Polizeibootshaus: Baubeginn im Herbst?

Zuversicht auf späte Einsicht

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So soll nach den Planungen das Polizeibootshaus am historischen Dampfersteg Holzhausen aussehen. Baubeginn ist vielleicht schon im Herbst dieses Jahres, wenn man nicht auf die Argumente der Gegner hört.

Holzhausen-Utting – Still ruht der See in der Holzhauser Bucht. Noch, denn eigentlich war schon für Juni 2017 der Baubeginn des umstrittenen Polizeibootshauses am historischen Dampfersteg angedacht. So hieß es jedenfalls Ende Februar bei einer Gemeinderatssitzung im BVS-Bildungszentrum, an der rund 300 Gegner dieses seit Jahren bekämpften Projekts teilnahmen. Hier wurden die fertigen Pläne des Architekturbüros Lüps unter Einbeziehung eines naturschutzrechtlichen Gutachtens vorgestellt. Die Vollständigkeit dieses Gutachtens wurde von Besuchern angezweifelt und Einsichtnahme beantragt.

Die Frage nach der Einsichtnahme wurde zunächst vom Innenministerium ignoriert. Daniel Fusban von der „Initiative Dampfersteg Holzhausen“ sowie Wolf Dietrich Lüps und Horst Pientka vom Verein „Unser Dorf“ ließen aber nicht locker und bohrten beim Ministerium nach. Dort erkannte man nach fast drei Monaten schließlich, dass es sich hier um Umwelt­informationen entsprechend dem Bayerischen Umweltinformationsgesetz (BayUIG) handle und diese Informationen jedem Bürger zugänglich gemacht werden müssten. Ende gut, nicht alles gut. Denn aus „gewichtigen Gründen“ und wegen „hohem Verwaltungsaufwand“ konnten die drei Initiatoren jetzt im Landratsamt Landsberg nur die Genehmigungsunterlagen zum laufenden Zustimmungsverfahren einsehen.

Wie bereits mehrfach berichtet, will das Innenministerium am Holzhauser Dampfersteg für rund eine halbe Million Euro ein Bootshaus für das 15 Jahre alte Polizeiboot WSP7 bauen, das bislang während der Saison am Dießener Dampfersteg einsatzbereit liegt und danach in der Stegener Werft überwintert. Man habe sämtliche Alternativstandorte rund um den Ammersee geprüft, habe sich aber letztendlich für Holzhausen als optimalen Standort entschieden. Alle Argumente und zum Teil spektakuläre Protestaktionen der Gegner halfen nichts – bislang. Doch etwas Zuversicht auf eine späte Einsicht des Ministeriums haben die Initiatoren immer noch, wie sie in ihrer aktuellen Medienmitteilung „Planung ohne Tiefgang“ mit ihrer Betrachtungsweise artikulieren.

So sei das Umweltgutachten für die Durchführung des Zustimmungsverfahrens im Landschaftsschutzgebiet Ammersee eher eine „Umweltbetrachtung“, die nach eigener Expertenprüfung „deutliche fachliche Mängel“ aufweise. Sämtliche Formulierungen seien allgemein gehalten, bauten nicht auf aktuelle Erhebungen aus dem Baugebiet Holzhauser Bucht auf, sondern bezögen sich auf Daten Dritter aus vergangenen Jahren. Daniel Fusban: „Spekulative Formulierungen wie ‚Vogelarten können in ungestörte Plätze ausweichen‘ sowie die Nichtbehandlung des durch den Schilfgürtel direkt benachbarten FFH-Gebiets Seeholz lassen ein umfassendes Verständnis für die schutzwürdigen Belange des betroffenen Bereiches vermissen und zwingen dazu, sich Gedanken über den Sinn und Zweck von Naturschutzgebieten zu machen“.

Im Bereich Landschaftsschutz betont die Initiative, dass das geplante Bootshaus in Größe und Lage einmalig sei im Freistaat: „An keinem See in Bayern gibt es ein Bootshaus, das weiter im See situiert ist als das geplante Bootshaus am Holzhauser Dampfersteg mit 72 Metern.“ Laut Recherchen der Initiative sei das am weitesten in einen See ragende Bootshaus in Bayern mit 60 Meter Uferentfernung das Bootshaus Wächter in Seon-Seebruck am Chiemsee. Das in Holzhausen geplante Gebäude mit 17 Metern Länge und sechs Metern Höhe stehe beispiellos und unproportioniert in der Bucht.

Seit 13 Jahren liegt das Polizeiboot WSP7 während der Saison am Dampfersteg in Dießen. Von der Polizeiinspektion in der Hofmark ist das Boot schnell erreichbar und einsatzbereit.

Auch die Nutzung des Polizeibootes WSP7 bei niedrigem bzw. hohem Wasserstand bezweifelt die Initiative. Die Planung basiere auf der Annahme, dass die Mindestwassertiefe unter Bootskiel 14 Zentimeter bei glattem Wasser beträgt. Nur unter dieser standortbezogenen unrealistischen Annahme sei das Bootshaus ganzjährig nutzbar. Fusban: „Ein vorbeifahrender Dampfer erzeugt aber Wellen von zirka 30 Zentimetern Höhe und ein Oststurm von etwa 50 Zentimetern. Damit sitzt das Polizeiboot bereits am Grund auf.“ Gehe man bei realistischer Betrachtung von einer Mindestwassertiefe des Polizeibootes unter Kiel von 25 Zentimetern aus, ergäbe sich folgendes Bild: „Im statistischen Zehnjahresmittel ist die Mindestwassertiefe von 25 Zentimetern unter Kiel an 120 Tagen jährlich unterschritten und das Bootshaus damit nicht nutzbar. Verschärft wird die Thematik, wenn das Bootshaus – wie in den gesichteten Unterlagen dokumentiert – noch ein bis zwei Meter Richtung Ufer rutschen muss, falls es die Bodengründung erfordert.“

Der Verein „Unser Dorf“ und die Initiative „Dampfersteg Holzhausen“ bezweifeln bezüglich ihrer recherchierten angeblichen Versäumnisse bei der staatlichen Planung „die ständig propagierte Alternativlosigkeit der Standortwahl“. Sie fordern eine neue weitergehende und detaillierte Prüfung aller relevanten Naturschutz-Aspekte. Obwohl bereits mit Nachdruck an der Umsetzung der Planung bzw. mit einem Baubeginn noch im Herbst dieses Jahres gearbeitet werde. Abschließend betonen Verein und Initiative, dass bei sämtlichen Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet Ammersee überaus strenge Regelungen und behördliche Auflagen zu beachten seien. „Die geplanten Maßnahmen in der Holzhauser Bucht verstärken das Gefühl, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.“ 

Dieter Roettig

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