Vorsicht, Einbrecher!

Gerne durch das Hintertürchen

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Wohnungseinbrecher haben derzeit Hochkonjunktur – meist steigen sie durch die Terrassentür ein.

Landkreis – Die Tage sind kurz, die Abende und Nächte umso länger. Es ist Hochkonjunktur für Einbrecher, allemal in der Ferienzeit, wenn die Immobilie kurzfristig nicht bewohnt ist. Der KREISBOTE sprach darüber mit Franz Kreuzer, Pressesprecher der Polizeiinspektion Landsberg.

Herr Kreuzer, kann es sein, dass im Moment besonders viele Einbrüche in Häuser und Wohnungen zu verzeichnen sind?

Kreuzer: „Eine gewisse Häufung ist nicht von der Hand zu weisen. Allerdings stellt der Anteil der Wohnungseinbrüche im Landkreis Landsberg mit aktuell 1,3 Prozent nur einen relativ kleinen Phänomenbereich dar, wird aber in der öffentlichen Wahrnehmung als äußerst dominante Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls empfunden.“

Woran liegt das?

Polizeihauptkommissar Franz Kreuzer: „Wir beraten gerne!“

Kreuzer: „Kaum eine Straftat im Bereich der Eigentumskriminalität geht dem Einzelnen so nahe wie ein Einbruch in den Privatbereich seiner Wohnung.“

Wie viele Einbrüche sind es denn pro Jahr?

Kreuzer: „In den letzten drei Jahren wurden im Landkreis Landsberg von der Polizei 108 Wohnungseinbrüche aufgenommen. Davon lag in 48 Fällen ein versuchter Einbruch vor. Für 17 Einbrüche konnte ein Täter ermittelt werden.“

Tendenz steigend?

Kreuzer: „Allerdings. Bayernweit weisen die Wohnungseinbrüche eine steigende Tendenz auf, wobei insgesamt gesehen eine geringe Aufklärungsquote erzielt werden konnte.“

Und wie sieht es im Landkreis Landsberg aus?

Kreuzer: „Auch hier stiegen die Zahlen in den letzten drei Jahren an. Im vergangenen Jahr, einschließlich November, wurden bei der Polizeiinspektion Landsberg weitere 27 Fälle registriert, von denen es in 13 Fällen beim Versuch blieb. Dies bedeutet für 2012 eine ähnliche hohe Zahl im Jahr zuvor.“

Wo wird denn am meisten eingebrochen?

Kreuzer: „Überwiegend gingen die Täter im Stadtbereich Landsberg und in den größeren Landkreisgemeinden, also Kaufering, Geltendorf, Schondorf und Dießen, an freistehende Einfamilienhäuser. Dort wurden in den meisten Fällen Fenster oder Terrassentüren aufgehebelt – nicht die Hauseingangstüren. Oft erfolgt dies von der Gartenseite, die von den Nachbarn oder der Straße aus nicht eingesehen werden kann. Die Täter nutzen auch die ,dunkle’ Jahreszeit mit früher einsetzender Dämmerung und Dunkelheit. Oft sind bei der Tatausführung die Hausbesitzer noch an ihrer Arbeitsstelle oder auf dem Heimweg.“

Was macht die Aufklärung so schwierig?

Kreuzer: „Sie gestaltet sich insbesondere bei den versuchten Einbrüchen aufgrund fehlender daktyloskopischer Spu­- ren, etwa Fingerabdrücke, äußerst schwierig. Oft sind an den Fensterrahmen nur Kratzer oder Druckspuren von den Hebelwerkzeugen vorhanden.“

Worauf haben es die Täter abgesehen?

Kreuzer: „Als Diebesgut werden Bargeld, Schmuck und Münzen gesucht – andere zum Teil wertvolle Gegenstände bleiben aufgrund ihrer Größe unangetastet. Den Tätern wäre bei deren Abtransport das Entdeckungsrisiko ganz einfach zu groß.“

Wie reagiert die Polizei?

Kreuzer: „Natürlich haben wir das Problem der Tages- und Dämmerungswohnungseinbrüche längst erkannt. Die Polizeiinspektionen Landsberg und Dießen erhöhen bereits seit Jahren die Streifentätigkeit zu den tatrelevanten Zeiten. Diese erfolgen auch in Form von Fuß- und Zivilstreifen.“

Und wie sieht es mit der Bevölkerung aus?

Kreuzer: „Die wollen wir natürlich mit in unser Boot holen und bitten um Mithilfe. Dazu folgende Anmerkungen und Tipps:

• Die Polizei ist rund um die Uhr erreichbar.

• Teilen Sie uns verdächtige Wahrnehmungen oder Besonderheiten zeitnah mit.

• Warten Sie nicht bis zum nächsten Tag oder bis bereits ein Einbruch gemeldet und in der Presse aufgelistet wird.

• Achten Sie auf Fahrzeuge, weil sie Ihnen auffallen oder weil Ihnen etwas seltsam vorkommt.

• Teilen Sie uns Kennzeichen oder auffällige Personen mit.

• Es gibt keinen Grund zu fürchten, dass Sie sich durch Mitteilungen lächerlich machen.

• Lieber eine Mitteilung zu viel als später zu sagen, ,hätte ich doch bloß angerufen’.

• Begeben Sie sich nicht selbst in Gefahr; sprechen Sie Verdächtige nicht an; nehmen Sie sofort Kontakt mit der Polizei auf und beobachten Sie weiter.“

Nun gibt es ja relativ viele versuchte Einbrüche…

Kreuzer: „Dass viele Täter aufgeben, liegt mitunter auch an den Sicherungen der Häuser. Um diese weiterhin zu forcieren und auszuweiten, sollen die Bürger intensiv über die einbruchshemmende Ausstattung der Wohnobjekte informiert werden. Diese Aufgabe wird von den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen erfüllt.“

Gibt es dazu auch entsprechendes Informationsmaterial?

Kreuzer: „Selbstverständlich. Das Polizeipräsidium Oberbayern und die Polizeiinspektion Landsberg haben einen Flyer und eine Broschüre erarbeitet, die über eine Kontaktaufnahme der Haus- und Wohnungseigentümer mit der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle – im Landkreis Landsberg ist das die Kripo Fürstenfeldbruck – informieren. Der Fachberater wird Ihnen auf Anfrage gerne informative und kostenlose Hinweise zum Einbruchschutz für Ihre Wohnung oder Ihr Haus geben. Er ist unter der Telefonnummer 08141/612-397 zu erreichen.“

Das ist relativ aufwendig…

Kreuzer: „Wie man’s nimmt. Flyer und Broschüren wurden bereits aber auch schon an die Stadt und das Landratsamt Landsberg sowie die Wohngemeinden verteilt. Interessierte Wohnungsinhaber können sie somit in den Rathäusern abholen.“

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch!

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