Schießheim und Armenhaus

Quartiersmanagement: ein Rundgang durch die Schwaighofsiedlung

Früheres Armenhaus für Männer in der Schwaighofsiedlung.
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Das frühere Armenhaus für Männer in der Schwaighofsiedlung.

Landsberg – Dass eine Stadtführung in der Schwaighofsiedlung auf so großes Interesse stoßen würde, sollte man nicht denken. Zu der Veranstaltung, die Kulturreferent Axel Flörke leitetet und die das Quartiersmanagement Landsberger Westen initiiert hatte, sammelten sich knapp 40 Personen hinter der Sandauer Brücke: dem Anfang der Schwaighofsiedlung.

Landsberg – Dass eine Stadtführung in der Schwaighofsiedlung auf so großes Interesse stoßen würde, sollte man nicht denken. Zu der Veranstaltung, die Kulturreferent Axel Flörke leitetet und die das Quartiersmanagement Landsberger Westen initiiert hatte, sammelten sich knapp 40 Personen hinter der Sandauer Brücke: dem Anfang der Schwaighofsiedlung.

Bis hier gebaut wurde, dauerte es. Früher gab es nur Bauernhöfe, zur Versorgung der Stadtbewohner. Oder eben Gebäude, die man nicht in der Stadt hatte haben wolle, sagt Flörke. Der Aussiedlerhof‚ Schwaig­hof‘ stehe zwar nicht mehr. Dafür ein Haus, das es bereits 1562 gab, hinter Brücke entlang des Lech-Weges: das damalige „Brechhaus“, sagt Flörke. Wobei das von ‚Gebrechen‘ herrühre. Dort habe man Menschen mit ansteckenden Krankheiten wie beispielsweise der Pest untergebracht und versorgt – vor den Stadttoren, zumindest, solange der Platz dort ausreichte.

Das Haus wurde im Laufe der Zeit zum städtischen Krankenhaus, bevor es seine Funktion nochmals änderte: Es wurde das städtische Armenhaus für Frauen.

Das Gebäude gegenüber des Friedhofs, in dem heute eine Gastronomie ist, sei nach dem 30-jährigen Krieg das Schützenheim gewesen, weiß Flörke. Die Schießanlage zwischen Altöttinger und Augsburger Straße habe jedoch nicht mehr ausgereicht, als die Gewehre professioneller wurden, so Flörke – und Anwohner seien schwer verletzt oder gar erschossen worden. Zudem habe das Geböller, das vor allem das Kanonengeböllere bei einem guten Schuss, die Beerdigungen auf dem Friedhof gestört. Weshalb der Verein jetzt in Sandau sein Heim habe.

Neben dem Armenhaus für Frauen fand aber auch das Armenhaus für Männer seinen Platz in der Schwaighofsiedlung. Das Haus (siehe Foto) ist heute ebenfalls ein normales Wohnhaus. Landsberg sei früher immer eine reiche Stadt gewesen, die sich solche ‚Sozialeinrichtungen‘ habe leisten können, erläutert der Kulturreferent.

Bauten vor dem ersten Weltkrieg betuchtere Menschen ihre Villen entlang der Augsburger Straße, entstanden dort zwischen 1919 und 1924 Wohnhäuser für ‚Normalverdiener‘. Damals hatte man noch Platz – weshalb diese Häuser sogar einen Vorgarten haben, der sie von der Straße abrückt. Gebaut habe sie eine Wohnungsbaugenossenschaft. Auch heute gibt es so eine noch in der Schwaig­hofsiedlung. Und unter deren Geschäftsräumen befindet sich einer der zweistöckigen Keller, die in Landsberg mit seinen zahlreichen Brauereien früher für die Kühlung des Biers im Sommer genutzt wurden.

Der Stadtrundgang führt an der neuen Obdachlosenunterkunft in der Jahnstraße und den nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten und immer noch nicht abgerissenen Baracken vorbei zur „Frontkämpfersiedlung“, gebaut in der NS-Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Volkswohnungsbaus. Männer, die an die Front gingen, erhielten hier kleine ‚Reihenhäuser‘ für ihre Familien. Nicht umsonst gibt es hier immer noch die nach den ‚Helden‘ des Ersten Weltkriegs Weddingen und Immelmann benannten Straßen: ersterer ein als „Adler von Lille“ bekannter Jagdflieger, zweiterer Marineoffizier. In Starnberg gibt es übrigens an der dortigen Jahnstraße ebenfalls eine Frontkämpfersiedlung. Die Häuser in diesen Siedlungen glichen sich deutschlandweit. Heute sind die Gebäude inzwischen teilweise recht kurios an - und umgebaut, mit Schindeln oder Hundertwasser-ähnlichem Geländer, eines strahlt in Zitronengelb.

Letzte Station der Führung ist das alte Sägewerk am Lech­ufer. Die Mühle aus dem 18. Jahrhundert ist verfallen und wegen Einsturzgefahr geschlossen. Obwohl sich angeblich der ein oder andere Fotograf ab und zu hineinschleicht, um großartige Bilder zu machen.

ks

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