Von Politik bis Zärtlichkeit – Diözesan-Jugendvestival "zwanzig09 – Leben in Fülle" war ein voller Erfolg

Die „Fülle“, die im Thema steckte beim Diözesan-Jugendfestival im Kloster St. Ottilien, kam zunächst von oben in Form von Unwetter und Regengüssen. Aber mit knapp 1200 Teilnehmern bei „zwanzig09 – Leben in Fülle“ auch durchaus gut gefüllt war das Wochenende rund um die Klosteranlage. Die dritte Fülle schließlich waren die Workshops und Veranstaltungen, das Rockkonzert sowie die Vesper mit Bischof Mixa am Samstag und die Messe mit Weihbischof Losinger.

Der Weihbischof brachte es am Sonntag beim Abschluss auf den Punkt: Dieses Treffen „zwanzig09“ hat die Einrichtung des Jugendfestivals im Bistum Augsburg „vor dem Untergang bewahrt“. Denn nach sechs Jahren hatte man endlich wieder eine Terminlücke gefunden. So sah man am Ende nur noch müde, aber fröhliche Gesichter, die eine „affengeile“ Atmosphäre, die „schön warme“ Turnhalle nach dem Samstag-Unwetter und die unerwartet „coolen“ Leute richtig genossen hatten. Neben „Ausgleichssport“ wie Rollstuhl-Parcours oder die „Menschen-Kicker“, die mit Bananenblätterbällen und auf einem Spielfeld fixiert versuchten Tore zu schießen, war auch ein Jenga-Turmbau geboten sowie Chill-out in mehreren Räumen oder mitten im Trubel an einer Strandoase. Sehr gefragt auch der Schokoladenbrunnen oder das Bodypainting. Wer dabei noch Infos wollte, der ging zu Erzabt Jeremias und schaute sich den Film über das Leben hinter Klostermauern an. Stufenleiter der Zärtlichkeiten Ausgebucht und jeder Platz besetzt war bei den Gesprächskreisen und Workshops von Dr. Pascal Gläser, Referent für wertorientierte Sexualpädagogik. Mit seinen Themen zu „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ (ab 14 Jahren) hat er ins Schwarze getroffen. Den Jugendlichen, erklärt er später, sei es so immens wichtig, Orientierung zu bekommen. Mit einer „Stufenleiter der Zärtlichkeiten“, die sie selbst erarbeitet haben, wollten sie den „Weg von der Verliebtheit zur Liebe“ skizzieren und Fragen wie „Wie kann ich Verletzungen vermeiden“ und „Woher weiß ich, dass er/sie mich liebt“ erörtern. Die „Bäumchen-wechsel-dich-Methode“, das sei vielen jungen Leuten heute klar, macht nicht unbedingt glücklich. Wer’s gerne politisch hatte, der ging zur Kolping Jugend. Dort mussten Politiker von vier im Bundestag vertretenen Parteien Farbe bekennen und sich den Fragen der Jugendlichen stellen. „Schwarz-Rot-Gelb oder doch Grün?“ sollte geklärt werden. Eine der ersten Fragen jedoch war nach der Motivation der Profis. Hatte sie nur die bevorstehende Bundestagswahl ge- trieben oder gab es doch Interesse an der Diskussion mit Jugendlichen? Miriam Gruß (FDP), Martin Sailer (CSU), Florian Pronold (SPD) und Sepp Daxenberger (Grüne) sollten Antworten geben auf das „G8-Fiasko“, das bei den Schülern das Gefühl wecke, sie seien „Versuchskaninchen“. Fragen kamen auch nach dem Woher der Millionen, die die Parteien nun im Wahlkampf für die Bildung versprechen. Oder die Studiengebühren, die viele als eine ungleiche Bildungschance ansehen, die sich am Geldbeutel der Eltern orientiere. „Wir haben alles getan, damit das Diözesan-Jugendtreffen nicht so schnell vergessen wird“ – so kann man das Unwetter in der Nacht zum Samstag auch einordnen. Evakuierungspläne, weil alle wussten, dass der Wetterumschwung kommen wird, gab es bereits im Vorfeld. Aber Benediktiner-Pater Cornelius vom Kriseninterventionsteam war bestens gerüstet und hatte nur Lob für die ruhige Umquartierung von am Ende rund 500 Menschen in die Turnhalle des Gymnasiums und den reibungslosen Ablauf, stark unterstützt vor Ort von den Maltesern. Eine „spannende Nacht“, die einfach nur „klasse“ war – und keine hat gefroren. Leider hatte der Himmel aber auch am Samstag kein Einsehen und es war am Abend wieder ein warmer Raum gefragt. Das Festzelt schien geeignet und auf der Bühne stand „Feedback“, die Rockgruppe aus ehemaligen Schülern des Kloster-Gymnasiums mit Abtprimas Notker Wolf an Gitarre und Querflöte. Die heizten derart ein, dass sogar ein Teil der Mönche sich in den Bandwurm durch die Halle einreihte, dass Solo-Tanzeinlagen von Habit-Trägern mehr faszinierten als die Rocker auf der Bühne. Star des Abends Der Star dieses Abends war aber schon vorher da gewesen. Nach dem Abendessen begann ein regelrechtes Fotoshooting mit Bischof Walter Mixa. Alle wollten ihn ablichten, alle wollten mit aufs Bild. Und er stand unermüdlich für alle zur Verfügung. Bischof Walter Mixa und Weihbischof Losinger war es ein besonderes Anliegen, die Religion als ein möglicher Maßstab für das eigene Handeln anzubieten. Orientierung und Sinngebung, Perspektiven für das Leben und Beispiel geben für den Glauben, der „immer auf zwei Beinen daherkommt“. Vielleicht, so überlegte Losinger, ist es am Ende die Jugend, die die Erwachsenen wieder zum Evangelium führt. Das war der Gemeinde dann auch ein promter Applaus wert. „Leben in Fülle“ – für 1200 Teilnehmer war es zumindest ein Wochenende, übervoll mit Erlebnissen, Fragen und Antworten, neuen und alten Freundschaften. Hoffentlich dauert es bis zum nächsten Treffen nicht wieder sechs Jahre!

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