruder Adalbert (Mitte) ist als Pförnter im Kloster St. Ottilien erste Anlaufstelle für große und kleine Sorgen. Auch hat er immer ein warmes Essen oder ein Bett hat er für Bedürftige und Obdachlose.

St. Ottilien – Sie öffnen dem Besucher das gläserne Schiebefenster hinter der schweren kupferbeschlagen Tür: Die Pförtner Bruder Adalbert Scharpf und Bruder Almarich Schöb sind täglich Ansprechpartner für die verschiedensten Anliegen der Besucher, gleich, ob sie einen Mitbruder treffen möchten, den Weg zum Bahnhof suchen oder eine Führung durch das Klostergelände vormerken möchten.

Die Klosterpforte ist ein zentraler Anlaufpunkt in St. Ottilien – auch besondere Anliegen, denn über diese Schwelle gehen auch Menschen, die es im Leben nicht leicht haben. Sie bitten beispielsweise um ein warmes Mittagessen.

„In den letzten Jahren hat die Zahl derer, die zum Essen ins Kloster kommen abgenommen, weil die Angebote für bedürftige Menschen in der Stadt mehr geworden sind. Dazu kommt, dass wir einfach etwas abgelegen sind“, erzählt Bruder Adalbert. Aber es gebe einige, die kommen gerne eigens mit dem Zug aus München nach St. Ottilien, gerade weil hier weniger los ist, weil sie hier lieber sind, und gerne in Ruhe ein paar Worte mit dem Pförtner wechseln. Teils seien es auch sehr persönliche Worte: „Manche erzählen ihre Geschichte, oft hat sie mit Krankheit, Arbeitslosigkeit und Problemen in der Familie zu tun. Hier sollen sie spüren, dass wir es gut mit ihnen meinen.“, sagt Bruder Adalbert.

„Auch wenn ich nur von der Grundsicherung lebe und wenig für Essen ausgeben kann, so sehr geht es mir nicht ums Geld, wenn ich hierherkomme, es ist vielmehr das Gefühl, dass ich mich hier als Gast gut fühle“, sagt eine Frau jenseits der 50, die an einem grauen Novembertag ins Kloster gekommen ist. Schwere körperliche Krankheiten haben ihr in den letzten Jahren zu schaffen gemacht, zwischenzeitlich sei sie auch in psychiatrischer Behandlung gewesen. Nach einer Zeit der Obdachlosigkeit hat sie jetzt wieder einen Platz in einer Unterkunft in München gefunden. Sie schätze die Stadt als Lebensumfeld, einfach weil, wie sie findet, die Menschen in der Stadt lockerer sind. „Wenn ich auf dem Land jemanden anspreche, schauen mich die Leute wie jemanden vom anderen Stern an.“

Aufmerksame Gesten

Als die Frau das erste Mal vor ein paar Jahren nach St. Ottilien kam, haben die Mönche sie mit einer Brotzeit versorgt. Weil es schon dunkel und recht kalt war, habe ein Bruder die Besucherin mit dem Auto zurück zum S-Bahnhof nach Geltendorf gebracht, ganz ohne dass sie darum gebeten hatte. „Das fand ich sehr aufmerksam. Manchmal ist es mir schon peinlich, dass ich hier um Essen bitte, aber so ist es halt“, erzählt die Frau.

Manch einer, der von sich sagt, sein Glaube helfe ihm, die schwere Lebenssituation zu tragen, geht bevor er an der Pforte um ein Mittagessen bittet, zum Mittagsgebet in die Klosterkirche, so auch ein Mann, der an diesem Tag im Nebenraum mit den zwei großen Esstischen Platz genommen hat und ein wenig von sich erzählt, während Bruder Adalbert das Essen aus der Klosterküche holt. „Ich kann von mir sagen, dass mir der Glaube hilft“, sagt der Mann, der seit etwa 15 Jahren einmal im Monat vorbeischaut, um ein kostenloses Mittagessen zu bekommen.

Ein anderer Gast, der ebenfalls seit mehr als zehn Jahren regelmäßig mit dem Zug aus München kommt, freut sich über die freundliche Aufnahme, die er durch die Pförtner erfährt. „Von meiner Wohnung am Harras ist es zwar recht weit“, aber einmal im Monat komme er in die Erzabtei, um zu essen und um ein paar Naturalien mitzunehmen, so dass er besser durch den Monat kommt.

Denjenigen, die sich nicht nur schwer tun, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern keine Bleibe haben, kann Bruder Adalbert ein Bett in der Ottilianer Notunterkunft anbieten. In dem warmen Raum gibt es vier Betten, eine Dusche und eine Toilette. Die Pfortenbrüder führen genau Buch darüber, von wem und wie oft der Schlafplatz in Anspruch genommen wird. In den Heften seit 1991 sind mehr als 3500 Übernachtungen in der Notunterkunft eingetragen.

Sorgen in der Nacht

Gerade jetzt in den kalten Tagen, ist Bruder Adalbert froh, dass er Obdachlosen Männern auch mal eine Übernachtung anbieten kann. „Es kommt schon vor, dass ich mir nachts Sorgen um den einen oder anderen mache. Ich kenne das zwar nur aus meinen Urlaubserfahrungen, wie das ist, wenn man eine nächtliche Bleibe sucht, aber auch da ist es wichtig, rechtzeitig etwas zu finden.“ Zweimal habe er, der nicht nur im Urlaub gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist und dabei weite Strecken zurückleg, selbst in einer Obdachlosen-Unterkunft übernachtet. „Unterwegs in Spanien haben wir, als es Abend wurde, eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht und haben zu fünft durch Zufall einen Platz in einer solchen Unterkunft gefunden. Ein anders Mal, bei einer Radreise in Italien, bei Ferrara, endet die Suche nach einem Bett für mich und meinem Begleiter genauso.“

Der Bericht über die Ottilianer Pförnter befindet sich in den Missionsblättern der Benediktiner von St. Ottilien. Alle Informationen gibt es auf www.missionsblaetter.de.

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