Es gibt noch viel zu tun

Pilotprojekt Wärmetransport Lechtalbad hakt noch

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Der Standplatz der Wärmecontainer am Lechtalbad Kaufering.

Landkreis – Wärmetransport ist ein hervorragender CO2-Sparer: Die überschüssige Wärme einer Biogasanlage wird abgezapft, im speziellen Container auf einen LKW verladen und zu einem Nutzer wie beispielsweise einem Hallenbad transportiert. So auch im Landkreis, wo das Lechtalbad Kaufering per Wärmetransport beliefert wird. Aber noch ist dieses Projekt ein Pilotprojekt des Landkreises in Zusammenarbeit mit der Energieagentur LENA. Weil noch getestet und getüftelt werden muss.

Bei der Lechtalbad-Konstellation wird eine bereits bestehende Energieversorgung durch den Wärmetransport ergänzt. Pro Tag fährt ein Lkw-Schwertransport mit dem energiegeladenen Container – der allein schon 19 Tonnen wiegt – von der Biogasanlage in Weil zum Bad, wo die Wärme eingespeist wird. Ein zweiter Container wartet unterdessen bei der Anlage auf seinen Einsatz. Denn bis die Container ganz entladen sind, können schon einmal 18 Stunden vergehen. Die Energieverluste während des 15-minütigen Transports schätzt der Leiter des Hochbaus Christian Kusch dabei auf „nahezu Null, vernachlässigbar“.

Die Einspeisung am Bad läuft jedoch nicht ganz so wie gewünscht, berichtet Kusch. Das liege unter anderem an dem bisherigen Speichertyp. Hier sei aber ein neuer in Aussicht, dessen Entladung nur noch acht Stunden dauern werde. Ein anderes Problem sei der 15 Jahre alter Gaskessel, der im Lechtalbad auf Hochtouren laufe: „Der ist überdimensioniert und vermasselt uns ständig das ganze System.“ Denn er verhindere die vollständige Entladung der Container. Weshalb ein Teil der Energie zurück ins sechs Kilometer entfernte Weil fährt. Dabei würde sich ein Austausch des Kessels bereits nach vier bis fünf Jahren amortisieren, so Kusch.

Bisher hinke man den gewünschten Zielen noch hinterher. So könnten nur 1.200 Kilowattstunden pro Tag eingespeist werden – im September waren es insgesamt 40.516 Kilowattstunden, was einer CO2-Ersparnis von 8,2 Tonnen entspricht. Ziel sei aber die Einspeisung von 2.000 Kilowattstunden pro Tag. Auch das Ziel, zwei Lkw-Ladungen pro Tag abliefern zu können, ist noch nicht realisierbar. Und damit auch nicht die Möglichkeit, 50 Prozent der im Bad benötigten Energie mittels Wärmetransport liefern zu können. „Aber nicht umsonst ist es noch ein Forschungsprojekt“ relativiert Kusch die Probleme. Das A und O seien die Speicherkapazität und eine schnelle Be- und Entladung der Container.

Dennoch gibt es Vorteile. Man könne hier im Vergleich zu anderen Projekten „reale Zahlen“ liefern, da man alle Geräte und Dienstleistungen auf dem freien Markt beschaffen müsse. „Wir müssen jede Technikerstunde zahlen. In Hannover kommt die Energie von der städtischen Müllverbrennungsanlage und wird an eine Schule geliefert.“

Im Moment koste die gelieferte Energie noch zehn Cent pro Kilowattstunde, wobei zwei Cent allein auf den Transport per Lkw entfielen. Die Wirtschaftlichkeit des Systems werde sich aber insbesondere dann zeigen, wenn für CO2 gezahlt werden müsse. Renate Standfest (Grüne) warf ein, dass nicht nur Wirtschaftlichkeit als Erfolgsfaktor zählen dürfe. Landrat Thomas Eichinger (CSU) entgegnete, dass neben Klimaschutzzielen sehr wohl die Wirtschaftlichkeit zähle, „sonst ist das Projekt in meinen Augen gescheitert“.

Ideal scheint es, wenn bei einem Heizsystem gleich von Anfang an der Wärmetransport eingeplant werden kann. So gebe es in der Schweiz ein sehr ähnliches Projekt, berichtet Henryk Bednarek vom Lena-Tochterunternehmen Lena Service GmbH, das ebenfalls in Zusammenarbeit mit LENA abläuft. „Aber dort können wir eine hundertprozentige Versorgung allein durch den Wärmetransport ermöglichen.“ Das beruhe auch darauf, dass dort schon im Bau mit LENA geplant wurde. Idealbedingungen also.

Kritik übte Wolfgang Buttner (ÖDP und stellvertretender Vorsitzender von LENA). Neben technischen Nachfragen empfahl er auch das Färbergaßl in Dießen für eine Belieferung mittels Wärme. Dort sei nicht ausreichend Platz für die Container, entgegnete Kusch.

Was passiere denn, wenn Biogas zu teuer werde, fragte Clemens Weihmayer (CSU). Das System könne auch auf andere Wärmequellen ausgerichtet werden, versicherte der Hochbauchef.

Ein "Wärme-Jour-fixe"?

Ob denn die Zusammenarbeit funktioniere, wollte Standfest wissen. Sie habe das Gefühl „dass nicht alle an einem Strang ziehen“. Man solle einmal im Monat einen Jour fixe zu diesem Thema einplanen. Landrat Eichinger widersprach. Man wolle nicht die ehrenamtliche Arbeit der Kreisräte „ausbeuten“. Der Auftrag solle in der Verwaltung erledigt werden, es sei sozusagen ein „Lernverfahren“. Zudem funktioniere die Zusammenarbeit mit LENA sehr gut, versicherte Kusch.

Ein zweites Wärmetransportprojekt steht demnächst beim neu zu bauenden Warmfreibad Greifenberg und beim Seniorenheim Theresienbad an. Man habe bereits ein Angebot einer Biogasanlage vorliegen.
Susanne Greiner

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