Wo die Kandidaten ansetzen wollen

+
Moderator Werner Lauff (links) stellte für das Publikum die Fragen und die Kandidaten mussten ihre Antworten auf maximal 60 Sekunden beschränken – der Monitor vor dem Podium war ihnen eine wertvolle Redezeit-Hilfe.

Kaufering – Drei Themenkomplexe mit zahlreichen Fragen und vielen Antworten – nach knapp zwei Stunden war klar, wo die vier Landratskandidaten, Renate Standfest (B’90/Grüne, GAL), Her­mann Dempfle (Bayernpartei), Thomas Eichinger (CSU) und Markus Wasserle (SPD/ FW/ÖDP, Landkreis Mitte) stehen. Nachfolgend einige Auszüge.

Was würden Sie bei den Schulen im Landkreis anders machen?

Wasserle: „Wir haben viele Projekte, für die wir bundesweite Auszeichnungen bekommen. Zusätzlich sollten wir ein Ganztagesprojekt für die weiterführenden Schulen entwickeln.“ Dempfle: „Ein Hauptproblem ist, dass jeder mit einem Notenschnitt von 3 oder 3,5 auf höhere Schulen geschickt wird und auf den Dörfern die Schulen dichtgemacht werden. Ein Handwerksberuf ist auch nichts Schlechtes.“

Standfest: „Bei den Ganztagesangeboten müssen wir mit der Infrastruktur nachziehen. Ich möchte das Thema Inklusion vorantreiben. Und wir dürfen nicht nur in Gebäude in­- vestieren, wir brauchen auch in ausreichender Zahl Lehrer.“

Eichinger: „Wir müssen Wohn­angebote für diejenigen, die in der Ausbildung sind, schaffen, unser Angebot muss überregional attraktiv sein. Die bisherige Politik sollte man nicht anders, sondern sinnvoll fortsetzen.“

Hätten Sie als Landrat mehr oder weniger Geld als im Moment in der Tasche?

Eichinger: „Da ich dann keine Rentenbeiträge bezahlen müsste, wäre es netto etwas mehr.“ Wasserle: „Das mache ich nicht wegen des Geldes. Ich muss mich ja selbst in der Firma ersetzen, das gleicht sich aus.“

Standfest: „Ich war selbständig, habe zuletzt gut verdient, aber auch schon weniger gut. Über die Jahre wird sich das ausgleichen.“

Dempfle: „Ich bin in einer Branche, in der es keinen Stundenlohn gibt. Es täte mir schon sehr gut.“

Wie würden Sie die Schulden senken, um damit auch die Kreisumlage senken zu können?

Eichinger: „Die Verschuldung des Landkreises ist die von Gemeinden und der Stadt, sie gehören dahin, wo Investitionen anfallen. Sie abzubauen, würde nur gehen, wenn zwischen der Kreisumlage und dem, was wir zurückzahlen, etwas übrig wäre.“

Dempfle: „Ich bin nicht der Freund von Schulden. Wir haben eine Hausnummer erreicht, bei der man mit viel Maß und Ziel weiterarbeiten muss.“

Standfest: „Die Grenze bei der Kreisumlage liegt für mich bei 50 Prozent. Wir müssten Ausgaben reduzieren, dazu war der Mut in den letzten Jahren nicht da. Ich würde die Investitionen kritisch auf den Prüfstand stellen.“

Wasserle: „Wir haben eine Kreisumlage unter 50 Prozent und einen absolut transparenten Haushalt. Es ist auch gerecht, die Tilgung auf einen langen Zeitraum zu strecken. Es haben mehrere Generationen etwas von den Investitionen, da wäre es ungerecht, wenn nur eine davon zurückzahlen würde.“

Wie wollen Sie die Erzeugung regenerativer Energien fördern?

Eichinger: „Wir haben im Klimaschutzkonzept beschlossen, dass wir zum Großteil regenerative Energien nützen wollen. Wir sind auf einem guten Weg, wir brauchen nicht unbedingt die Windkraft. Dazu ist unsere Heimat zu schön.“

Wasserle: „Wir brauchen intelligente Stromnetze und Speichertechnologien. Bei der Windkraft möchte ich Partner der Gemeinden sein. Egal wieviele Anlagen zum Schluss stehen, wir müssen weiter Haustür an Haustür miteinander leben können.“

Dempfle: „Ich bin grundsätzlich für dezentrale Erzeugung und für die Windkraft. Aber man muss natürlich schon mit den Leuten reden, bevor man in die Planung geht.“

Standfest: „Wir haben das größte Potenzial bei Sonne und Wind. Es wird nicht funktionieren, wenn jeder sagt , prinzipiell ja, aber nicht vor meiner Haustür’. Wir müssen unsere Kulturlandschaft weiter gestalten und dazu gehört auch das Windrad.“

Was kann mit dem Fliegerhorst-Gelände in Penzing passieren?

Wasserle: „Das ist eine riesige Entwicklungschance, um eine ausgewogene Mischung anzusiedeln. Wir haben dort ein noch intaktes Bahngleis. Als Vision für die Zukunft könnte man das verlängern, im Osten von Landsberg einen Bahnhof bauen und so direkt an München anbinden.“

Dempfle: „In der Vergangenheit sind oft auf der grünen Wiese große Projekte entstanden. Man muss aber schauen, was für Arbeitsplätze damit geschaffen werden. Die Leute sollten dann von dem Geld auch leben können.“

Standfest: „Das ist eine Chance, aber man müsste erst einmal mit Penzing reden und auch die Auswirkungen auf die Nachbarn und den Verkehr betrachten. Möglicherweise könnte man dort einen Branchencluster schaffen.“

Eichinger: „So eine Fläche gibt es so schnell kein zweites Mal mehr. Wir sollten sie mit Augenmaß nutzen. Man könnte zum Beispiel Betriebe aus der Automotive-Branche ansiedeln und dazu einen entsprechenden Lehrstuhl einer Hochschule und damit einen Cluster bilden.“

Wie groß darf eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber sein?

Eichinger: „Man muss ehrlich sagen, dass wir nicht 1000 Leute dezentral unterbringen können. 60 Personen, so wie in der Münchener Straße, halte ich für eine gute Größe.“

Wasserle: „Wichtig ist vor allem die ehrenamtliche Arbeit, die geleistet wird, egal, wie groß die Unterkunft ist.“

Standfest: „60 ist schon die Obergrenze für mich. Damit stehen jedem Bewerber sieben Quadratmeter zu. Das ist moderne Käfighaltung.“

Dempfle: „Da 60 Leute hineinzupferchen, ist mehr als menschenunwürdig.“

Christoph Kruse

Meistgelesen

Vier Neue am Vogelherd
Vier Neue am Vogelherd
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"

Kommentare