Ein Parkplatz für Kunden

Bei Rewe an der Breslauer Straße parken? Nur noch mit Parkscheibe

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Knapp 25 Euro müssen Besucher des Rewe in der Breslauer Straße zahlen, wenn sie ohne Parkscheibe oder trotz Parkscheibe länger als eineinhalb Stunden dort stehen. Das Überprüfen der Parksünder übernimmt indessen die private Firma ‚fair parken‘.

Landsberg – Der Rewe-Parkplatz in der Breslauer Straße erfreut sich vieler Nutzer. Und die wollen nicht einkaufen, sondern stellen ihren Pkw mangels anderer Möglichkeiten dort ab. Denn der Park-and-Ride-Platz am Klinikum ist voll (der KREISBOTE berichtete). Deswegen gibt es jetzt eine Höchstparkdauer. Und ohne Parkscheibe geht gar nichts mehr. Rewe überprüft die Falschparker nicht selbst. Der Supermarkt hat den Platz an eine private Firma verpachtet, die jetzt die Knöllchen ausstellt.

Dass ein Supermarkt etwas unternehmen muss, wenn seine Kunden mangels Parkplatz nicht mehr zum Einkaufen kommen, ist nachvollziehbar. Aber schreckt dieses Verhalten nicht auch ab? Wenn man doch noch im Supermarktcafé eine Schokolade trinken möchte und dann die eineinhalb Stunden Höchstparkdauer überschreitet? Rewe-Betreiber Markus Lischka wollte dazu auf Nachfrage des KREISBOTEN keine Stellungnahme abgeben.

Da Rewe den Platz an ‚fair parken‘ verpachtet hat, ist anzunehmen, dass der Supermarkt auch eine gewisse Pacht erhält. Die Geldstrafen der ausgestellten Knöllchen gehen hingegen zu hundert Prozent an ‚fair parken‘ – Rewe selbst kassiert hier nicht mit.

Diese privaten Kontrollfirmen geraten jedoch bayernweit in die Kritik. So seien zum Beispiel die ausgestellten Geldstrafen höher als die generell üblichen, melden Nutzer eines Supermarkts in Rosenheim. Bei diesen Geldstrafen handelt es sich um eine Vertragsstrafe: Sobald ein Kunde das private Gelände benutzt, geht er einen Vertrag ein. Bricht er diesen, muss er zahlen: bei Rewe laut Schild von ‚fair parken‘ 24,90 Euro. Knappe 40 Euro werden fällig, sollte man ohne Ausweis auf einem Behindertenparkplatz stehen. Wird die Strafe nicht innerhalb von zwei Wochen gezahlt, kommen zehn Euro dazu.

‚fair parken‘ sagt auf Nachfrage des KREISBOTEN, dass die Überwachung schrittweise eingeführt wurde. Erst die Schilder, dann ein Hinweis, dann die Geldstrafe. Zudem habe man kostenlos Parkscheiben verteilt. Und Mitarbeiter von ‚fair parken‘ hätten über die Hintergründe aufgeklärt. Auch sei immer ein Mitarbeiter auf dem Platz, der einen Besucher, der vergesse, die Parkscheibe einzulegen, „selbstverständlich“ darauf hinweise.

Bei dem Supermarkt in Rosenheim wird gemeldet, dass die dortige Firma aber auch Bußgelder für den abgelaufenen TÜV berechne – wozu sie nicht berechtigt ist. Solche Bußgelder erhebe ‚fair parken‘ nicht, betont das Unternehmen. Und auch Beschwerden nehme man ernst. Die Beschwerde-Hotline des Unternehmens bekomme regelmäßig gute Bewertungen seitens der Autofahrer.

Ab und zu gibt es aber auch Zahlungsaufforderungen ohne Strafzettel am Auto, melden Parkplatznutzer von anderen Supermärkten in Bayern. Auch die ARD hat sich des prominenten Park-Problems inzwischen angenommen und empfiehlt auf ihrem Internetportal, in solchen Fällen sofort Widerspruch einzulegen. Mahn- oder Verzugskosten müsse man nicht zahlen, wenn man keine Kenntnis von der ursprünglichen Forderung gehabt habe. Ein Strafzettel könne schließlich auch „weggeweht oder entfernt worden sein“. Die Beweislast trage bei Privatparkplätzen die kontrollierende Firma: Hier – im zivilrechtlichen Bereich – könne der Halter nicht für das Falschparken haftbar gemacht werden. Im Fall von Rewe in der Breslauer Straße müsste also ‚fair parken‘ nachweisen, wer das Fahrzeug tatsächlich gefahren hat, respektive ohne Scheibe auf dem Parkplatz abgestellt hat.

Susanne Greiner

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