"Theaterskandal" in Dießen

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Der falsche Otello in Bedrängnis: (v.l.) Max (Ludwig Kramer), Operndiva Diana (Anette Rudat) und Maggie (Kathrin Seifert).

Dießen – Immer wieder Szenenapplaus, lang anhaltender Schlussapplaus und ein Publikum, das nach zweieinhalb Theaterstunden voller Leidenschaft seine Lachmuskeln kräftig strapaziert hatte, das war die erfreuliche Bilanz der Theaterpremiere am Freitagabend im Gasthof Drei Rosen. Das Erfolgsrezept: Man nehme die rasante Verwechslungskomödie „Otello darf nicht platzen“ aus der Feder von Ken Ludwig und besetze sie mit dem großartigen Ensemble der Commedia Dießen in der Regie von Alois Kramer. Das Ergebnis: Ein unvergesslicher Abend.

Einen Theaterskandal möchte Henry Saunders (Josef Steinle), der Direktor der Städtischen Oper in Cleveland an seinem Haus unbedingt vermeiden, denn der würde ihm seinen Job kosten. Deshalb muss der plötzliche, vermeintliche Tod von Operntenor Tito Merelli – in jeder Hinsicht großartig gespielt von Georg Nesch! – in dessen Hotelsuite unbedingt vertuscht werden. Schließlich sollte der weltberühmte Sänger am Abend als Otello in Verdis legendärer, gleichnamiger Oper auftreten. 

Commedia Dießen: "Otello darf nicht platzen"

Die Aufführung wird ein triumphaler Erfolg, doch danach geistern gleich zwei Otellos, das Original und sein Double, schwarz geschminkt und im Kostüm, über die Bühne – stets verfolgt von weiblichen Fans und einem opernverrückten Pagen (Andreas Bernhard). Soviel zum Plot des Stücks, dass Opernfans und solchen die es noch werden wollen, mittels Situationskomik und grandiosen Dialogen tiefe Einblicke hinter die Kulissen gewährt. 

Mit ihrer diesjährigen Herbst-Produktion kann die Commedia nahtlos an den großen Frühjahrserfolg von Ephraim Kishons „Der Trauschein“ anknüpfen. Das gilt auch für das Bühnenbild (Carin Meiler-Hemsing): Fünf Türen und ein Wandschrank bieten den Protagonisten in „Otello darf nicht platzen“ unbegrenzte Möglichkeiten für rasante Auftritte und perfekt choreographierte, irrwitzige Versteckspiele. Die Pointen kommen Schlag auf Schlag und lassen Schauspielern und Zuschauern kaum Zeit zum Verschnaufen. 

Außerdem sieht das Publikum gleichzeitig das Geschehen im Salon und im Schlafzimmer der Hotelsuite von Opern-Tenor Tito, denn beide Räume sind nur durch eine fiktive Wand getrennt – ein Bühneneffekt der im 2. Akt seinen Höhepunkt erreicht, wenn der Tenor und sein Double, in Gestalt von Regieassistent Max (Ludwig Kramer), von ihren erotisierten Verehrerinnen Diana (Anette Rudat) und Maggie (Kathrin Seifert) synchron vernascht werden. 

Überhaupt haben es die Frauenrollen in Ken Ludwigs vielfach ausgezeichneter Komödie über Starbetrieb und Theaterwahnsinn in sich: Während Maggie und Julia (Margot Netter), die Vorsitzende der Cleveland Opera Gesellschaft, angesichts ihres Startenors in hysterischem Entzücken schwelgen, gibt Annette Rudat als karrieregeile Opernsängerin Diana den in die Jahre gekommen Vamp, der sich von Titos Bettkante endlich bis zur Metropolitan Opera hinauf tirilieren will. Wunderbar sizilianisch heißblütig und zugleich sehr warmherzig spielt Angelika Forster-Walter Titos Ehefrau Maria. Und natürlich brilliert Maria, ebenso wie ihr von Blähungen geplagter Ehemann Tito, mit einem wunderbar italienischen Akzent, zum Beispiel wenn sie den Namen von Saunders Tochter Maggie ausspricht, wie ein gleichnamiges Suppengewürz. 

Ursula Nagl

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