Protestnote mit Unbekannten

Der ganz normale Parkwahnsinn auf dem Landsberger Hauptplatz: Gerade an Samstagen und vor Feiertagen herrscht selbst vor dem Historischen Rathaus da pure Chaos – ungeachtet aller Verbotsschilder. Foto: Schwaiger

Das Papier aus der Landeshauptstadt dürfte bei nicht wenigen Einzelhändlern am und um den Hauptplatz für Verwunderung gesorgt haben – sofern sie es überhaupt zu Gesicht bekamen. In einem zweiseitigen Brief an den Oberbürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat spricht sich der „Handelsverband Bayern – Der Einzelhandel“, kurz HBE, gegen die Straßenverlegung beim Hauptplatzumbau aus – und gegen einen Abbau der Parkplätze. „Die Geschäfte müssen auch für den Pkw-Kunden erreichbar bleiben.“

Die Protestnote aus München ist unterzeichnet von HBE-Geschäftsführerin Simone Streller sowie von Ralf Heimsch, HBE-Kreisvorsitzender Landsberg. Letzterer, wohnhaft in Mindelheim, hat sein Kaufhaus im Vorderanger Ende 2009 veräußert und ist mittlerweile Geschäftsführer der „Heimsch Handels­- beratung&Coaching“. Für ihren Verband weisen die Beiden darauf hin, dass die Verkehrspolitik in den Städten in Zukunft verstärkt über die Standorte des Einzelhandels entscheiden werde. Langfristig hätten nur solche Erfolg, die gleichermaßen durch private und öffentliche Verkehrsmittel für den Kunden erreichbar seien. Laut Streller und Heimsch werde in Landsberg nun „Wirklichkeit, was sich Anlieger und Ge­- schäftsleute bisher nicht vorstellen konnten: Der Hauptplatz soll im Rahmen der Umgestaltung durch eine großzügige Platzgestaltung und gleichzeitiger Verkehrsberuhigung eine höhere Aufenthaltsqualität erhalten.“ Doch die Innenstadt lebe nicht nur von Gästen der Gastronomie, Behördenbesu­-chern und Flaneuren. In guten Gesprächen Da spricht Marc Schmid, Inhaber der Lech-Apotheke am Hauptplatz, aber eine ganz andere Sprache. Im Namen von 27 weiteren Einzelhändlern am und um den Haupt­platz ließ er den Oberbürgermeister sowie die Stadtratsmitglieder wissen, dass man sich auf einen neu gestalteten Hauptplatz freue. „Er wird die Altstadt und das Leben hier sicherlich bereichern.“ An dessen Entstehung wolle man konstruktiv teilnehmen. Nicht anders die Erfahrung des Stadtoberhauptes. „Wir sind mit den Einzelhändlern am Hauptplatz in guten Gesprächen“, bekundet Ingo Lehmann (SPD) auf Anfrage des KREISBOTEN. Die Sorgen konzentrierten sich in erster Linie auf die Umbauphase. Ansonsten sei den meisten klar, dass „mit einem attraktiveren Platz auch die Attraktivität des Einzelhandels zunimmt.“ Zurück zum HBE-Papier: Würde mit der Neugestaltung des Hauptplatzes die geplante Änderung der Verkehrsführung umgesetzt werden, heißt es darin, würde dies die Erreichbarkeit des Handels im Stadtzentrum massiv erschweren. Und weiter: „Dies wäre dann der Fall, wenn die Herkomer-Straße wie im Entwurf vorgeschlagen, ausschließlich parallel zur Ostseite des Platzes angeordnet wird.“ Ausschließlich? Fordert der HBE etwa zwei Fahrstreifen? Wohl kaum, denn wenig später kritisieren Streller und Heimsch, dass mit der „Einführung einer Einbahnstraße an der westlichen Platzseite“ und der ersatzlosen Streichung von 44 Stellplätzen „alle Bekenntnisse zu einer attraktiven, lebendigen Innenstadt Landsberg nur noch Makulatur“ wären. Es spreche nichts gegen eine vernünftige Neugestaltung des Hauptplatzes, betonen Streller und Heimsch für den HBE, dem im Landkreis rund 100 Gewerbetreibende angehören. Allerdings bedürfe es eines vernünftigen Verkehrskonzeptes mit einer praktikablen Straßenführung am Hauptplatz und eines bedarfsgerechten Parkraumkonzeptes im gesamten Innenstadtbereich. Eine Verlagerung des Verkehrs auf eine nicht geeignete Straßenführung auf der Ostseite des Platzes ist nicht der richtige Weg.“ Bestes Beispiel OB Lehmann fällt es schwer, im Detail auf die Diskussion einzugehen. Der HBE-Kritik setzt er die Ludwigstraße als bestes Beispiel entgegen: „Nach der Logik des HBE-Schreibens hätten dort damals die Umsätze des Einzelhandels zurückgehen müssen, als die Parkplätze den Fußgängern weichen mussten. Tatsäch­lich ist die Ludwigstraße heute der am meisten von Bürgern, die ja auch Kunden sind, besuchte Bereich.“

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