Bayerischer Integratonspreis für das BRK Landsberg

Preisgekrönt: Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

+
Den Bayerischen Integrationspreis 2018 für das Trauma-Ersthelfertraining für Geflüchtete nahmen aus den Händen von Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Integrationsminister Joachim Hermann (beide Mitte) BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner und BRK-Kreisvorsitzender Alex Dorow sowie Dr. Ulrike Wichtmann, Christiane Hampelmann, Sabine Rid, Nazir Alhafar, Shahroch Milan, Marianne Asam und Moussa Garabet entgegen.

Landkreis – Das Landsberger Rote Kreuz durfte sich gestern über den Bayerischen Integrationspreis für das Projekt „Muttersprachliche Trauma-Ersthelfer/innen“ freuen. Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, und Integrationsminister Joachim Herrmann verliehen die Preise.

Herrmann wies dabei auf die hohe Bedeutung von Integration hin: „Wir haben in Bayern ein großes Interesse daran, die dauerhaft Bleibeberechtigten gut in unseren Arbeitsmarkt zu integrieren. Denn jeder anerkannte Flüchtling, der seinen Lebensunterhalt selbst verdient, trägt seinen Teil zur Gesellschaft bei und stärkt damit unsere Gemeinschaft.“

Deshalb wurde vom Landsberger Roten Kreuz in Zusammenarbeit mit Dr. Ulrike Wichtmann, einer Psychotherapeutin und Ärztin, das Projekt der „Muttersprachlichen Traumahelfer“ ins Leben gerufen. Seit 2016 haben schon 30 Personen die Ausbildung absolviert. Die Teilnehmer sind selbst Geflüchtete aus verschiedenen Ländern wie Afghanistan, Syrien und Eritrea. Insgesamt können damit 15 verschiedene Sprachen abgedeckt werden. Außerdem wissen die Teilnehmer selbst, wie es sich anfühlt in ein fremdes Land zu kommen und auf Unterstützung angewiesen zu sein. Sie können sich somit besonders gut in die Lage ihrer Landsleute hineinversetzen.

Mit Hilfe von Ärzten und Psychotherapeuten haben sie ein professionelles Training erhalten, bei dem sie verschiedene Körperübungen erlernt haben. Marianne Asam, die beim Landsberger Roten Kreuz für die Asylsozialarbeit und Migrationsbetreuung zuständig ist, meint es sei ein häufiges Problem bei Flüchtlingen, dass sie aufgrund ihres Traumas das Gefühl für ihren Körper verlören. Spezielle Übungen, die die Traumahelfer mit ihnen durchführen, könnten dieses Gefühl wieder zurück holen.

Eine weitere wichtige Aufgabe sei es, Aufklärungsarbeit zu leisten. Durch nicht verarbeitete Probleme könnten Schlafstörungen, Depressionen oder auch Aggressionen auftreten. Die Traumahelfer erklären diese Umstände in der Muttersprache des Hilfesuchenden, sodass er es auch verstehen kann, ohne dass es zu Missverständnissen kommt. Das sei bei einer herkömmlichen Therapie ein großes Problem. Durch die Sprachbarriere könne eine Gesprächstherapie nur schwer stattfinden. Hinzu komme, dass Flüchtlinge, die noch nicht anerkannt sind kein Recht auf einen Therapieplatz hätten. Und diejenigen, die bereits eine Krankenversicherung besäßen, müssten oftmals sehr lange Wartezeiten in Anspruch nehmen, da es nicht genügend Therapeuten im Landkreis gäbe. Asam bezeichnet das Projekt deshalb auch als „Krisenintervention in seelischen Notfällen“. Hilfesuchende könnten sich in akuten Notfällen an die Sozialarbeiter des Bayerischen roten Kreuzes in Landsberg wenden und bekämen dann einen Traumahelfer vermittelt.

Wichtig sei es Marianne Asam aber auch, dass die Traumahelfer durch Supervision betreut werden. Sie würden in ihrer Arbeit mit vielen Emotionen und schwierigen Situationen konfrontiert und das könne belastend sein. Eine psychische Stabilität der Teilnehmer ist daher wichtig.

Vorerst sind keine neuen Kurse geplant. Ziel sei es, die jetzigen 30 Traumahelfer in den Ein­satz zu bringen. Allerdings sei ein „Multiplikationstraining“ geplant. Dieses richtet sich an Einrichtungen, die mit traumatisierten Flüchtlingen zu tun haben – Polizei, Behörden, Jobcenter und Schulen. Auch sie müssen lernen mit solchen Situationen umzugehen. 

Stephanie Novy

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Der Landsberger Christbaum steht!
Der Landsberger Christbaum steht!
Urbanes Leben am Papierbach: ein Gewinn für Landsberg
Urbanes Leben am Papierbach: ein Gewinn für Landsberg
Mit Samuraischwert zwei Menschen verletzt
Mit Samuraischwert zwei Menschen verletzt

Kommentare