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Dichterstreit der Zwillinge

Poetry-Slam im Stadttheater mit zwei Gewinnern - irgendwie

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Urgesteine aus Chicago: Dan "Sully" Sullivan (links) und Tim Stafford waren noch beim Gründer des Poetry-Slams Marc Kelly Smith dabei. Im Landsberger Stadttheater deklamierten sie politische Poesie und ein Statement über die Macht der Wörter.

Landsberg – Marc Kelly Smith ist inzwischen 69 Jahre alt. Ein ‚alter Herr‘, könnte man meinen. Aber ihm ist es gelungen, die Poesie von Mottenkugeln zu befreien und für Jugendliche zum Hot Spot zu machen. Denn 1986 veranstaltete Smith in Chicago den allerersten Poetry-Slam – weshalb er auch ‚Slam-Papi‘ genannt wird. Beim Poetry-Slam des Kreisjugendrings am Samstag kamen zwei seiner Schüler aus Chicago ins Stadttheater: Dan Sully und Tim Stafford alias „Death from Below“ – ‚Spoken Word‘ vom Ursprung als großartige Einleitung zum Landsberger Dichterstreit.

Es ist ein ungewohntes Bild: Eine Menschenschlange vor dem Stadttheater wartet ungeduldig auf Einlass. Was noch weitaus erstaunlicher ist: Der Altersdurchschnitt liegt bei gefühlt 25. Um Viertel vor acht schließt die Kasse: Der Theatersaal ist voll bis auf den letzten Stehplatz. Poesiebegeisterte Menschen, die auf zehn erfahrene oder auch unerfahrene Slammer warten. Wortvortrag für junge Leute. Poesie wirkt.

Selbstgeschrieben, ohne Hilfsmittel und innerhalb eines Zeitlimits müssen die vorgetragenen Texte sein. Es sind die Regeln, die Smith in den 80ern in Chicago einführte und die auch Slam-Moderator Ko Bylanzky als Bedingungen setzt. Außer Konkurrenz – und außerhalb eines Zeitlimits – tritt „Death from Below“ auf. Mit zwei politischen Texten. Einem über die Mauer, die die beiden gerne um eine gewisse Person errichten würden: „His hair looks like a cat but from reverse.“ Einen Stein für jedes Mal, wenn er „Fake News“ sagt oder den Klimawandel abstreitet. „Let him trap himself forever.“ Der zweite Text ernster, um den Wert und die Macht der Poesie, die so viele Autoren unter Einsatz ihres Lebens verfasst und veröffentlicht haben. Mit der auffordernden Frage am Ende: „What does a pen mean to you?“ Die beiden Poeten tragen nicht nur vor, es ist eine Performance, der Text im exakten Timing auf einen, zwei oder beide Münder gleichzeitig verteilt. Beide Slammer sind Lehrer und setzten sich dafür ein, Poesie in die Klassenzimmer zu bringen. Dan „Sully“ Sullivan ist Gründer der ‚Urban Sandbox‘, einem Poetry-Slam der Chicagoer Uni, der seit 15 Jahren stattfindet. Und Tim Stafford hat unter anderem das Buch mit dem aussagekräftigen Titel „Learn then burn“ geschrieben. Nichts abkupfern, kreativ werden.

Was die zehn innerhalb des Landsberger Slams auftretenden Dichter und Dichterinnen beherzigen: mit Texten, die Persönlichkeit zeigen. Wie der der 25-jährigen Selina Seemann aus Kiel, die mit „Wenn ich ehrlich bin“ über den Selbstbetrug spricht. Oder die gleichalte Berlinerin Tanasgol Sabbagh, geboren im Iran. Ihr Text „Von überall her“ spricht über Identität, dem Gefühl des Zwischen-den-Stühlen-Sitzens von Menschen mit Migrationshintergrund: hier und trotzdem anders.

Weniger ernst ist Anna Münkel aus Inning, gerade mal 17 Jahre alt, die sich in das Seelenleben eines Hundes einfühlt, den die ewige Leine nervt. Tierisch auch der Text der bayerischen Poetry-Slam-Meisterin 2014 Meike Harms, entstanden aus „der th-Schwäche meines Vaters“: einen genialen Text über den Tierpark, „ein Ort, um Tiere zu parken“, in der Hauptrolle „Think Positive“ – in Art des Vaters gesprochen ‚Fink‘. Zu dem sich weitere Finken gesellen, „Fink Twice“ oder „Fink outside the Box“ – kurz Fox.

Das Finale

Das Finale bestreiten zwei Männer, der aus München kommende, inzwischen aber in Innsbruck lebende Bastian Vogel und David Friedrich, ebenfalls aus München kommend, inzwischen aber in Hamburg zuhause. Aber nicht nur der Geburtsort ist den beiden gemeinsam. Nebeneinander stehend scheinen sie fast Zwillinge zu sein. Und unfreiwillige Komik: Selbst im T-Shirt gleichen sich die beiden Poeten. Bastian überzeugt in der ersten Runde mit einem Text übers nie erreichte Cool-Sein, David mit Babyottern und Babyotter-Robotern, „eine Welt, in der wir alles, alles haben, aber fast nichts von dem, was wir bräuchten“.

Im Finale lassen sich beide von ihren Großeltern inspirieren: David spricht über die Vergangenheit seines Opas, zur Unkenntlichkeit umgedichtet, und die Verantwortung der eigenen Geschichte. Bastian fragt sich bei der Beerdigung seiner Oma, wie man wohl in den Himmel kommen kann. Und ob das wirklich so wichtig ist. Denn „die Zukunft ist jetzt. Tut Gutes nicht fürs Paradies.“ Ein Appell, mit dem er das Publikum für sich gewinnt. Oder zumindest Beifalls-Stärken-Juror Ko Bylansky. Denn mal ehrlich: Die beiden waren gleich gut. Zwillinge eben.

Susanne Greiner

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