Schön freundlich

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Auf eine fiktive Reise nahm Mia Pittroff das Landsberger Publikum mit.

Landsberg – Den Nachweis hat Mia Pittroff nachdrücklich geführt bei ihrem Gastspiel in Landsberg auf Einladung der Kleinkunstbühne s‘Maximilianeum: nicht nur „ganz schön böse“ sondern auch „ganz schön freundlich“ kann ein Qualitätsmerkmal von Kabarett sein.

Steckt da etwa ein Anflug von Selbstzweifel über die grundsätzliche Tauglichkeit als Kabarettistin im Programm der Fränkin mit selbst gewähltem Wohnschicksal Berlin? Schließlich sind und waren die größten Helden der Szene jene, deren Verbalinjurieren von diesem „schön-böse-Raunen“ des Publikums begleitet wird. Namentlich baut Pittroff Gerhard Polt in ihr Programm ein. Und im Vergleich zum bayrischen Groß-Grantler wirkt die zierliche Künstlerin wie ein Osterlämmchen gegen einen schnaubenden Stier. („Ich der freundliche Typ – im Kabarett ist das ein No-Go; mir fehlt a bissl die Grundaggression“).

Dabei verbindet Pittroff und Polt bei genauerer Betrachtung deutlich mehr als sie trennt. Zum einen weil Polt seinerseits eine feine poetische Ader hat und die Franken-Berlinerin ihrerseits eine böse Seite (was sich im späteren Verlauf des Abends noch zeigen sollte). Die größte Schnittmenge ergibt sich aber in der herausragenden Fähigkeit, ihre Mitmenschen, deren Umgebung und Handlungsweisen ganz genau zu beobachten, zu sezieren und daraus ironisch-klug und höchst unterhaltsam gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren.

In ihrem zweiten Soloprogramm „Ganz schön viel Landschaft hier“, das sie im gut besuchten Foyer des Stadttheaters auf die Bühne brachte, nimmt sie während einer fiktiven Reise zum 65. Geburtstag ihrer Mutter notorisch aktive Senioren, Facebook, Wadentattoos, App-Wahn, unterschiedliche Deo-Typen („Roller oder Sprüher“) und das Treiben in hippen Szenelokalen in Berlin unter das Brennglas ihrer spitzen Beobachtungen. Dabei entwickelt sie ihre Geschichte eher bedächtig. Was anfangs wie Schüchternheit eines gar zu freundlichen Typs wirkt, entpuppt sich freilich als feinsinniger Kniff, die unter dem Trommelfeuer der allgegenwärtigen sozialen Netzwerke und Smartphones erstickende Denkfähigkeit zu konterkarieren. Gar keiner Worte bedarf es bei der stürmisch bejubelten Blockflöten-Version von Helene Fischers „Atemlos“.

Bei all dem ist Pittroff eher ironische Poetin als deftige Pointenschleuder. Was aber auch gut so ist. Die größte Überraschung ist, wenn die Kabarettistin mit der mädchenhaften Aura auch noch zu Singen anfängt. Wo ihre Stimme gesprochen manchmal so dünn wirkt, dass darüber die Pointe verloren zu gehen droht, kommt ihr Gesang kräftig und glockenrein rüber. Dabei wirkt dann auch der Kontrast aus Liebreiz in Vortrag und Tanz und schwarz-humorigem Text am schärfsten. Spätestens bei „Jürgen“ ist dann klar: die freundliche Frau Pittroff kann auch ganz schön böse.

Frank Volk

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