Pflugfabrik-Umbau kann beginnen

Für ein "lebendiges Stadtviertel" am Lech

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Präsentierten gestern vor Ort die Entwicklung des Mammutprojekts Plugfabrik (von links): OB Mathias Neuner und vom Starnberger Projektentwickler ehret+klein die Geschäftführer Michael Ehret und Stefan Klein (ebenfalls) sowie Projektentwickler Gerhard Dolp.

Landsberg – Es scheint, als wäre der ganz große Wurf gelungen: Nach Jahrzehnten, in denen Verhandlungen immer wieder gescheitert waren, trennt sich die Familie Pöttinger jetzt in mehreren Abschnitten vom Gelände der ehemaligen Pflugfabrik. Die Starnberger Projektentwickler „ehret+klein“ kaufen die Immobilie und wollen ein „lebendiges Stadtviertel“ in unmittelbarer Nachbarschaft der Altstadt schaffen.

Der Schwerpunkt wird dabei auf neuem Wohnraum liegen, von „1000 plus X“ Menschen, die am Papierbach künftig leben werden, geht OB Mathias Neuner aus. Ihm schwebt „eine gesunde Mischung“ vor, „es ist eine 1a-Lage, da braucht man hochwertige Wohnungen. Aber es wird auch sozialen Wohnungsbau geben.“ In zahlreichen Vorgesprächen haben sich die Geschäftsführer Michael Ehret und Stefan Klein dazu genauso bereit erklärt, wie auch zur Berücksichtigung der Ziele, die in den vergangenen Jahren bereits erarbeitet wurden. „Wir werden auf keinen Fall jetzt alles neu machen“, so Ehret, „wir können hervorragend auf die bisherigen Planungen aufbauen.“ Ziel sei es, die Bürger weiterhin mit einzubeziehen.

„Es wird eine Lenkungsgruppe geben, der fünf Bürger angehören sollen, fünf Leute aus der Verwaltung, Stadträte und natürlich Vertreter der Investoren“, skizziert Referatsleiter Alfred Ganzenmüller, der von seiten der Stadt zum Projektleiter ernannt wurde. Drei verschiedene Plangutachten sollen jetzt erarbeitet werden, aus denen dann eine künftige Bebauung gestaltet wird. „Einen Wettbewerb brauchen wir nicht mehr, wir haben schon sehr viele Informationen, was das Gelände angeht.“

Ganzenmüller nannte beim Pressetermin auch den Zeitplan, der „durchaus sportlich“ ist: Mitte Juli könnte der Stadtrat bereits den Rahmenplan verabschieden, danach wird der Bebauungsplan aufgestellt, der möglichst in etwa einem Jahr rechtskräftig werden soll. „Wir würden dann schon so schnell wie möglich loslegen, im Sommer oder Herbst 2016“, so Michael Ehret. Komplett abgeschlossen sein, soll der Umbau des Viertels dann in acht bis zehn Jahren.

Im ersten öffentlichen Gespräch versuchten die Entwickler, klarzumachen, dass sich die Landsberger jetzt keineswegs jahrelang nur auf Dreck und Lärm einstellen müssten. „Das wird sicher keine Baustelle werden, die ständig geschlossen ist und in die dann irgendwann eingezogen werden kann.“

Prägende Elemente

Bislang ist auch noch gar nicht entschieden, was von den bisherigen Gebäuden stehenbleibt und was weichen muss. Ehret: „Wir machen eine Evolution am Papierbach und keine Revolution, wir wollen ja keine Neubausiedlung schaffen. Wenn man sich etwa die alte Schlosserei ansieht, ist das ein prägendes Element mit sehr viel Charakter.“ Es gelte auch, im Falle eines Teilerhaltes Sanierungskonzepte auszuarbeiten. Dazu gehöre auch, auf die Bürger zu hören, meinte Klein. „Sie können eine Immobilie ja nur verkaufen, wenn Sie die Wünsche der künftigen Bewohner erfüllen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen kann, wenn man transparent arbeitet und Kompromisse schließt.“

Fest steht jetzt schon, dass einige Gebäude noch eine zeitlang stehenbleiben; so wird die Firma Pöttinger die Reparaturhalle noch bis 2020 nutzen. „ehret+klein“, die „das Vermögen von wohlhabenden Familien verwalten“, werden dagegen an anderer Stelle relativ zeitnah mit den Arbeiten beginnen (lassen) – unter anderem wird jetzt der neue Lechsteg wieder Thema.

„Es steht außer Frage, dass dieses Viertel an die Innenstadt angebunden werden muss“, so OB Neuner. „Wo genau der Steg gebaut wird, muss man dann sehen.“ Auf jeden Fall wird die Brücke vom Investor bezahlt werden, „wir schließen mehrere Städtebauliche Verträge mit der Stadt“, so Ehret. Im „sozialen und lebenswerten Viertel“ (Klein) wird es neben einer großen Tiefgarage auch eine Versorgung durch Einzelhandel geben, wobei schon im Vorfeld Ausschlusskriterien vereinbart werden sollen. Ehret: „Durch die neuen Bewohner soll die Altstadt gestärkt und nicht geschwächt werden.“

Über ein mögliches Investitionsvolumen wollten die neuen Eigentümer noch keine Aussage treffen. Alleine in der Planungsphase rechnen sie aber mit Kosten von „deutlich über zwei Millionen Euro.

Christoph Kruse

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