Unsanfter Tango

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Leidenschaftlich und präzise spielte „Quadro Nuevo“ Tango der unsanften Art: Chris Gall am Piano, Andreas Hinterseher am Banodeon, Mulo Francel mit Sax, D. D. Lowka am Bass und Evelyn Huber mit der Tango-untypischen, aber grandios gespielten Harfe (von links).

Landsberg – Alte Bekannte habe man sich eingeladen, aber es seien auch gute Freunde, sagt Edmund Epple über „Quadro Nuevo“. Allerdings ist das „Quadro“ an diesem Abend falsch: Chris Gall am Piano ist der Fünfte im Bunde. Die Fünf haben sich an diesem Abend dem Tango verschrieben. Um sich diese Musikart noch mehr einzuverleiben, waren sie Anfang 2014 alle zusammen nach Buenos Aires gereist. Die Erfahrungen aus der Reise hört man der Gruppe an: Die Seele ihres Tango ist ein bisschen „dreckiger“ geworden.

In Buenos Aires bezogen die Musiker eine alte Stadtvilla, wo sie „tagelang in der flirrenden Mittagshitze“ probten, Tänzern und berühmten Tangueros begegneten und sich „an schwerem Wein und frischem Tango direkt von der Quelle“ berauschten. „Jetzt spielen wir anders Tango“, ist Klarinettist und Saxophonist Mulo Francel überzeugt. Die einhellige Aussage der Argentinier sei gewesen, sie könnten alles mit dem Tango machen, „aber bitte nicht auf dem Akkordeon“.

So greift Andreas Hinterseher bis auf eine Ausnahme immer zum Bandoneon. Und jetzt „gibt er den Bösen“, urteilt Francel mit Blick auf Hintersehers drängendes Spiel: „Kein Tango der sanften Art.“ Die Songs sind teilweise Klassiker wie zum Beispiel Astor Piazzolas Kompositionen, teilweise Eigenkompositionen, in denen die Musiker wild Tango, orientalische Musik und Jazz verquirlen. Doch immer ist der leicht wehmütige und auch zynische Unterton des Tangos zu spüren, der schon in den Texten verwurzelt ist: Es geht vor allem um die Liebe.

Ein Mann, der bei der Pferdewette alles verloren hat, aber dennoch weitermachen wird, „wenn denn die richtige Stute am Start ist“, übersetzt Francel. Oder aber auch ein Lied über einen Mann, der immer sofort im Mittelpunkt stehen will – das Lied heißt „Gallo ciego“, der „blinde Hahn“. Bei der Textübersetzung bringe jeder „sein spärliches Wissen ein“, beschreibt Francel. So entstehe dann „eine homogene, angenehme Wahrheit“. Die fünf Musiker spielen leidenschaftlich und perfekt, eine Mischung, die mitreißt und überzeugt. Man merkt ihnen das jahrelange Zusammenspiel an: Blicke steuern Einsätze, sie hören aufeinander, bilden eine Einheit.

Chris Gall am Piano fügt sich wunderbar ein und verleiht dem Auftritt einen Hauch Salonmusik. Hinterseher am Bandoneon quetscht einzelne, hohe Töne aus seinem Instrument, die Schmerz pur verdeutlichen. Das Bein, auf dem er sein Bandoneon abstützt und mit dem er hart den Takt schlägt, verleiht den Tönen einen drängenden Rhythmus. Die Harfe ist für Überraschungen gut: So ausdrucksvoll, wie sie Evelyn Huber spielt, hört man dieses an sich so sanfte Instrument selten. Mulo Francel an Saxophon und Bassklarinette beschwört mit rauchigen Tönen die Ohren und Gemüter der Zuhörer und D. D. Lowka lockt alles aus seinem Kontrabass hervor – manchmal auch einen Rhythmus, der an Beatboxing erinnert. Ganz zu schweigen von seinen Fähigkeiten an den Percussions, wo er gerne orientalische Stimmungen zum Leben erweckt.

1996 lernte sich das Quartett in seiner ersten Besetzung kennen: Es galt, Filmmusik einzuspielen. Der Film wurde nie gesendet, aber die Musiker blieben zusammen. Seither gab es zahlreiche Preise, unter anderem zwei Mal den Echo Jazz für den besten Live Act. Absolut nachvollziehbar, denn ihr Auftritt ist lebendig, leidenschaftlich und musikalisch perfekt. Landsberg wird die Band weiterhin treu bleiben: Nicht umsonst behauptete Francel grinsend, das in einem Lied besungene „Haus der Träume“ sei ja eigentlich Edmund Epples Discy.

Susanne Greiner

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