Kaltenberger Ritterspiele: Prinz Heinrich im Interview

"Wir wollen Sie eintauchen lassen"

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Prinz Heinrich von Bayern in der Arena von Schloss Kaltenberg.

Kaltenberg – Es gibt wiederkehrende Ereignisse, die sind Selbstläufer; da kann wirtschaftlich eigentlich nichts schiefgehen. Gehört das Kaltenberger Ritterturnier auch in diese Kategorie? Oder fließt der Schweiß nicht nur bei den Helden in der Arena jedes Jahr von Neuem, sondern auch beim Veranstalter? Das wollte KREISBOTE-Autor Werner Lauff von dem Mann erfahren, der das größte Mittelalterfest der Welt verantwortet: Prinz Heinrich von Bayern (31), Ur-Urenkel von Ludwig III.

Prinz Heinrich, herzlichen Glückwunsch dazu, dass das Kaltenberger Ritterturnier den Live Entertainment Award in der Kategorie „Show des Jahres“ gewonnen hat!

Prinz Heinrich: „Vielen Dank!“

In diesem Jahr findet das Ritterturnier wieder an den drei Wochenenden ab dem 14. Juli statt. Was ist Ihr Geschäftsmodell?

Prinz Heinrich: „Wir nehmen Eintrittsgelder von Besuchern und finanzieren damit ein hochwertiges Event, bestehend aus dem mittelalterlichen Rahmenprogramm und einer Ritterspiele-Show.“

Der Eintritt mit Stehplatz in der Arena kostet im Vorverkauf jetzt 27 Euro, mit Sitzplatz geht es bis zu 65 Euro hinauf. Kinder bekommen 15 Prozent Rabatt. Über wie viele Besucher reden wir pro Jahr?

Prinz Heinrich: „Unser Ziel ist immer: 100.000 plus / minus zehn Prozent.“

Das sind schon beim niedrigsten Preis 2,7 Millionen Euro Umsatz. Rechnet sich das?

Prinz Heinrich: „Das kommt aufs Jahr an. Als meine Eltern vor 38 Jahren das erste Ritterspiel veranstalteten, war es nur als Eröffnungsevent für eine Gaststätte gedacht. Obwohl es dann Jahr für Jahr wiederholt wurde, kam der wirtschaftliche Gedanke erst sehr spät dazu. Das ging ein paar Jahre gut, dann ein paar Jahre wieder nicht. Inzwischen sind wir in guten Jahren so weit, dass wir genug Überschuss erzielen, um neue Investitionen vorzunehmen.“

War 2016 ein solches gutes Jahr?

Prinz Heinrich: „Leider nein. Die Wetterprognose war schlecht. Vierzehn Tage vorher stand in den Wetter-Apps Gewitter-Gefahr. Das steht da für Juli zwar sehr oft, dennoch lassen sich Manche beeindrucken. Generell gilt: Wir sind Open Air; das Wetter kann ein Jahr gut oder schlecht machen, und zwar massiv.“

Wäre man denn bei Gewitter in Kaltenberg in Lebensgefahr?

Prinz Heinrich: „Ganz im Gegenteil. Die Gefahr eines Blitzeinschlags tendiert zu Null. Alle Gebäude und das Zeltdach haben Blitzableiter. Die Arena ist von Fahnenmasten umsäumt. Auf einer Festivalwiese ohne Baum oder Haus ist das Risiko viel höher.“

Und dass etwas wegfliegt oder Bäume umstürzen?

Prinz Heinrich: „Wir kontrollieren vor jedem Turnier die Dächer und schneiden aus unserem Wald Totholz heraus, das potentiell gefährlich ist. Wir haben noch nie einen Unfall gehabt. Man könnte sagen: Bei schlechtem Wetter ist Schloss Kaltenberg ein sicherer Ort.“

2016 war das Problem also nicht schlechtes Wetter, sondern die Angst davor?

Prinz Heinrich: „Teilweise ja. Es kam aber noch etwas hinzu: Am Freitag des zweiten Turnierwochenendes passierte der Amoklauf in München. Mal abgesehen davon, dass die S-Bahnen nicht mehr fuhren: Das hatte Einfluss auf Gäste ohne Vorbuchung; viele wollten nicht mehr aus dem Haus.“

Haben Sie Informationen über die Verweildauer der Besucher?

Prinz Heinrich: „Wir haben das an einem Samstag mal gemessen. Da kamen wir auf knapp unter sieben Stunden.“

Das ist lang. Gibt es eine Obergrenze an Besuchern?

Prinz Heinrich: „Ja, denn wir wollen nicht, dass das Gelände überfüllt ist. Die Grenze erreichen wir allerdings kaum noch.“

Woran liegt das?

