Privatangelegenheit Klostereck

Der Projektraum Klostereck ist privat - die Stadt steht beratend zur Seite

+
Gab es bei der gut besuchten Eröffnung des Klosterecks noch ein Podest und ein Buffet, stehen inzwischen Schreibtische, Drucker und Stühle für die Arbeit bereit.

Landsberg – Ein ungewöhnliches Bild: Da wird ein Kulturraum eröffnet – und neben dem Kulturbürgermeister sind auch das Stadtoberhaupt selbst und die Zweite Bürgermeisterin anwesend. So viel Ehre wird der Kultur nur selten zuteil. Allerdings handelt es sich ja auch nicht um einen x-beliebigen Raum. Erstens: Die Stadt ist Vermieterin. Zweitens: Es ist das mit Bedeutung aufgeladene und geschichtsträchtige Klostereck, das seit Ende April für ein Jahr als „Spielraum für Künstler, Kulturelles und Kreative“ dient.

Die Bezeichnung „Spielraum“ ist auf dem Plakat im Schaufenster zu lesen. Der Raum dahinter wurde sanft renoviert, an den Wänden hängt Kunst. Standen zur Eröffnung Ende April noch ein Podest und ein Buffet dort, sind inzwischen ein großer Büchertisch sowie Schreibtische und Stühle zu sehen. Dominierend das Schaufenster nach Draußen. Denn was hier entstehen soll, ist „eine Plattform, die Künstler und Kreative in Landsberg sichtbar macht“, formuliert Architektin Catherine Koletzko, die mit ihrem Kollegen Jürgen Hoffmann gemeinsam den Raum von der Stadt angemietet hat.

Denn das sei hier ausdrücklich betont: Es ist kein städtischer Raum, sondern ein Privatprojekt. Koletzko und Hoffmann sind dabei, eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft zu gründen, die als Betreiber des Raumes fungieren wird. Diese noch zu gründende Gesellschaft zahlt seit April Miete. Und die Miethöhe sei angemessen, versichert Leiterin des Kulturbüros Claudia Flörke. Koletzko ist auch für die Auswahl der Ausstellungen zuständig: „Den kuratorischen Rahmen setze weitestgehend ich. Für die Zeit der Zwischennutzung gibt es schon ein Konzept.“ Pro Monat eine Ausstellung, wie bereits auch im ersten Projektraum Koletzkos im Hinteranger. Das sei aber noch nicht festzementiert. „Nicht jede Ausstellung muss einen ganzen Monat dauern“, sagt die Mieterin. Ergänzungen also noch möglich. Das sei mit dem Kulturbüro abgesprochen. Denn hier greift die vereinbarte Zusammenarbeit mit der Stadt. Die Öffentlichkeits- und die inhaltliche Arbeit wird vom Kulturbüro unterstützt. „Es ist aber ein offener Austausch“, formuliert Flörke. „Ich kann und will das Projekt nicht alleine stemmen“, bekräftigt Koletzko.

Die Architektin hatte, wie viele andere Kulturschaffende Landsbergs auch, die Nachricht vom Kulturbüro erhalten, dass das Klostereck für eine Nutzung von einem Jahr zu vermieten sei. Dass Kultur rein sollte, war der Verwaltung klar. Nur nicht, in welcher Form. Koletzko überzeugte das Kulturbüro letztendlich mit ihrer Idee.

Denn der Raum soll nicht nur Galerie sein. Vielmehr „ein Schaufenster für Landsberg und Umgebung für Landsberg und Umgebung“, beschreibt die Mieterin. Die kreativen „Gesichter der Stadt“ sollen sichtbar werden, „auch im Auftreten der Kultur- und Kreativschaffenden gegenüber der Stadt“ – eine Art Interessenvertretung.

Deshalb bietet Koletzko in diesem Projektraum Arbeits­plätze an. Ganz flexibel: „Auch für Jemanden, der mit seiner Aktentasche vom Bahnhof kommt und nur für zwei Stunden einen Tisch braucht.“ Ein Raum für Workshops, Veranstaltungen, Vorträge. So wird die LechART Nutzer. Auch eine Veranstaltung des Kulturbüros im Rahmen des Bayern-Jubiläums „Verfassung erfassen“ wird das Klostereck füllen.

Der Raum soll zudem als Meeting-Point der Kultur- und Kreativschaffenden dienen. Eine Art „Branchentreff“, sagt Flörke, sozusagen als Fortsetzung des Workshops der Kultur- und Kreativschaffenden im Rahmen von Landsberg 2035.

Insgesamt ist es bisher kein fest zementiertes Konzept. Das Projekt Klostereck sei vielmehr ein „Experiment, ein Prozess, der noch am Anfang steht“, betont Koletzko. Auch bei ihrem ersten Projektraum im Hinteranger habe die „Entwicklung nie aufgehört“. Es wird also Initiative von allen Beteiligten notwendig sein: Denn elf Monate sind nicht viel Zeit.

Finanzieren soll sich das Projekt aus Spenden. Als Anschub gab‘s 3.500 Euro von der Sparkasse, die, so Koletzko, in die Renovierung und Ausstattung des Raums investiert wurden. Koletzko selbst erhält keinen Gehalt: Eine Anstellung seitens der Stadt, auch auf Honorarbasis, hätte das ein wenig seltsam anmutende Konstrukt Stadt/Privat klarer gemacht. Das war aber laut Flörke finanziell nicht drin. Was sich auch auf die Öffungszeiten auswirkt. Denn offen ist bisher, wenn jemand da ist. „Ich bin oft hier, aber eben nicht immer“, sagt Koletzko. Sobald andere den Raum nutzen, denkt sie an Öffnungszeiten von 8 bis 17 Uhr, werktags. Aber auch da werde man flexibel sein.

Das Projekt kommt gut an. Petra Ruffing von der Künstlergilde wünscht sich neben einem Raum zum Netzwerken auch eine Art Atelier, „in dem man gemeinsame Kunstprojekte verwirklichen kann.“ Silvia Großkopf vom Regionalverband Bildender Künstler (RBK) ist auch angetan. Schade, dass die Zederpassage kein städtisches Gebäude ist, für das sich die Stadt engagieren könne. Die Künstlerin Katinka Schneweis findet das Projekt großartig, „auch die Offenheit eines unfertigen Verwendungszwecks“. Sie hoffe, dass sich unterschiedliche Berufszweige und Gruppen „gegenseitig inspirieren und Landsberg spürt, wie viel Potential hier verborgen liegt.“ Allerdings gibt es Verwirrung über die Zuständigkeiten. Wer entscheidet? Wer darf rein? Kostet es was? So kritisiert Rainer Walch vom Kunstverein Landsberg gerade das Fehlen eines konkreten Konzepts. Insgesamt also sicher viel Raum und Potential für neue Ideen. Sie müssen nur noch umgesetzt werden. 

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

"Ich wär' so gern Thomas Müller!"
"Ich wär' so gern Thomas Müller!"
The Wombats und Lili Tralala rocken die Kaltenberger Arena
The Wombats und Lili Tralala rocken die Kaltenberger Arena
landsbergblog zieht zum KREISBOTEN um
landsbergblog zieht zum KREISBOTEN um
Der Amtsschimmel lässt das Wiehern auf der Bienenweide
Der Amtsschimmel lässt das Wiehern auf der Bienenweide

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.