Qualvolle Kilometer zum Erfolg

Ließ sich auch von hartnäckigen Schmerzen nicht unterkriegen: Der Kauferinger Triathlet Peter Stallknecht beim Ironman auf Hawaii. Foto: privat

Als Peter Stallknecht nach zwölf Stunden und 27 Minuten die Ziellinie überquerte, hatte der Triathlet vom VfL Kaufering geschafft, was nur wenigen Sportlern in ihrer Karriere vergönnt ist: Beim Ironman auf Hawaii, dem Königswettbewerb aller Triathlons, war der 65-Jährige Fünfter seiner Altersklasse geworden – und das obwohl ihn sein Körper vor dem abschließenden Marathon fast zum Aufgeben gezwungen hatte.

Für Stallknecht war es der fünfte Start bei den Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii in den vergangenen 20 Jahren. Selten jedoch standen die Vorzeichen so gut wie dieses Mal. In der gesamten Saison hatte der Triathlet mit deutlichen Siegen bei der Qualifikation für Hawaii beim Ironman Lanzarote, den Deutschen Meisterschaften im Half-Ironman in Kulmbach und der Weltmeisterschaft im Langdistanztriathlon in Immenstadt die Konkurrenz in seiner Altersklasse M 65-69 nach Belieben dominiert. Dementsprechend optimistisch machte sich Stallknecht am Wettkampftag ans Werk. Pünktlich um 3 Uhr früh klingelte der Wecker, nach etwas Gymnastik folgte ein kohlenhydratreiches Frühstück mit viel Flüssigkeit. Anschließend ging es zum fünf Meilen entfernten Wettkampfort in Kailua Kona, um rechtzeitig einen der wenigen Parkplätze zu ergattern. Um 4:45 Uhr begann die feierliche Zeremonie des Stempelns der Startnummer auf die Oberarme. Danach ging es für Stallknecht in die Wechselzone, um noch die Getränke am Rad aufzufüllen und den Luftdruck zu prüfen, da bei den hohen Temperaturen im Schatten von über 30 Grad sich manche Reifen mit lautem Knall plötzlich verabschiedet hatten. Als um 6:45 Uhr die Sonne gerade über den über 4000 Meter hohen Mauna Loa spitzte, unter dem noch die flüssige Lava brodelt und sich auf der anderen Seite von Big Island vom Vulcano Nationalpark in den Süd Pacific ergießt, fiel der Startschuss für die Profis. Zeitgleich begaben sich über 1800 Agegroup-Athleten von 18 bis 80 Jahren in den etwas unruhigen, aber 27 Grad warmen Pacific zum Einschwimmen in Richtung Startlinie. Um 7 Uhr war es dann soweit: Für Stallknecht und die restlichen Triathleten begann einer der härtesten Wettkämpfe der Welt mit 3,9 Kilometer Schwimmen. „Da war Stress pur im Wasserkampf um jede Position angesagt“, blickt Stallknecht zurück. Mit einer Schwimmzeit von 1:18 Stunde kam der Kauferinger als Zweiter seiner Klasse aus dem Wasser. Nach schnellem Wechsel auf das Fahrrad begann der Ritt durch die Lava-Wüste – über 180 Kilometer bei Temperaturen über 40 Grad Celsius und heißem Wind und rund 1000 Höhenmetern. Auf den über 80 Kilometern hinauf zum Wendepunkt nach Hawi machten extreme Gegenwinde den Fahrern das Leben schwer, auf der Abfahrt sorgten gefährliche Seitenwinde für mehrere schlimme Stürze. Zu diesem Zeitpunkt bereits bekam Peter Stallknecht starke Schmerzen unter der rechten Fußsohle. Er versuchte, sie zu ignorieren, doch die Schmerzen wurden immer stärker. Die letzten 60 Kilometer musste der 65-Jährige schließlich barfuß auf dem rechten Schuh stehend fahren, was ihm einen großen Zeitverlust bescherte. Dennoch erreichte er unter dem Jubel der Zuschauer nach sechs Stunden und zehn Minuten als Zweiter seiner Klasse die Wechselzone von Kona. Die Schmerzen allerdings ließen nicht nach. „Nach dem Wechsel in die Laufschuhe habe ich mich gefragt, was machst du?“, berichtet Stallknecht. „Noch einen Marathon über 42 Kilometer mit einem entzündetem Nerv in der Fußsohle bei noch mindestens 35 Grad laufen? Das machte eigentlich keinen Sinn.“ Doch als Stallknecht nach fünf Kilometern an seiner Tochter mit Mann und Enkelkind, die extra eine Woche aus Seattle nach Hawaii herübergeflogen waren, und seiner Frau vorbei lief, fasste der Triathlet einen Entschluss:, „Ich habe nicht mehr daran gedacht, das Rennen aufzugeben.“ Dazu änderte er seine Taktik. Statt dem Sieg strebte Stallknecht nun einen Platz unter den besten Fünf an. An den Versorgungsstellen kühlte er seine Problemzone mit Eis und reduzierte das Lauftempo. Der Lohn der Qualen: Platz 5 von 27 Mitstreitern und der ersehnte Satz bei der Siegerehrung: „You are an Ironman.“

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