Musikalische Frotzelei

+
Der ewig grantelnde Gerhard Polt wurde von den Wellbrüdern Christoph, Klaus und Michael mit ihrer musikalischen Genialität unterstützt: ein bayerischer Abend der anderen Art.

Landsberg – Der eine grantelt als bestechlicher Landrat in dreister Unschuld, die drei anderen sticheln gut gelaunt, musikalisch begleitet von ihrer eigenen Virtuosität. Gerhard Polt und die Wellbrüder liefern mit ihrem aktuellen Programm „gehobene Unterhaltung mit humanitärem Beigeschmack.“ Den Zuschauern im ausverkauften Landsberger Veranstaltungszentrum hat’s gefallen. Lang müssen sie nach zweieinhalbstündigem Programm nicht um Zugaben betteln: Ganz offensichtlich sind die vier Künstler Rampensäue mit Spaß an musikalischer Frotzelei.

Die Herzen der Zuschauer angeln sich die Wellbrüder gleich beim ersten Lied. Da geht’s um Landsberg. Um „ein Baugebiet ohne Zufahrt“, um „steigende Immopreise wegen den depperten Münchnern“ und um Dobrindt. Ein herausragender Politiker. Aber nur, „wenn er zwischen zwei Gartenzwergerln steht“. Von Landsberg geht’s zum Megaevent nach Hausen: Die Feuerwehr feiert 125-jähriges Jubiläum. Sponsor des Abends ist Rupprohre Rohrbach, auch zuhause in Hausen, dem Dorf mit einem Kreisverkehr, in dem schon Händel mit seiner Kutsche hängen blieb. „Hausen ist ein Händel-Dorf, so wie Landsberg ein Cash-Dorf ist“, klärt Michael Well. Händel war auf dem Weg von Wien nach London, „und da kommst du um Hausen einfach nicht rum“.

Folgerichtig gibt’s zum Jubiläum der Feuerwehr auch die Feuerwehrsuite mit Trompete, Akkordeon und Tuba. Was die drei Wellbrüder dann abliefern, begeistert. Christoph „Stofferl“ (das 14. Kind) an der Trompete brilliert in klassischen und volksmusikalischen Weisen – nicht umsonst war er früher Solotrompeter bei den Münchener Philharmonikern. Karl „Karlis“ (der 12.) Finger fliegen auf der Steirischen und Michael (der 13. – insgesamt sind es 15 Wells) liefert auf der Tuba den Rhythmus, nach dem sich alle richten. Nicht umsonst ist er als Familienmanager der „Imperator des Wellimperiums“. Auch tänzerisch punkten die Drei: Stofferl plattlt, Karli schwingt den Bauch und Michael ehrt den schottischen Vorfahren McWell mit Stepp-Highland-Dance vom Feinsten.

Zurück zu Rupprohre Rohrbach. Die sind inzwischen Global Player: Erst kürzlich konnten sie den Auftrag für die Weihwasserpipeline Andechs-Altötting einheimsen. Mit Ausbau nach Lourdes. Da lassen sie sich auch nicht lumpen beim Sponsern: „8.314 Brezen, 2.604 Hendl (ganze!), 21.000 Liter Bier!“ poltert Polt als bierstolzer Einheimischer. Und noch elf Fischsemmeln. Stolz ist man auch auf die Eigeninitiative einiger Bürger: „Die haben Enzian ausgeschenkt und pro Enzian gab’s zehn Cent für die Drogenhilfe.“ Insgesamt 1.620 Euro. Polt bleibt beim Menschlichen. Regt sich über die Lehrer von heute auf, die keinen Krieg mitgemacht haben. Er hat ja alles von seinem Vater gelernt. „Hätten wir damals den ersten Weltkrieg gewonnen, hätt’s den zweiten nimmer gebraucht.“

Die Jungen heute haben ja nichts mehr zum Festhalten, nicht einmal mehr die Wehrpflicht. „Und bevor ich einem Fremden den Arsch ausputz, erschieß ich ihn lieber!“ Das Dreiste, Direkte steht Polt. Man nimmt ihm seine Rollen ab, sei es als derber Opa oder bestechlicher Landrat, der Dom Pérignon süffelt und derweil die Freundschaft mit Bankdirektor und Pfarrer auf Mallorca pflegt. Unbestechlich natürlich. Oder als Radiomoderatorin mit so viel Dummheit und nervender Stimme, dass es fast weh tut. Den Interviewpartner der Radiodame spricht er auch – fast meint man, zwei Menschen auf der Bühne zu haben.

Auf Dauer wäre Polt vielleicht zu viel. Oder besser: zu wenig abwechselnd. Da ist die Kombination mit den musikalischen Wells ideal. Die zücken ihre Alphörner und spielen von Volks- bis Rockmusik alles, was das Horn hergibt. Bis sich Christoph eine Wollmütze überstülpt, Lederhose auf Hüfthöhe, und für die Milibauern rappt: „40 Cent, oder Aldi brennt!“ Beide, Polt und Wellbrüder zusammen sind ein Genuss. Die von diesem „Quartett“ vorgetragenen Gstanzl zum Programmschluss witzeln über Seehofer, Petry und Augsburger. Und wenn Polt die Hüften zum afrikanischen Lied mit Blasmusik schwingt, kocht der Saal vor Begeisterung.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Wahrzeichen in neuem Glanz
Wahrzeichen in neuem Glanz
Inselbad bleibt, was es ist
Inselbad bleibt, was es ist
Neuer Radweg nach Ummendorf
Neuer Radweg nach Ummendorf

Kommentare