Zehn Jahre nach dem Super-GAU in Fukushima

Protest gegen Atomkraft in Landsberg

Menschen mit Plakaten und Infomaterial auf einer Kundgebung
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BUND Naturschutz und IPPNW erinnerten am Samstag an den Super-GAU in Fukushima.
  • vonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Die Atomkatastrophe von Fukushima jährte sich am 11. März 2021 zum zehnten Mal. Bis heute hat sie gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen von immensem Ausmaß. Im Kampf gegen Atomkraft gab es am Samstag zwei Mahnwachen: seitens der Grünen und seitens des BUND Naturschutz zusammen mit der Regionalgruppe Landsberg von IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges). Deren Mitglied Rolf Bader erinnert sich an die Anfangszeiten des Atom-Protests mit IPPNW-Initiator Professor Bernard Lown, der am 16. Februar kurz vor seinem 100. Geburtstag gestorben ist.

Dass am Samstag zwei unterschiedliche Mahnwachen stattfanden – die der Grünen auf dem Hauptplatz, die des BUNDs Naturschutz und von IPPNW in der Ludwigstraße – , war so vorher besprochen worden, informiert Stadträtin Ulrike Gömmer (Grüne), die die Mahnwachen organisiert hat. So habe man viele und unterschiedliche Bevölkerungskreise erreichen können.

Zwar sollen Ende 2022 in Deutschland die letzten deutschen Atomkraftwerke vom Netz gehen. Dennoch, so Gömmer, entstehe beim Betrieb der Atomkraftwerke „täglich hochgiftiger, radioaktiver Abfall, der etwa eine Million Jahre sicher verwahrt werden muss“. Auch die Brennstäbe aus Fukushima seien im niedersächsischen Lingen hergestellt worden – „und die Produktion dort geht weiter“. Denn in Europa setzten zahlreiche Staaten weiter auf Kernenergie – teils mit jahrzehntealten Meilern. Letztendlich helfe hier nur eine weltweite Energiewende hin zu erneuerbaren Energien, betont die Grünen-Stadträtin. Auch Japan setze – trotz Fukushima – weiter auf Atomenergie. Demnächst liefen die olympischen Fackelläufer durch die noch immer hochbelastete Sperrzone. „Und nach den Olympischen Spielen sollen dann über eine Million Tonnen radioaktives Kühlwasser im Pazifik verklappt werden“, informiert Gömmer. Und verweist auf einen weiteren Aspekt: Atomkraftwerke, Forschungsreaktoren, Anreicherungs- und Wiederaufarbeitungsanlagen seien immer auch ein Weg, an die zum Bau einer Atombombe nötigen Materialien zu gelangen und so militärische letztendlich auch Atomprogramme zu kaschieren.

Auch die Landsberger Regionalgruppe IPPNW stellte sich gemeinsam mit dem BUND Naturschutz in einer Mahnwache in der Ludwigstraße gegen die weitere Nutzung der Atomenergie. Mit dabei auch Rolf Bader aus Landsberg, der sich schon seit der Gründung der IPPNW vor über 40 Jahren aktiv gegen Atomkraft einsetzt (der KREISBOTE berichtete).

Bader, ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen IPPNW-Sektion, erinnert sich – auch an einzelne Aktionen, bei denen er auf Professor Bernhard Lown traf, der 1980 mit dem russischen Kardiologen Evgenij Chazov in Genf die IPPNW gegründet hatte. Als Bader 1990 Lown im Central Office der IPPNW in Boston traf, sei er „von seiner Menschlichkeit und seiner überwältigenden Ausstrahlung“ beeindruckt gewesen. „Im Mai 1990 reisten wir mit über 1.000 Ärztinnen und Ärzten über Moskau nach Kasachstan, um am sowjetischen Atomtestgelände nahe Semipalatinsk gegen Atomtests zu demonstrieren“ erinnert sich Bader. Anschließend forderten sie in Moskau vor dem sowjetischen Außenministerium einen sofortigen Stopp der Atomtests. Und tatsächlich habe Lown dabei die Zusage erhalten, dass die Sowjetunion Ende des Jahres die Atomtests in Kasachstan beenden werde.

Schon 1990 war Rolf Bader (Mitte) im Kampf gegen Atomtests aktiv. Hier mit IPPNW vor dem sowjetischen Außenministerium in Moskau, als er unter anderem mit Lown auf dem Weg in das Atom-Testgebiet in Kasachstan war.

Am IPPNW-Kongress 1992 in Berlin mit über 2.000 Ärzten habe auch Friedensnobelpreisträger und Ex-Bundeskanzler Willy Brandt teilgenommen, weiß Bader. Und Lown mit folgenden Worten geehrt: „Sie haben der Sache des Friedens einen großen Dienst erwiesen.“

Aber auch an ein persönliches Gespräch mit Lown in Boston erinnert sich Bader noch gut. Damals habe er von seinen Geprächen mit Michail Gorbatschow erzählt. „Ich konnte kaum glauben, dass der sowjetische Präsident ihn wirklich empfangen hatte.“ Erst viele Jahre später habe er in Gorbatschows Buch „Das Neue Russland“ über die regelmäßigen Treffen mit Lown erfahren. Und auch, dass Lown Gorbatschow von der Notwendigkeit der Abrüstung der Atomwaffen überzeugt habe. Kurz darauf hätten Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan die internationalen Abrüstungsverträge unterzeichnet.

Die IPPNW-Regionalgruppe engagiert sich weiter. Zum Beispiel beim Jubiläumskongress, der eigentlich letztes Jahr stattfinden sollte – und pandemiebedingt nun für den 18. bis 20 Juni angesetzt ist – „wenn die Pandemie es zulässt“, hofft Bader.

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