Politur für den Wellblechbahnhof

Mit größtmöglicher Sorgfalt transportierten Bruder Romanus und sein Team den ersten Bahnhof St. Ottilien von der Weide zum Eingangsbereich der Erzabtei. Foto: Schäfer

Der Geschichte des Ottilianer Bahnhofes widmet sich Andreas Janikowski ab Mai in der Klostergalerie. In diesem Zusammenhang renoviert Bruder Romanus derzeit den ersten Bahnhof in Form einer einfachen Wellblechhütte. Sie war am 1. Oktober 1898 eingeweiht worden. Am 15.5. um 15.05 Uhr soll die Ausstellung „St. Ottilien und die Eisenbahn“ eröffnet werden.

Im Eingangsbereich des Klosters soll St. Ottiliens erstes Bahnhofsgebäude während der Ausstellung aufgestellt werden. Es grenzt fast an ein Wunder, dass die alte Blechhütte überhaupt noch vorhanden ist. Sie diente als Unterstand für den Bahnwärter und zum Fahrkartenverkauf. Bereits im Jahre 1914 sei sie durch einen einfachen Holzbau ersetzt worden, lässt der Pressesprecher der Ottilianer, Martin Wind, wissen. Der Holzbau wiederum sei 1939 durch die heutige Wartehalle ersetzt worden. Die Blechhütte selbst befand sich die letzten Jahrzehnte als Unterstand und zugleich Brunnenhäuschen auf den Weiden zwischen St. Ottilien und Geltendorf. „Optisch schaut das Ganze nicht sehr eindrucksvoll aus und manche Ordnungsfanatiker könnten versucht gewesen sein, das ,Gerümpel‘ zu entsorgen“, gesteht Wind ein. Dass es nicht soweit kam, stimmt ihn, die Ottilianer und Kurator Janikowski sehr froh, schließlich handle es sich bei der Well­blech­hütte Baujahr 1898 um ein durchaus wertvolles Industriedenkmal. Andreas Janikowski geht in seiner Ausstellung natürlich auch auf die Ursprünge des kleinen Bahnhofes ein: Zwölf Jahre nachdem sich die Missionsbenediktiner in St. Ottilien niedergelassen hatten, eröffnet die Königlich Bayerische Staatsbahn 1898 eine Lokalbahn von Mering nach Weilheim. Schon zu Beginn erhielt die Ottilianer Haltestelle auch ein Güterladegleis, was den Bau der Klosterkirche (1897 - 1899) erleichterte. Bereits nach zehn Jahren hatte sich die Ammerseebahn zur wirtschaftlichsten aller bayerischen Lokalbahnen entwickelt. Seit den 60er Jahren brachte die politische Benachteiligung der Eisenbahnen eine Vernachlässigung im ländlichen Schienennetz mit sich, so auch auf der Ammerseestrecke. Sie war zuletzt Mitte der 30er Jahre modernisiert worden. 1971 verkehrten auf der Ammerseebahn die letzten Dampflokomotiven, der letzte Fernschnellzug 1991, der Güterverkehr endete 2001. Zwischen Geltendorf und Weilheim fahren seit 2008 allein die Triebwagen der Bayerischen Regiobahn. Die Ausstellung in der Klostergalerie präsentiert zudem Fahrkarten, Dokumente und historische Fotos sowie Modelleisen­bahn-Dioramen der früheren Ottilianer Bahnlandschaft.

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