Premiere auf der Landsberger Bühne: "Frau Müller muss weg!"

Auf zum Elternabend

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Frau Müller muss weg! Oder doch nicht? Die Landsberger Bühne feierte mit dem Stück am Freitag Premiere. Die Schauspieler (von links): Thomas Bauer, Diedke Moser, Constanze Günther, Edith Schott, Daniela Echterbruch und Juri Olbrich.

Landsberg - Leistung lohnt sich. Das bekommen schon die Kleinen zu spüren. Wenn die Übergangszeugnisse am Horizont drohen, rauft sich manch Elternteil die Haare, ob es das Kind wohl schafft. Aufs Gymnasium natürlich, sonst ist die Zukunft futsch. Lutz Hübners Stück greift diese Situation auf. Und spinnt sie weiter. Was passiert, wenn die Noten der kleinen Genies nicht den Vorstellungen der Eltern entsprechen? Am Kind kann’s nicht liegen. An den Eltern erst recht nicht. Also doch die Lehrer. Und deshalb bleibt nur eins: „Frau Müller muss weg!“

Bevor sich der eiserne Vorhang hebt, tropft das Intro zu Supertramps „School“ aus den Boxen. Schon ist der Zuschauer verortet: ein Klassenzimmer. Schulbänke, Duden auf dem Pult, im Hintergrund eine Deutschlandkarte. Nicht zu vergessen saisonale Basteleien: Kastanienmännchen verstauben auf dem Regal. Im Zimmer sitzen fünf Eltern zu einem Termin mit der Klassenlehrerin. Die Noten der Zöglinge sind schlecht, und das ein halbes Jahr vor den Übergangszeugnissen. Schuld ist natürlich die Müller. Völlig überfordert. Und erst ihre pädagogischen Mätzchen: Gesprächskreise bietet sie den Kindern an, in denen die von zuhause erzählen sollen. Stasimethoden! Wäre es da nicht das Beste, wenn Frau Müller die Klasse abgibt? 

Versucht hat das schon Janines Vater Wolf Heider (Thomas Bauer), „aber die blockt total!“ Deshalb ist jetzt auch Elternsprecherin Jessica Höfel (Diedke Moser) dabei, die ihre Tochter Laura zwar „nicht die hellste im Kerzenleuchter“ sieht. Aber deshalb müssen ja die Noten nicht gleich schlecht sein. Auch Lukas, Sohn der Jeskows (Daniela Echterbruch und Juri Olbrich), gehört zu den „Versagern“. „Er findet keinen Anschluss“, klagt Mutter Jeskow. Dabei braucht er doch besondere Förderung. Denn natürlich ist Lukas hochbegabt. Nur Fritz, Sohn von Katja Grabowski (Edith Schott), glänzt als Klassenprimus. Weshalb seine Mutter „nur zur Unterstützung“ mit im Anklagetross sitzt, samt Sträußchen für Frau Müller. 

Auftritt Frau Müller (Constanze Günther): knielanger Rock, altrosa Cardigan, Pagenkopf. Vielleicht ein bisschen bieder. Aber die Vorwürfe der Eltern lässt sie nicht auf sich sitzen. Kurzerhand marschiert sie mit dem Lineal fuchtelnd durch die Reihen und spricht Tacheles. Von Laura, die ständig mit dem Handy spielt. Von Janine, die nicht anderes macht, als Laura anzuhimmeln. Und von Lukas, dem Hauptgrund für die Probleme der Klasse: „Klarer Fall von ADHS! Alles kann die Schule auch nicht auffangen.“ Sagt sie und stürmt von der Bühne. Die verdutzten Eltern beschließen zu warten. Denn Frau Müller hat ihre Tasche vergessen. Samt Halbjahreszeugnisse. 

Beim Warten zeigt sich das wahre Gesicht der fürsorglichen Erzieher: Janine muss für ihren ehrgeizigen Vater von Matheolympiade zu „English for Kids“ hetzen, zur Belohnung gibt’s Gehirnjogging. Laura hängt vor der Glotze, weil Mutter Jessica und „der Volltrottel von Vater“ ständig beruflich unterwegs sind. Und die Jeskows versinken so tief in ihren Eheproblemen, dass Lukas an anderer Stelle nach Aufmerksamkeit suchen muss. Ungeahnte Verhältnisse zwischen den Erwachsenen kommen ans Tageslicht, Loyalitäten, Liebeleien, Hass. Doch lohnt sich all der Stress? Sind die Noten wirklich schlecht? Ein kurzer Blick in Müllers Tasche zeigt: Die Pädagogin scheint in der Notengebung Milde walten zu lassen. Also Strategiewechsel: „Frau Müller muss bleiben!“ 

Wie die Eltern diese 180-Grad-Wendung begründen und letztendlich doch einen Reinfall erleiden, ist ein amüsantes Wendehalsmanöver. Alle Schauspieler überzeugen. Echterbruch und Olbrich gehen ganz im eigenen Beziehungsstress auf. Schotts Position zwischen den Fronten erzeugt Engegefühl. Hervorzuheben sind Moser als taffe Berufsmutti und Wolf Heider als gescheiterter Vater. Auch Günther überzeugt als Lehrerin mit Selbstzweifeln. Wirkt ihre Wut vor der Pause leicht übertrieben, trifft sie im zweiten Teil als einsichtige Pädagogin den richtigen Ton. 

Das Stück „Frau Müller muss weg“ wurde 2010 in Dresden uraufgeführt und war so erfolgreich, dass Sönke Wortmann daraus einen Film machte. Dessen Protagonisten, zumindest deren Äußeres, hat die Landsberger Bühne nahezu eins zu eins übernommen. Ob Regisseurin Franziska Dietrich damit der Aufführung etwas Gutes tut, ist fraglich, liegt so der Vergleich statische Bühne/flexibles Kino noch näher. Da das Stück konsequent in einem Raum spielt, wirkt es teilweise starr, bietet das Klassenzimmer doch kaum Möglichkeiten zur Bewegung. Dennoch bietet „Frau Müller muss weg!“ dank der überzeugenden Leistung der Schauspieler und geeigneten Textstreichungen seitens Dietrich einen vergnüglichen Abend, der im gut gefüllten Stadttheater mit langem Applaus belohnt wurde. Wer am Wochenende keine Zeit hatte: Ab dem 18. Januar gibt es weitere sieben Vorstellungen. Auf zum Elternabend.

Susanne Greiner

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