Podiumsdiskussion in St. Ottilien

Liebe zum Job und zu den Menschen

Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema Werte in St. Ottilien
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Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema Werte in St. Ottilien waren (v.l.) Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer, Kabarettist Bruno Jonas, Ursula Münch (Akademie für Politische Bildung ) und Peter Kosak (Schulwerk Augsburg).
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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St. Ottilien – Illustre Gäste nahmen in der vergangenen Woche auf der Bühne im Festsaal des Gymnasiums St. Ottilien Platz – zur ersten Podiumsdiskussion seit langem, die als Präsenzveranstaltung mit Publikum stattfinden konnte. Über das Thema Werte und darüber, welche Antworten sie auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts geben können, diskutierten Kabarettist Bruno Jonas, Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Peter Kosak, Direktor des Schulwerks Augsburg, und der Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer.

Der fünfte vorgesehene Gast fehlte krankheitsbedingt in der Runde. Bayerns Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler hatte sich, von einem Hexenschuss außer Gefecht gesetzt, entschuldigen lassen. Sibler gehört ebenso wie Jonas und Münch zu den prominenten Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Kultur, die Beiträge zu Zierers neuem Buch „Werte in Bayern“ beigesteuert haben. Dass ausgerechnet der aufbrausende Bruno Jonas in dem Buch über die Tugend der Selbstbeherrschung schreiben sollte, verblüffte diesen selber. Aber er tat es und stieg tief ein in die Betrachtung von Gelassenheit, die in seinen Augen nicht so weit gehen darf, „dass man immer alles gut findet“.

Welche Werte genau dem Bildungsauftrag der Schulen im Freistaat Bayern zugrunde liegen, steht in Artikel 131 der Bayerischen Verfassung, auf die verbeamtete Lehrer vereidigt werden. „Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden“, heißt es da. Und weiter: „Höchste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen (...)“.

Ist die Ehrfurcht vor Gott als oberstes Bildungsziel noch zeitgemäß? Das wollte Zierer von den Diskussionsteilnehmern wissen. Während Ursula Münch vermutete, dass sich viele Menschen heute daran stoßen würden, fand Peter Kosak diesen Wert gerade in der säkularisierten Gesellschaft wichtiger denn je. Zierer selbst sieht darin die Grundlage für die Integrationskraft einer Gesellschaft.

Universeller Gott

Die Vorstellung, es sei hier nur „der katholische Gott“ gemeint, sei überholt. Nach heutiger Auffassung gehört auch der Respekt vor anderen Glaubensrichtungen dazu – beziehungsweise ein generelles Verständnis von Transzendenz.

Bruno Jonas erklärte, beruflich halte er sich beim Thema Religion inzwischen zurück. Anders als früher, als er schon mal wegen „Religionsbeschimpfumg“ angezeigt wurde, bezweifelt er heute, dass Glaubensinhalte satirisch verspottet werden sollten. Das sei „zu einfach“ und bringe letztlich nichts.

Anders verhalte es sich mit Kritik an den dazugehörigen Institutionen. „Wo Kirche schädigend einwirkt, dürfen wir kein Blatt vor den Mund nehmen“, so der Kabarettist und Autor mit Blick auf den Missbrauchsskandal.

Einigkeit herrschte darüber, dass Lehrern bei der Vermittlung von Werten an die nächste Generation eine Schlüsselrolle zukommt. Münch kritisierte in diesem Zusammenhang die Lehrerbildung, die nach diversen Hochschulreformen zu viel Gewicht auf reine Wissensvermittlung lege und zu wenig Zeit lasse für eine Beschäftigung mit „brotlosen Fragen“.

Werte vorleben

Bruno Jonas fand, es müsse mehr Psychologie und Pädagogik an die angehenden Lehrkräfte vermittelt werden, „gerade im Gymnasialbereich“. Wer erfolgreich unterrichten wolle, brauche neben der Liebe zu seinem Stoff auch „Liebe zu den Menschen, die er beschult“.

Klaus Zierer betonte, am erfolgreichsten seien Lehrpersonen, wenn sie Werte authentisch und glaubwürdig vorleben würden. Zu dieser Aussage passte die abschließende Verleihung eines Nachhaltigkeits-Zertifikats an drei Lehramtsstudierende, die ihre Wertvorstellungen gleich in konkretes Handeln übersetzt haben: Die drei legten auf ihrem Campus mit viel Aufwand eine Insektenwiese an und setzten dieses Projekt sogar im privaten Umfeld fort.

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