Mehr zahlen für Gas und Strom

Preiserhöhungen im Energiemarkt betreffen auch die Stadtwerke Landsberg

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Strom und Gas werden spürbar teurer
  • VonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Preisanpassungen im Energiebereich sind zum Jahreswechsel üblich. In diesem Jahr allerdings kommen sie mit einer großen Wucht. Nach wie vor führen Turbulenzen am Großhandelsmarkt zu deutlichen Verteuerungen. Davor sind auch die Stadtwerke nicht gefeit. Deren langfristige Beschaffungspolitik kommt ihren Kunden vielleicht auch zu Gute. 

Ein Brief müsste gerade eben jedem Stadtwerke-Kunden ins Haus getrudelt sein – kurz vor knapp. Denn jeder Grundversorger ist verpflichtet, seine Kunden per Brief spätestens sechs Wochen vor einer geplanten Änderung über diese zu informieren. „Auch wir müssen leider die Preise erhöhen“, bedauert Christof Lange, Kaufmännischer Vorstand bei den Stadtwerken. Hintergrund seien die enorm gestiegenen Preise in den Großhandelsmärkten. Da sei derzeit eine regelrechte „Preisrallye“ am Start: „Die Energiepreise an den Börsen kennen seit dem Spätsommer nur eine Richtung – nach oben“, so Lange. Die weltweit gestiegene Nachfrage, insbesondere aufgrund der Konjunkturerholung nach der Pandemie, habe für einen erhöhten Bedarf nach Kohle und Erdgas geführt, wodurch die Preise nach oben getrieben wurden, erklärt er. Auch die langen kühlen Perioden im letzten Winter, unzureichend gefüllte Gasspeicher, geringere PV-Erzeugung und Windflauten, aufgrund dessen in diesem Jahr mehr Strom in Gaskraftwerken produziert werden musste, spielten bei dieser Entwicklung mit. Nicht zuletzt verstärke die planmäßige Erhöhung des CO2-Preises – in 2022 auf 30 Euro pro Tonne – den Preisanstieg.

Beim Strom seien die Erhöhungen noch im moderaten Bereich, meint Lange. Ein Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 3.500 kWh zahle für seinen Strombezug 2022 rund 65 Euro mehr pro Jahr, das entspreche einer Preiserhöhung von sechs Prozent.

Bei den Gaspreisen sehe es schon anders aus. Ein Durchschnittshaushalt, der mit Erdgas heizt und Wasser erhitzt, brauche rund 18.000 kWh pro Jahr. Für Bestandskunden erhöhe sich die Jahresrechnung im nächsten Jahr um rund 470 Euro, für Neukunden sei Erdgas rund 490 Euro teurer als noch in diesem Jahr.

Allerdings wirke sich die Gaspreisexplosion am Großhandelsmarkt weltweit für den Endkunden der Stadtwerke Landsberg weniger stark aus als bei Energiediscountern. „Unsere Kunden profitieren von einer langfristigen und damit risikoärmeren Beschaffungsstrategie“, sagt Lange. Schon Jahre im Voraus kaufen die Stadtwerke in Tranchen Erdgas für ihre Kunden ein. Das sorge für eine hohe Versorgungssicherheit.

Dennoch: Die Preiserhöhung liegt bei 40 Prozent. Im Vergleich dazu: Der Heiz­ölpreis lag im November 2020 bei rund 42 Euro pro 100 Liter Heizöl. Am 1. November 2021 hatte der Preis sich mehr als verdoppelt auf rund 90 Euro. Ein Drei-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 2.800 Litern/Jahr muss mit Mehrkosten von 1.344 Euro pro Jahr rechnen.

Insgesamt stelle man bei aktuell etwa 10.000 Kunden im Energiebereich immer noch ein stetiges Wachstum fest, meint Lange. Ob sich das so halte, bleibt abzuwarten. Erfahrungsgemäß finden Mitte November bis Mitte Dezember noch Kundenwechsel statt. Lange ist jedoch zuversichtlich: „Auch mit den neuen Preisen bleiben wir markt- und konkurrenzfähig.“

Gewinn im Strom

Im Bereich der Stromversorgung (Erzeugung, Netz und Vertrieb) weist der Wirtschaftsplan der Stadtwerke für das kommende Jahr einen Gewinn von fast 485.000 Euro auf. Der umsatzstärkste Bereich dabei: die Elektrizitätsverteilung in Landsberg (Stromnetz). Liefert der Stromvertrieb einen Gewinn von knapp über 130.000 Euro, fällt er im Gasvertrieb mit 800 Euro gering aus. Ebenfalls im Plus: die Bereiche Wasserversorgung und Entwässerung, mit fast 350.000 Euro. Jedoch kein wirklicher Gewinn, handelt es sich doch um kostendeckende Einrichtungen, für die Rücklagen gebildet werden müssen. Und die müssen ja in der nächsten Periode wieder ausgeglichen werden.

Insgesamt ist für das kommende Jahr ein Verlust von 151.000 Euro eingeplant. Die größten Verlustbringer, wie schon im Jahr zuvor: das Inselbad und die Parkgaragen, mit einem Minus von rund 1,1 Millionen Euro. Immer noch seien hier die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren, so Lange, gekoppelt mit der eher schlechten Witterung in diesem Jahr. In diesem Sommer habe das Inselbad nur 40.000 Gäste verbuchen können, im Gegensatz zu einem „normalen Jahr“, mit rund 85.000 Gästen. Jedoch seien das auch meist dauerdefizitäre Einrichtungen, deren Erlöse gedeckelt seien, damit sie erschwinglich blieben.

„Wir werden es nicht schaffen, ausreichend Gewinne aus anderen Bereichen zu erwirtschaften, um die Defizite auszugleichen“, meint Lange. Dennoch blicke er zuversichtlich in die Zukunft und rechne gerade im Stromvertrieb und anderen marktwirtschaftlichen Bereichen weiterhin mit Gewinnen.“

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