FUN auf dem Prüfstand

Trotz einer „Subvention“ von 25000 Euro verzeichnete der von FUN durchgeführte „Eis­traum“ in 2010 noch 55000 Euro Defizit und wurde danach per Stadtratsbeschluss abgesetzt, weil nach der EVL-Pleite wieder Kapazitäten in der Eishalle frei wurden. Foto: FUN

Eine eigene Feier zum kleinen Jubiläum gab’s nicht; warum auch, fand doch im eigenen Hause die große Sause in Form des Silvesterballes statt. Damit konnten Anton Sirch und sein Team nicht nur zum Jahreswechsel, sondern taggenau auch zum Fünfjährigen des städtischen Eigenbetriebes FUN die Korken knallen lassen. Wer will da schon an dieses Damoklesschwert denken – sofern bekannt: Der Bayerische Kom­- munale Prüfungsverband hat dem Stadtrat im Frühjahr erstmals empfohlen, die Notwendigkeit von FUN „kritisch zu überprüfen und über den Fortbestand des Eigenbetriebes zu entscheiden“.

Im Finanzausschuss am Mittwoch war diese Entwicklung kein Thema – weder öffentlich noch nichtöffentlich. Es ging allein um den Jahresbericht 2010 des am 1. Januar 2007 gestarteten Eigenbetriebes „Freizeit, Unterhaltung, Nutzungsmanagement“. Wie gewohnt fuhr er abermals einen kräftigen Verlust ein, was allein der Aufgabenstellung geschuldet ist. Bei betrieblichen Erträgen von knapp 2,4 Millionen Euro stehen unter dem Strich 452365 Euro Minus. Nach den entsprechenden Wirtschaftsplänen stehen fürs vergangene Jahr gut 800000 und für 2012 fast 720000 Euro zu Buche. Angesichts der vielfältigen Aufgaben des Eigenbetriebes kein Grund zur Besorg­nis, wie OB Ingo Lehmann und mit ihm nicht wenige Ratsmitglieder befanden. „Das Defizit war zuvor schon da“, sagte etwa SPD-Fraktionschef Ludwig Kaiser, „aber im Gesamthaushalt versteckt.“ Er sei sehr froh, dass es jetzt mit FUN „sehr transparent“ dargestellt werde. UBV-Stadtrat Christoph Jell hingegen regte an, grundsätzlich zu überlegen, ob und welche Aufgaben noch an den Eigenbetrieb übertragen werden sollten. Aktuell ist er in acht Be­triebszweige unterteilt: Sport­- zentrum, städtische Turnhallen, Stadttheater, Historisches Rathaus, zu vermietende Flächen wie etwa die Waitzinger Wiese, Durchführung von Veranstaltungen, Werbeeinrichtungen für Veranstaltungen, Verwaltung. „Mit jeder von der Stadt ausgelagerten Leistung erhöht sich der Aufwand“, sagte FUN-Leiter Anton Sirch auf die Nachfrage von BAL-Stadtrat Reinhard Skobrinsky, wo denn Einsparungen möglich seien. Und im Umkehrschluss: „Wir können nur dort einsparen, wo wir Leistungen zurücknehmen.“ Das Gegenteil war bislang der Fall, zuletzt, im Januar 2011, kam noch die Bewirtschaftung des Historischen Rathauses dazu. Durch die immense Breite des Aufgabengebietes sei es laut Sirch parallel dazu „dringend geboten“ gewesen, den Betrieb um eine „weitere leitende Stelle“ zu ergänzen. Dadurch könnten, wie auch OB Lehmann bekräftigte, Arbeitsabläufe und Transparenz aller Bereiche deutlich verbessert werden. Der FUN-Stellenplan für 2011 weist 15,6 feste Stellen inklusive Leitung aus sowie einen Auszubildenden und 24 geringfügig Beschäftigte. Damit liegen die Personalkosten bei gut 500000 Euro. Heuer sind es 17,6 feste Stellen und zwei Azubis. Als neue Aufgabe kam im zurückliegenden Jahr auch die Buchhaltung dazu. Sie war zuvor an einen Landsberger Steuerberater vergeben worden. Auf heftige Reaktionen stieß Grünen-Stadtrat Ludwig Hartmann mit seinem Antrag, sich demnächst ausführlich mit FUN zu beschäftigen und bei Bedarf dessen Aufgaben neu zu definieren. „Nach fünf Jahren muss das doch erlaubt sein.“ Diskussionswürdig sind seiner Ansicht nach unter anderem die Durchführung von Veranstaltungen, die laut Wirtschaftsplan 2012 insgesamt mit 165000 Euro Defizit zu Buche stehen, oder die 17000 Euro für die Theatergastronomie. Diese könne man gut und gerne auch in private Hände geben. „All das haben Sie und der Stadtrat in der Satzung für diesen Eigenbetrieb definiert“, konterte OB Lehmann. Das Stadtoberhaupt erinnerte daran, dass man die Aufgaben von FUN gerade erst im Herbst ausführlich dargestellt habe. „Wir können aber gerne nochmal darüber reden.“ Dies könnte ja durchaus im Zusammenhang mit dem abschließenden Bericht des Bayerischen Kommu­nalen Prüfungs­- verbandes (KPV) vom 12. Januar erfolgen. Dieser legt der Stadt nahe, „kritisch zu überprüfen, ob ein Eigenbetrieb nur zur Vermietung von städtischen Räumen erforderlich ist.“ Die Rechnungsprüfer aus der Landeshauptstadt weisen darauf hin, dass „durch die getrennte Führung eines Eigenbetriebes zusätzliche Kosten gegenüber einer Führung im gemeindlichen Haushalt entstehen.“ Der Stadtrat solle deshalb „die Notwendigkeit eines Eigenbetriebes kritisch überprüfen und über dessen Fortbestehen entscheiden.“

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