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Was war, was ist, was kommt? Die Zukunft des Projektraums

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„Auf eigene Gefahr“, betont das rote Banner: Der Projektraum ist wieder offen.

Landsberg – „Nach dem plötzlichen Ende spürt man, was einem fehlt.“ ‚Zuhörerin‘ Sabine Skudlik ist nur eine der Kulturschaffenden, die von der Schließung des Projekt­raums am Klostereck betroffen sind. Am Sonntagabend trafen sich dort rund 30 Personen, um über die Vergangenheit und Zukunft der Kultur-Idee zu sprechen. Zentrale Frage: „Braucht Landsberg einen Projektraum?“ Eine Frage, die eindeutig mit ‚Ja‘ beantwortet wurde. Anwesend waren hauptsächlich Kulturschaffende, die in den sieben Monaten Laufzeit am Kloster­eck agiert hatten. Die Kritiker waren bis auf wenige Ausnahmen zuhause geblieben.

Auch Oberbürgermeister Mathias Neuner, der laut Projektraum-Leiterin Catherine Koletzko zugesagt hatte, kam nicht. Eine verbindliche Zusage sei das nicht gewesen, teilt die Pressesprecherin der Stadt, Simone Sedlmair, mit. Neuner sei noch im Urlaub und deshalb nicht gekommen – mit dem Wissen, dass Kulturamtsleiterin Claudia Flörke, Kulturbürgermeister Axel Flörke sowie Stadträtin und Künst­lergilde-Vorsitzende Petra Ruffing anwesend sein würden.

Im Dezember hatte die Tagespresse über eine Aussage Neuners berichtet, es drohe die Gefahr, dass von der Decke Mauer­stücke herunterfallen könnten. „Ich habe das gelesen, den Computer ausgeschaltet und alles weggeräumt“, erzählt Koletzko. Das Klostereck war binnen Minuten geschlossen. Daran änderte auch Neuners Korrektur am nächsten Tag, es drohe keine akute Gefahr, nichts.

Die normale Reaktion wäre doch gewesen, den OB anzurufen und nachzuhaken, „was ist da los?“, äußerte Ruffing am Sonntagabend. Koletzko habe ja auch die Verantwortung für die betroffenen Kulturschaffenden gehabt, die Termine im Projektraum eingeplant hatten. „Mich erstaunt es, dass Sie vom Projekt so begeistert sind und so schnell aufgeben.“ Koletzkos Antwort: „Der Satz stand da“. Das Risiko habe sie nicht mehr auf sich nehmen können. Trotz Widerruf.

Die meisten Anwesenden konnten diese „Überreaktion“ Koletzkos nachvollziehen. Axel Flörke sieht darin eine Reaktion auf einen vorschnellen Kommentar. Allerdings habe der OB gegenüber der Tagespresse angeblich nicht von dieser enormen Gefährlichkeit gesprochen.

Wichtiger sei jetzt aber, in die Zukunft zu schauen. Denn „Landsberg braucht so etwas unbedingt.“ Der Projektraum habe eine Nische gefüllt. Doch dafür müsse auch die Möglichkeit eines anderen Raums für das Konzept angedacht werden.

Die Kombination ‚Klostereck–Projektraum‘ empfanden die Anwesenden als ideal, in dieser Form wohl in keinem anderen Raum wiederholbar. Das Kloster­eck sei ein Ort „zum einfach nur da sein“ gewesen. Auch Koletzko als Leiterin solle erhalten werden. Aber „der Projektraum ist nicht an meine Person gebunden“, antwortete diese.

Ruffing empfahl, Anforderungen an einen möglichen Projektraum – Stadtmitte, sichtbar, offen zugänglich – aufzulisten. „Man sollte sich nicht auf diesen Raum fixieren.“ Denn die Begehrlichkeiten fürs Kloster­eck sind groß. Und ob nach der rund 200.000 Euro teuren Freskensanierung der Projektraum dort weitergehen wird, steht in den Sternen: eine Entscheidung, die der Stadtrat zu fällen hat. Wider die Annahme einiger Anwesender, sonst wolle doch niemand ins Klostereck, betonte Axel Flörke, dass der Raum der Stadt gehöre. „Der Einzelhandel zum Beispiel fordert ein attraktives Entrée.“ Auch andere kulturelle Nutzungen – zum Beispiel als städtische Kunsthalle – bis hin zu gewerblicher Nutzung ständen parat, bekräftigt Claudia Flörke. Zudem gebe es massive Kritik an der Kombination Projektraum–Klostereck. Einige sähen den Raum entweiht. Andere wünschten sich Einkaufsmöglichkeiten. Die Hauptkritiker des Projektraums kämen indessen nicht aus den Reihen des Stadtrats, betonte Axel Flörke. Sondern aus den Reihen der Kulturschaffenden selbst.

Von diesen waren nur sehr wenige anwesend. Als Kritik am Projektraum wurde die Intransparenz des privat-städtischen Konstrukts angesprochen. Ein zukünftiger Projektraum solle rein städtisch geleitet sein, eine mögliche Kuratorenstelle ausgeschrieben werden. Auch Koletzkos Leserbrief in der Tagespresse, in dem sie Nutzungsmöglichkeiten der sonstigen Kulturräume in Landsberg auflistete – zum Beispiel die Säulenhalle als kuratierte Kunsthalle –, wurde angesprochen. Ob es dabei konkrete Planungen gebe? „Das war einfach nur meine Meinung zu diesem Gewusel an Räumen“, antwortete Koletzko. „Ohne Ambitionen.“

Der Projektraum ist indessen bis zu seiner offiziellen Schließung im März wieder offen. Mit Schildern, die das Betreten „auf eigene Gefahr“ betonen. Koletzko will bis dahin eine Doku­mentation des Projektes mit allen Veranstaltungen, Ideen und Planungen erstellen, gerne mit Unterstützung. Und wer eine Idee hat, den Raum zum Thema „auf eigene Gefahr“ zu füllen, ist herzlich willkommen.

Susanne Greiner

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