Pionierarbeit im Sporthallenbau

Alles andere als zeitgemäß: die Geltendorfer Turnhalle. Foto: Osman

Planung für den Bürger statt am Bürger vorbei: Geltendorf möchte eine neue Sporthalle bauen, die für den Bedarf der Bevölkerung maßgeschneidert ist. Dazu wird in allen Gemeindeteilen eine Umfrage durchgeführt, die die Wünsche der Bürger detailliert ermitteln soll. Dieses Konzept der kooperativen Sportstättenplanung wurde von Wissenschaftlern der Universität Stuttgart entwickelt. Geltendorf ist die erste Gemeinde in Bayern, die sich daran versucht.

Seit gut zehn Jahren geistert der Wunsch nach einer neuen Sporthalle durch die Gemeinde. Jetzt geht der Gemeinderat an die Umsetzung – und will Nägel mit Köpfen machen. „Was passiert, wenn man die Bürger nicht in die Planung einbezieht, sieht man an Stuttgart 21“, so Hanns-Peter Kirchmann von dem auf Sportstätten spezialisierten Planungsbüro kplan AG. Auch in Geltendorf hat man Erfahrung mit Projekten, die am Bedarf vorbeigehen. „Wir haben ein Bürgerhaus und keiner geht hin“, so Josef Weiß (CSU). Bei der Sporthalle soll nun alles anders werden, Schema F bleibt in der Schublade. „Die typische Turnhalle, die jeder noch aus seiner Schulzeit kennt, ist nicht mehr zeitgemäß“, weiß Kirchmann. Lange schon seien sich Sportfachleute darüber einig, dass die Normen-Sporthallen – bezeichnenderweise im Jahre 1933 in Deutschland entwickelt – nicht mehr der Vielfalt der heutigen Sportarten und den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen. Denn die gesellschaftlichen Veränderungen und der demographische Wandel wirken sich auch in diesem Bereich aus. So nimmt der Wettkampfsport bei Männern ab 30 rapide ab. Dafür steigt der Bedarf nach Senio­rensport, hier sind besonders die Frauen aktiv. „Auch Dinge wie Skaten und Beachvolleyball müssen in einer zeitgemäßen Halle möglich sein“, erklärte Kirchmann. Detaillierter Fragebogen Um möglichst bedarfsorientiert und bürgernah planen zu können, sollen die Wünsche der Bevölkerung mit Hilfe eines Fragebogens ermittelt werden. Welche Sportarten werden getrieben? Was ist die Haupt-, was die Zweitsportart? Wie oft, wie intensiv und zu welcher Jahreszeit werden sie ausgeübt? Ein derart detaillierter Fragebogen wird bis Ende des Jahres an Haushalte und Vereine in allen Gemeindeteilen gehen. Auch Kinder sollen in die Umfrage einbezogen werden. Bis Ende Februar 2011 soll die Auswertung der Fragebögen vorliegen. Es folgen Beratungen mit dem Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) und die Entwicklung eines Konzepts für die Geltendorfer Halle. An die Umsetzung geht es laut Kirchmann „frühestens 2012.“ Die Kosten für die erste Schritte bis zum fertigen Konzept bezifferte er mit 60000 Euro. Davon übernimmt der BLSV 20000 Euro, weitere 15000 Euro kommen voraussichtlich als Zuschuss vom Freistaat. „Konzeptförderung ist eigentlich unüblich“, so Markus Ott, BLSV-Referatsleiter Sportstättenbau. „Aber die Staatsregierung verspricht sich davon ein Planungsinstrument für die Zukunft.“ Mit anderen Worten: Geltendorf kann von seiner Pionierarbeit profitieren. Die Verteilung der Fragebögen übernimmt die „Arbeitsgruppe Turnhalle“, die aus Gemeinderäten und engagierten Bürgern besteht. Dabei sollen die Blätter nicht einfach im Briefkasten landen, sondern innerhalb von Vereinen und in der Nachbarschaft möglichst persönlich weitergegeben werden, um einen hohen Rücklauf zu erzielen. Kirchmann dazu: „Je mehr Bürger sich beteiligen, desto besser wird die Halle.“

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