Prinz Heinrich: „Ab 2008 kam die Finanzkrise, der Wettbewerb nahm zu und wir haben auch die Preise leicht erhöht. Aber das hat auch Vorteile: Wir sind nicht mehr überlaufen und können uns ein schöneres Programm leisten. Und wenn man zu oft ausverkauft ist, sagen die Leute ein Wochenende später: Da brauche ich gar nicht erst hinzufahren.“

Sprechen wir mal über das gastronomische Angebot. Wenn ich einen Pommes-frites-Wagen hätte, würden Sie mich nehmen?

Prinz Heinrich (lacht): „Natürlich nicht. Das würde Ihnen so passen, einfach mit Ihrem Hänger zu kommen und die Fritteuse anzuwerfen. Nein, wir wollen keine Produkte, die den Besucher aus dem Mittelalter herausreißen. Und wir wollen auch keine Hänger, sondern mittelalterliche Hütten. Das macht die Erlössituation schwieriger. Hirschgulasch ist teuer, aber ich kann vom Kunden nur begrenzt Geld nehmen. Dennoch: Wir wollen in jeder Hinsicht Qualität.“

Gut, dann versuche ich es mal als Händler. Ich könnte zum Beispiel Räucherstäbchen anbieten. Ich verspreche Ihnen auch eine satte Provision.

Prinz Heinrich: „Reihen Sie sich gerne in die Schlange ein. Aber die meisten haben keine Chance, weil sie billige Ware teuer verkaufen. Wir wollen ausgesuchte, möglichst handgefertigte Artikel hier sehen. Nur dann haben wir einen wunderschönen Markt. Für uns ist das natürlich nicht optimal, denn die Verkaufserlöse sind eher gering. Andererseits ist das Ritterturnier sowieso kein Ort, wo man zum Einkaufen hingeht.“

Ich lerne: Das Ambiente steht für Sie an erster Stelle.

Prinz Heinrich: „Wir wollen Sie aus Ihrem normalen Leben herauspflücken und in die mittelalterliche Kaltenberg-Welt eintauchen lassen. Unsere Kunden sind extrem positiv auf dem Weg nach Hause. Wir haben fast keine Beschwerden. Und so soll es bleiben.“

Nennen Sie mir Ihre drei größten Kostenfaktoren?

Prinz Heinrich: „Das sind drei Dinge, die im Rang relativ gleich sind. Die Pflege des Geländes, die Produktion und Umsetzung der Show und das Rahmenprogramm. Danach kommen die Marketingkosten, für Plakate zum Beispiel.“

Wo werben Sie?

Prinz Heinrich: „Im Radius von 100 Kilometern. Auch am Flughafen München übrigens. Daneben wird online immer bedeutender; da können wir Videos zeigen. Und es kommen immer wieder tolle Bilder heraus.“

Von 100 Besuchern, wieviel sind zum ersten Mal da?

Prinz Heinrich: „Ungefähr 50. Das sehen wir in unserem eigenen Ticketshop unter www.ritterspiele.de. Ja, es ist wichtig, dass wir immer wieder neue Besucher ermuntern, nach Kaltenberg zu kommen. Wenn wir mal annehmen, jede Gruppe besteht aus dreieinhalb Personen, müssen wir pro Jahr über 14.000 Entscheidungen zum Besuch des Turniers auslösen.“

Puh ...

Prinz Heinrich: „Wenn Sie jetzt noch bedenken, dass manche Interessenten nur Ritterturniere kennen, bei denen Wiener Würstchen und China-Ware verkauft werden ... Dann kommen wir und wollen wegen unserer Qualität 50 Euro Eintritt. Das ist schwer.“

Wie viele Rollen nehmen Sie eigentlich gleichzeitig wahr?

Prinz Heinrich: „Das ist ja kein Riesen-Unternehmen. Normalerweise ist man Produzent oder Veranstalter oder Manager einer Location. Wir machen alles drei. Wir produzieren unsere eigene Show, haben unsere eigene Location und veranstalten auch noch selbst.“

Sie nutzen das Gelände nicht nur für das Turnier. Daneben gibt es noch PULS Open Air im Juni.

Prinz Heinrich: „Zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk. Außerdem haben wir 2016 zum ersten Mal einen Weihnachtsmarkt gemacht. 2017 wiederholen wir ihn. Über weitere Veranstaltungen machen wir uns gerade Gedanken.“

Ein Weihnachtsmarkt von Schloss Kaltenberg auf Schloss Kaltenberg? Das ist mir entgangen.

Prinz Heinrich: „Wir haben gar nicht so viel dafür geworben. Aber es war ein großer Erfolg. Wir hatten das Motto „Märchenwelt“. Der Fokus lag auf den Kindern. Woanders geht es überwiegend um Erwachsene. Da geht man dann hin und trinkt einen Glühwein. Bei uns gab es leuchtende Kinderaugen. Das macht einfach Spaß.“

Werner Lauff

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