Die Zügel in der Hand

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Will helfen, die Lechstadt zu gestalten: Prof. Dr. Hermann Knoflacher.

Landsberg – Die Zufriedenheit der Menschen in der Stadt steht im Mittelpunkt – das hat Prof. Dr. Hermann Knoflacher im Stadtrat betont. Der Verkehrsexperte stellte die wesentlichen Punkte seiner beiden Gutachten zum „Integrierten Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK) detailliert vor. 

Ziel des Konzeptes sei es laut Oberbürgermeister Matthias Neuner (CSU) sich den Herausforderungen der Zukunft, insbesondere im Hinblick auf Siedlungsdruck und Verkehrsströme in der Stadt zu stellen. Prof. Knoflacher schlägt zahlreiche Maßnahmen vor – allen voran eine „Fußgängerplanung“ sowie die Stärkung der Innenstadt.

Integriertes Stadtentwicklungskonzept bedeutet eine Zusammenarbeit aus Bürgern, Politik, Verwaltung und Experten, erklärte Stadtbaumeisterin Annegret Michler. Das Problem in einer Stadt sei es aber, dass jeder eine andere Wahrnehmung hat. „Meine Aufgabe ist es, das zu objektivieren“, so Knoflacher. „Sie haben mir das Profil vorgegeben.“ So gab es etwa ein Bürgerpanel, Bürgerworkshops, Befragungen und Analysen wie ein Stadtentwicklungskonzept in der Lechstadt aussehen kann, um die Qualität langfristig zu erhalten beziehungsweise zu verbessern.

Knoflacher betonte in seinen beiden Präsentationen „Verkehr und Mobilität“ sowie „Wohnen und Siedlungsstruktur“, dass man in Landsberg die Strukturen ändern müsse. Die Menschen steigen gerne – auch für kurze Strecken – ins Auto, anstatt zu laufen, den Bus oder das Fahrrad zu nutzen. Das sei nicht die Schuld der Menschen, sondern die Struktur sei eben so vorgegeben, beispielsweise sei die Entfernung zum Autostellplatz kürzer als zur Bushaltestelle. Man müsse sich auf eine „Stadtbebauung“ besinnen, anstatt reine Wohnbebauungen zu verwirklichen. „Die Verwaltung muss die Zügel in der Hand halten“, fordert der Wiener Professor. Er schlägt daher vor, die Stadt im Inneren zu verdichten, anstatt weiter nach außen wachsen zu lassen. Etwa haben das Gelände der Alten Pflugfabrik oder die Waitzinger Wiese enormes Potenzial, um die Entwicklung der Stadt zu stärken.

Im Hinblick auf den Verkehr gebe es nach Knoflachers Ansicht zwei Möglichkeiten: Entweder die Eigendynamik des Autos bestimmt die Planungen, oder man greift ein und gestaltet die Stadt kompakt im Sinne einer Fußgängerplanung. „Sie sind bewaffnet mit Autos“, so Knoflacher. „Aber Sie müssen an Ihre Kinder denken und gleichzeitig an die Zukunft.“ Knoflacher wolle keine „autolose“ Stadt kreieren, vielmehr eine „autofreie“. Er schlägt daher vor, das „zu Fuß gehen“ attraktiver zu machen, indem man etwa mehr Fußgängerzonen ausweist, behindertengerechte Wege baut, Barrieren berücksichtigt und überwindbar macht, Fußwege sichert und Gebäude sowie Gärten öffnet.

Ein wichtiger Punkt zur Durchsetzung der Maßnahmen des ISEK aber sei die Finanzierung. „Wir können nicht alles auf einmal verändern“, erklärte Mathias Neuner. „Im Moment sind wir ja knapp bei Kasse.“ Er wolle zuerst die günstigeren Maßnahmen verwirklichen, ohne dabei den Gesamtplan aus den Augen zu verlieren. Kostengünstige, aber sehr wirksame und einfach durchsetzbare Ideen seien laut Prof. Dr. Hermann Knoflacher etwa die Schaffung von Tempo-30-Zonen, die Stärkung der Fußgängerzonen oder die Einführung von neuen Parkgebühren. Auch könne man durch bessere Beschilderung viel erreichen, beispielsweise an der Waitzinger Wiese, und man müsse die bestehenden Parkgaragen besser nutzen. 

Der nächste Schritt sei es nun zunächst, mögliche Einwände zu berücksichtigen. Dazu gibt es nächstes Jahr im Frühjahr einen Bürgerworkshop. Möglichst viele Menschen sollen sich beteiligen, betonte Annegret Michler. Bei der Stadtratssitzung konnten die Bürger bereits mit einem Formular ihr Interesse an einer weiteren Mitarbeit am ISEK bekunden. „In der bereitgestellten Urne waren etwa 20 Zettel“, berichtet Pressesprecherin Eva Schatz. „Des Weiteren haben wir rund 150 e-Mail-Adressen von interessierten Bürgern bekommen.“ Janina Bauch

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