Bauer Pius sagt Danke – mit einer Kapelle

Kauferinger Pius Lautenbacher baut sein eigenes Gotteshaus

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Noch ist das Gotteshaus auf Pius Lautenbachers Hof nicht fertig, geschweige denn gesegnet, doch zum Verweilen lädt es schon jetzt ein. Das Holzkreuz auf dem Glockenturm wird demnächst noch durch ein Bronzenes ersetzt.

Kaufering – Noch ist es nur ein Holzmodell, das Kreuz auf der kleinen Kapelle, die Pius Lautenbacher neben sein Wohnhaus gebaut hat. Dennoch kann man bereits ahnen, wie das aussehen wird, wenn die Kapelle vollendet sein wird und ein Bronzekreuz die Spitze des Glockenturms ziert. Doch weshalb ist eine Kapelle der Rede wert? In Zeiten, in denen die katholische Kirche landauf landab Gotteshäuser profaniert und verkauft und protestantische Gemeinschaften ihre Kirchengebäude entwidmet, ist es durchaus bemerkenswert, wenn ein Privatmann auf eigenem Grund und Boden ein solches Gotteshaus errichtet.

Da lacht er, wenn man ihn darauf anspricht, ein freundliches, ein verschmitztes und ansteckendes Lachen. Anfänglich bekommt man eher zögerlich Auskunft, doch dann ist „Bauer Pius“, wie viele Menschen in Kaufering ihn nennen, in Plauderlaune. „Wir geben soviel Geld für dummes Zeug aus, weshalb soll ich da nicht eine Kapelle bauen?“ war ein erster Teil seiner Begründung für den Bau des Gebetsraumes. Vor zehn Jahren habe er die Idee gehabt, so Pius weiter, weil alles „so gut“ gegangen sei: „Ich bin gesund, die Familie ist gesund. Das ist doch schön! Da darf man schon mal ‚Danke‘ sagen“.

2010 konnte man dann beobachten, wie am künftigen Bauplatz Material angeliefert wurde: Mehr als 15 Paletten Ziegel, 30 Sack Kalk und genug Zement für die mindestens sechs Kubikmeter Beton, die in dem Gebäude stecken. In der weiteren Nachbarschaft war man erst erstaunt und fragte sich, was das „wohl werden würde“, so mitten auf der Wiese, auf der noch immer auch einige Kühe grasen: Sollte da ein neuer Stall hochgezogen werden, war ein neuer Melk­stand geplant oder muss ein Fahrsilo für die Futterlagerung her? Spannend wurde es dann 2016: Nach dem Aushub der Fundamentgräben nahm das sieben­einhalb Meter lange und rund fünf Meter breite Gebäude erste Gestalt an. Größtenteils in Handarbeit zog Pius selbst die Wände hoch. Als das Bauwerk dann plötzlich Bogenfenster und einen Turm erhielt, war die Überraschung groß: da baut einer tatsächlich eine Kapelle!

Über 100 Teelichter

Schlicht soll die Kapelle belieben, so erzählt Pius das den vielen Menschen, die ihn darauf angesprochen haben und nein, bisher weiß er noch nicht, wem die Kapelle gewidmet werden soll. Erstmal soll sie jetzt fertig werden. Aber Pius Lautenbacher weiß auch zu berichten, dass die Kapelle von Menschen bereits zur Andacht benutzt wird, obwohl sie noch vor der Vollendung steht: „An Weihnachten habe ich gedacht, der Rohbau brennt. Ich bin dann rüber und habe entdeckt, dass da jemand mehr als 100 Teelichter angezündet und im gesamten Raum verteilt hatte.“ Er freut sich, wenn er so etwas erzählen kann, denn für ihn ist das ein Zeichen dafür, dass die Menschen noch immer glauben. Er will ihnen mit seiner Kapelle einen Ort bieten, an dem sie ihren Glauben leben können. Bei aller Schlichtheit verraten doch einige Details die Liebe zu Qualität und Handwerkskunst: Das Dach des Kirchturms sowie die Regenrinnen sind aus Kupfer, der Dachstuhl ist offen in massiver Balkenbauweise ausgeführt und die Wände sind reinweiß gekalkt, so wie es sich gehöre, meint Pius.

Die kleine Kachel zwischen den Kapellenfenstern stellt den Erzengel Michael (beflügelt) und den Heiligen Georg dar – beide sind ausdrückliche Kämpfer gegen „das Böse“.

Wenn die Bronzeglocke aus Rumänien erst mal im Glockenturm hängt und der katholische Priester sowie der evangelische Pastor ihren Segen dazu gegeben haben, dann wünscht sich der Kirchenbauer, dass viele Menschen den Weg hinter die Lärmschutzwand an der alten B17 kurz vor dem Kreisel in Kaufering Nord finden. Er will sogar ein Hinweisschild an der Straße anbringen, will Autofahrer, Radfahrer, Wanderer und Spaziergänger zum Verweilen einladen: „So wie bei Autobahnkirchen soll diese Kapelle allen zur Andacht und zur Besinnung offen stehen. Jeder soll hier zu Ruhe kommen können. Jeder soll hier neue Kraft tanken.“ Dazu heißt Pius jeden gerne herzlich willkommen in „seiner Kapelle“ auf dem Grundstück Augsburger Straße 11.

Es lohnt sich, einfach mal hinzugehen, linker Hand hinter dem neuen Wohnhaus steht die Kapelle, die bisher nur unter dem Schutz des heiligen Georgs und des Erzengels Michael steht, beide Bekämpfer des Bösen in unserer Welt. 

Martin Wind

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