Wo Pilse in den Bäumen reifen

Die Kurzen dürfen beim Pilsesuchen gerade mal Buch führen. Fotos: Kruse

Es ist inzwischen eine gute Tradition, dass sich im Herbst 50 Männer und Frauen – selbstverständlich in Lederhose oder Dirndl – mit Körben bewaffnet in einen Wald in der Umgebung aufmachen, um nach Pilsen zu suchen. Seit 1996 veranstaltet der „Pilse-Such-Verein“ (PSV) aus Kaufering bereits die jährliche Fahrt und so verfügen die Verantwortlichen längst über jede Menge Kompetenz und stehen Neulingen schon nach der gemeinsamen Anfahrt mit dem Bus mit Volksmusik, Rat und Tat zur Seite. Vor häufig gemachten Anfängerfehlern warnte Christian Liedtke („Beauftragter für spezielle Pilsverköstigung“): Ohne Pilskappenmesser (anderswo auch Flaschenöffner genannt) in den Wald zu gehen etwa, Pilskappen liegen zu lassen („darin ist das Samengut enthalten“) oder auch Giftpilse zu verzehren, die leider ebenfalls zahlreich vorkommen.

Damit derlei nicht passiert und sich alle gut zurechtfinden, war vom PSV bestens vorgesorgt: Auch diesmal erhielt jeder Teilnehmer eine gar nicht so kleine Fibel zum „Pilse suchen 2011“, in der ein Grußwort von Luitpold von Bayern („Das feuchte Klima dieses Sommers führte zu erheblichem Bestandsaufbau in den Kellern der Pilsezuchtanstalten.“), wichtige Verhaltensregeln („Keinen Müll wegwerfen. Keine Pilze pflücken. Nicht im Wald liegen bleiben.“), die Kleiderordnung und vor allem ein Pils-Bestimmungs-Buch enthalten waren. Der Sucher konnte so auch heuer wieder alles Wichtige über seinen Fund an einheimischen oder exotischen Pilsen erfahren, bevor er sich an den Verzehr wagte. Der Hut (etwa „Standardlamellenkappe ohne Überwuchs“) war ebenso zu beachten wie Stiel und „Plöppverhalten“, Schaumbildung und natürlich Geschmack. Dieser reichte je nach Pilsart von „sympathisch“ über „schwacher Vor- und Nachgeschmack“ bis zu „verschreibungspflichtig“. Scheinbar nicht auszurotten sind in den heimischen Wäldern die umfangreichen Giftpils-Populationen. In zahlreichen Körben lagen gegen Ende der Suche gleich mehrere Flaschen der nicht zum Verzehr geeigneten Arten, die meistens durch einen transparenten Stiel auffallen oder vorwiegend in knalligen Gelb- und Orangetönen schimmern. Zu Zwischenfällen kam es aber nicht, da die Teilnehmer von ihren „Pils-Guides“ bestens vorbereitet worden waren und die Giftpilse bei ihnen ablieferten – die Veranstalter kümmerten sich später um eine fachgerechte Entsorgung. Nach gut zwei Stunden im Wald machte sich bei Einigen ein wenig Erschöpfung breit – beendet war der Pilse-Such-Tag damit aber noch lange nicht. Was bei der anschließenden „Panorama-Busfahrt“ in den zahlreichen Kreisverkehren geübt wurde, soll zwar unter dem Mantel der Pilse-Sucher-Verschwiegenheit bleiben, doch nach einer höchst interessanten Reiseroute wartete auf Veranstalter wie Teilnehmer ein schöner Abschluss: Bei Gstanzln vom „Stoandl“ und einer mehr als reichhaltigen Brotzeit wurden – dem Anlass angemessen – noch etliche Pilse verzehrt, wobei dann aber deutlich wurde, dass auch bei den besten Speisepilsen nach übermäßigem Genuss Unverträglichkeitsreaktionen auftreten können. Wer Interesse an dieser bayerisch-traditionellen Veranstaltung hat, kann sich im Jahr 2012 wieder (ausschließlich) unter www.pilse-suchen.de anmelden. Lange überlegen gilt da nicht: Wenn der Bus voll ist, ist er voll. „Wir wollen den Wald und die Pilsbestände nicht überlasten, deswegen fahren wir nie mit mehr als 50 Leuten“, sagt Alexander Popfinger, der festgestellt hat: „Interessanterweise ist es jedes Jahr ein Drittel Stamm-Sucher, ein Drittel, die immer wieder mal kommen und ein Drittel Neulinge, die sich für Tradition und Erhalt der heimischen Bestände und Arten interessieren.“

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