Theaterprojekt "Randerscheinung"

Leidenschaft im Boudoir

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Ein Teil der „Randerscheinungen“ (von links): Markus Schaumann, Lisa Heck, Souhila Amade, die beiden Gründer Max von Theben und Julian Pietsch sowie Tine Polzer.

Landsberg – Sie suchen „Umgang mit Menschen“, wollen „eigene Grenzen sprengen“ und „Spaß haben“: Die inzwischen über 50 Mitwirkenden beim „Projekt Randerscheinungen“ haben unterschiedliche Vorstellungen von dem, was Schauspielen für sie bedeutet. Das kann manchmal zu Konflikten und Unzufriedenheit führen. Letztes Jahr konnten die Mitglieder Verbesserungswünsche äußern. Einer davon war eine straffere Führung. Und so gibt es heuer einen exakt ausgefeilten Probenplan. Denn im Oktober zeigen „Randerscheinungen“ ihre Jubiläumsaufführung „Badehaus Boudoir“ – eine Horror-Groteske mit Tanz, Gesang und Video.

„Im Theater kann alles passieren“, sagt der 27-jährige Max von Theben, der mit bürgerlichem Namen Maximilian Huber heißt. Der Landsberger ist Mitgründer des seit 2012 bestehenden Projekts. Jede Aufführung ist immer wieder anders, nichts aufgenommen wie bei einem Film. „Und auch der Austausch mit anderen Leuten ist viel intensiver als im Kino.“ Gegründet wurde das Projekt von ihm und Julian Pietsch, während Max in Argentinien lebte – also viele Telefonate und E-Mails. Max hatte vorher bereits Kurzgeschichten angefangen, „aber nicht wirklich zu Ende geschrieben“. Die Ideen kommen ihm plötzlich, wie im Traum. Was wirklich Mühe koste, sei die Ausarbeitung zu einem gut aufgebauten Stück. Schon das Erste, „Randerscheinungen“, das 2013 erfolgreich aufgeführt wurde, arbeitete mit Stilmitteln wie Traum und Albtraum und thematisierte Unbequemes wie Ausgrenzung oder Krankheit.

Ein Jahr später schrieb Max „Der verdorbene Apfel“, ein tiefer Blick in die menschliche Psyche, „aber das war viel zu lang, drei Stunden oder so“, lacht er. 2015 befolgte er seinen eigenen Rat und setzte mit „Der Gott der Träume“ ein kürzeres Stück auf den Spielplan: Vier Frauen, deren Leben vollkommen anders als erwünscht verläuft. Parallel dazu erschien zum ersten Mal das rMagazin unter der Leitung von Dagmar Kübler, in dem gesellschaftskritische Themen überwiegen. 2017 wird wieder eine Ausgabe erscheinen. Denn Randerscheinungen ist nicht nur Theater, es ist inzwischen ein Kunstprojekt mit Mitgliedern im Alter von 14 bis 75. Formell gesehen existiert seit 2013 auch ein eingetragener Verein, „aber das macht Arbeit, diese ganzen Formalitäten“ gibt Max zu.

Anstrengend

Nach 2015 folgte eine Ruhepause – zumindest im Ansatz. Max hatte 2013 sein Studium in Tübingen begonnen und pendelte, „was ganz schön anstrengend war“. Denn ein Studium reicht ihm nicht, Max absolviert ein Parallelstudium in Spanisch und Erziehungswissenschaften. In diesem schreibt er die erste Bachelorarbeit, nächstes Jahr die zweite.

2016 lag die Gruppe dennoch nicht auf der faulen Haut: Sie ging den internen Konflikten und Unzufriedenheiten auf den Grund und entwarf Lösungen für 2017. Max von Theben hat nun gemeinsam mit Co-Regisseur Emanuel Kasprowicz einen detaillierten Probenplan ausgearbeitet. „So müssen nicht immer alle da sein, das entspannt.“ Und sie nehmen sich eine strengere Regieführung vor, denn auch das wurde gewünscht. Ab August wird geprobt, die erste Gesamtprobe gibt es dann zwei Wochen vor der Premiere, ins Theater können sie aber erst drei Tage vorher. Da wird’s dann nochmal hektisch.

Mit Tanz&Gesang

Das Stück zum fünfjährigen Bestehen, „Badehaus Boudoir“, arbeitet mit Tanzelementen und Gesang. „Wir haben für die Choreographien die Leiterin der Moving Art Studios aus Kaufering, Lydia Dittlein, mit dabei.“ Max selbst wird Luftakrobatik zeigen „und wir haben auch ein paar Mädels, die schon lange Ballett machen“. Die Elemente im Stück sind aber eher an Pole Dance und Burlesque angelehnt. Für den Gesang ist Emanuel zuständig: Er hat Musical in Hamburg studiert und war auch schon in „Cats“ zu sehen. Professionelle Kenntnisse sind also vorhanden.

„Badehaus Boudoir“ wird wie „Randerscheinungen“ szenenhaft sein, „in der Sprache knapp, im Bild stark“. Als Vorbild dient „in-yer-face“-Theater, das mit schockierenden Stoffen arbeitet, um sein Publikum aufzurütteln – „aber keine Sorge, bei uns ist das alles im Rahmen“, schmunzelt Max. Der Ort: das verrufene Boudoir „für den Abschaum der Gesellschaft“. Die Zeit: diverse. Rätselhafte Morde bilden den Rahmen für traumhafte Ereignisse. Als Schlagworte nennt Max „grotesk, düster, hypnotisierend“.

Bei der ersten Leseprobe hätten einige der 14 mitwirkenden Schauspieler Verständnisprobleme gehabt – ganz einfach wird’s also auch für die Zuschauer nicht. Aber das Stück verspricht „einen Strudel aus Leidenschaft, Laster und Lust“.

Susanne Greiner

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