Taubenturm mit neuem Dach

Dießener Heimatverein ausgezeichnet

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Eine Plakette für die gelungene Dachrenovierung des Taubenturms gab es für den Heimatverein Dießen. Hier Heimatverein-Schatzmeister Josef Graf, Architekt Karl-Werner Geisler, Heimatvereins-Vorsitzender Prof. Dr. Thomas Raff und von der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ Dr. Erika Goldhammer und Franz Graf Stillfried (von links).

Dießen – Das Warnschild „Vorsicht herabfallende Dachziegel“ musste nicht aufgestellt werden. Der Heimatverein Dießen als Eigentümer des Taubenturms hatte rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet, bevor die Gefährdung akut wurde. Mit einer finanziellen Spritze der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ wurde das marode Dach renoviert und jetzt sogar mit einer Bronzeplakette ausgezeichnet.

Der 1628 erbaute Taubenturm im Schatten des Marienmünsters ist eines der markantesten Wahrzeichen der Marktgemeinde Dießen. Er bildet den nördlichen Abschluss des ehemaligen Klosterhofs des Augustiner-Chorherrenstifts. Das Baudenkmal, seit 1925 im Besitz des des Heimatvereins Dießen, wurde immer wieder renoviert, um bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt oder bei Kunstausstellungen gefahrlos genutzt zu werden. Zuletzt war das Dach fällig. Für dessen gelungene Restaurierungsmaßnahmen erhielt der Heimatverein jetzt von der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ neben dem Zuschuss eine Bronzeplakette.

Überreicht wurde die Auszeichnung an Prof. Dr. Thomas Raff, dem ersten Vorstand des Heimatvereins Dießen, von Franz Graf Stillfried, dem Vorsitzenden der treuhänderischen Baudenkmal-Stiftung München in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Das ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 fachlich fundiert und unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmäler ein. Sie wurde bundesweit bekannt durch die von ihr ins Leben gerufene Aktion „Tag des offenen Denkmals“.

Der Taubenturm ist eines der über 420 Objekte, die die Stiftung dank Spenden, Erträgen aus ihrer Treuhandstiftung sowie Mitteln der Lotterie „Glücksspirale“ allein in Bayern fördern konnte. So wie die Dachinstandsetzung des Turms mit 7.500 Euro. Die Bronzeplakette, gut sichtbar angebracht vor dem Taubenturm, soll das Engagement der privaten Förderung an vorbildlichen Projekten in Erinnerung halten und zur weiteren Unterstützung motivieren.

Laut Architekt Karl-Werner Geisler, dem ehrenamtlichen Betreuer der Baumaßnahmen am Taubenturm, war die Dachrenovierung dringend nötig. Herabfallende Dachziegel hätten Passanten akut gefährdet. Der Dachstuhl wurde daraufhin zimmermannsmäßig repariert, die Schädigungen an den Auflagepunkten behoben und eine neue Ziegeldeckung aufgebracht. Dabei konnte ein Viertel der Original-Dachziegel wieder verwendet werden. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die teilweise durchgerosteten Dachrinnen erneuert.

Von der barocken Bebauung um den Klosterhof ist neben dem Taubenturm, der damals „Romenthaler Tor“ hieß, nur noch der Traidtcasten und der westlich am Turm angebaute Stadel erhalten. Er wurde 1628 als Wirtschaftsbau mit Satteldach erbaut und diente dem Kloster als Wagenremise. Heute ist der sogenannte Scheffler-Stadel als letztes erhaltenes Ökonomiegebäude der Nordseite des Klosterhofs ein wichtiges Zeugnis für die Art und Maßstäblichkeit der einstigen Umbauung des Wirtschaftshofes.

Der Taubenturm wurde vom Heimatverein nach dem Kauf für 2.000 Mark ab 1933 zunächst als Museum mit Themen wie „Herd und Stube“ oder „Einheimische Handwerkskunst“ sowie als Bücherei und Besprechungsraum genutzt, bevor die Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen kamen. Die Wende war 1974, als die Gemeinde Dießen beschloss, den heruntergekommenen Turm anlässlich der 650-Jahrfeier der Markterhebung (1976) gründlich zu sanieren. Durch Studenten der TU München wurde der Turm genau vermessen, sanitäre Anlagen wurden eingebaut, die Fenster erneuert und ein neuer Außenanstrich angebracht.

Die Exponate des Museums kamen in die Räume über der Kirche St. Stephan neben den Traidtcasten und der Turm wurde nur noch für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. An dem Sommerwochenenden ist der Turm für Besucher geöffnet, die die alten Ziegelstufen hinaufsteigen und von ganz oben den Blick über Dießen und den Ammersee bis nach Andechs genießen wollen.

Dieter Roettig

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