Pilotprojekt Vogelmonitoring im Fuchstal

Wenn der Rotmilan das Windrad stoppt

Rotmilan im Flug - Nahaufnahme
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Ihm gilt das besondere Augenmerk: der Rotmilan im Wald bei Fuchstal.
  • VonJohannes Jais
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Fuchstal – Beim Vogelmonito­ring für die drei geplanten Windräder im Gemeindewald Leeder machen Fuchstal und das bayerische Wirtschaftsministerium gemeinsame Sache. Der Staat steuert zu den Kosten von 1,2 Millionen Euro deutlich mehr als die Hälfte bei, hieß es neulich in der Sitzung des Gemeinderates. Und der befasst sich am Donnerstag mit der Auftragsvergabe zur Bestellung dreier weiterer Windräder.  

In Sachen Vogelmonitoring hatte die Gemeinde Kontakt mit dem Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) in Berlin aufgenommen. Von dort erhielten die Fuchstaler die Nachricht, dass es sich um das erste breit angelegte Vogelmonitoring in einem Waldgebiet handle. Die Beobachtung im Gemeindewald von Leeder hat damit Modellcharakter.

Mit der vom bayerischen Wirtschaftsministerium geförderten Untersuchung soll im März kommenden Jahres begonnen werden. Die drei Windräder werden im Fall der Baugenehmigung ab 2023 errichtet. Das Vogelmonitoring soll einen aussagekräftigen Vergleich im selben Quartier bringen: nämlich zwischen dem Vogelflug ohne Windräder und danach mit Windkraftanlagen.

Untersucht wird das Flugverhalten mehrerer Vogelarten. Im Fokus steht freilich der Rotmilan. Dessen Population habe im nördlichen Sachsenrieder Forst seit der ersten artenschutzrechtlichen Prüfung im Jahr 2013 – damals vor dem Bau für die Wind­räder im Staatsforst – deutlich zugenommen, stellt Bürgermeister Erwin Karg einen Vergleich an. Dies habe die zweite Kartierung aus dem Jahr 2018 ergeben. Es sei mehr Vogelflug zu beobachten: Wurden vor sieben Jahren nur wenige Striche in der Aufzeichnung eingetragen, so seien es in der zweiten Kartierung vor drei Jahren hunderte gewesen, so der Rathauschef. Das Vorkommen des Rotmilan im Fuchstal, im nördlichen Sachsenrieder Forst und im angrenzenden Ostallgäu habe deutlich zugenommen.

Im Gemeindewald Leeder sollen vier oder fünf Beobachtungs­türme für das mehrjährige Vogelmonitoring aufgestellt werden. In 40 Metern Höhe werden acht Kameras installiert, die rundum Flugbewegungen der Vögel aufnehmen. Im Mittelpunkt steht der Rotmilan. Uhu-Vorkommen gibt es im Kingholz und im darunterliegenden Gemeindewald nicht; dieser geschützte Vogel ist eher im Osten der Fuchstaler Gemarkung im Bereich des Lechs zu finden.

Wenn die Windräder stehen, soll über das Monitoring erfasst werden, ob und wie sich bei drehenden Rotorblättern Flugbewegungen im Vergleich zum Vorjahr verändern. Auch will man Erkenntnisse dazu gewinnen, wie häufig ein automatisches Abschalten eines oder mehrerer Rotorblätter, die in 160 Meter Höhe montiert werden, erforderlich wird. Das geschieht dann, wenn ein Rotmilan beziehungsweise eine andere erkundete Vogelart wie der Schwarzstorch 300 Meter vor dem Windrad „auf den Radar“ kommt.

Das generelle Abschalten wegen Vogelflugs kann dazu führen, dass beim Ertrag von Wind­energie Einbußen bis zu 20 Prozent hinzunehmen sind. Mit einer ausgeklügelten Abschalteinrichtung für die Rotorblätter könne diese Ziffer auf zwölf bis sieben Prozent Einbußen gedrückt werden, erklärt Bürgermeister Karg. Generell ist es das gemeinsame Ziel von KNE und Politik, mit den Erkenntnissen aus dem Vogelmonitoring den Artenschutz und die regenerative Energiegewinnung in Einklang zu bringen.

Klare Mehrheit

Mit 10:4 Stimmen sprach sich der Fuchstaler Gemeinderat für das Vogelmonitoring aus. Mit Nein votierten Anton Frieß, Martin Schuster, Angelika Gast (alle von der Neuen Liste Fuchstal) und Christoph Kneißl (Wählergemeinschaft Leeder).Vorausgegangen war eine lange Debatte. Anton Frieß verdeutlichte seine Position, warum er weitere Windkraftanlagen im Gemeindewald Leeder ablehne. Bis zu 40 Wildvogelarten seien dort oben beheimatet. Er sei gegen einen Missbrauch von Waldflächen „unter dem Deckmantel der Wirtschaftlichkeit“. Es seien negative Auswirkungen auf das Öko-System zu befürchten. Die Natur könne sich nicht wehren, kommentierte Frieß, der eine namentliche Abstimmung forderte.

Ein Problem der Windkraft sei der Vogelschutz. Darum könne man dieses „einmalige Projekt einer wissenschaftlichen Begleitung“ nur begrüßen, bekundete dritter Bürgermeister Dr. Walter Reitler. Es sei doch spannend zu erfahren, ob Vögel sich durch den Betrieb der Anlagen anpassen, ob es ihnen egal sei oder ob sie leiden, meinte Reitler zum Vergleich Vorher – Nachher.

Das Vogelmonitoring mache ökologisch wie ökonomisch Sinn, ergriff zweiter Bürgermeister Stephan Völk das Wort. Im „Windmühlenkampf“ für regenerative Energien würden „belastbare Daten“ weiterhelfen. Dr. Stefan Winghart (Neue Liste) betonte den besonderen Charakter des Pilotprojekts auf einem Waldstandort.

Anton Weinholzner hakte nach, warum wieder Zeit verstreiche und sich der Bau der drei Windräder verzögere. Das Thema sei „nicht so trivial, wie sich’s anhört“, antwortete VG-Geschäftsleiter Gerhard Schmid. Bei dieser wissenschaftlichen Begleitung sei „Fleisch am Knochen“, was einen zeitlichen Vorlauf bedeute.

Das Vogelmonitoring im Gemeindewald wird vom Wirtschaftsministerium finanziell unterstützt. Unser Archivbild vom Juli 2020 zeigt (von links) Bürgermeister Erwin Karg, Minister Hubert Aiwanger und Ingenieur Robert Sing an der Anlage im Kingholz.

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