Der Hirnpecker und die Rote Dirn

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Bettina Mitterndorfer als resche Dirn, die das Schmankerl vom Hirnpecker erzählt. Musikalisch begleitet wurde die niederbayerische Schauspielerin beim Georg Queri-Abend im Stadttheater von Florian Burgmayr.

Landsberg – „Das letzte Hochdeutsch, das Sie heute Abend hören werden, kommt von mir“, warnte Theaterleiter Florian Werner. Und tatsächlich: Beim Georg Queri-Abend hatte manch einer gewisse Sprachbarrieren zu überwinden, wollte er die Schnurren des bayerischen Heimatdichters bis ins letzte Detail verstehen. Die Schauspielerin Bettina Mittendorfer brachte als resches Madl und rescher Original-Bua in tiefster Mundart Bestes aus Werken Queris auf die Bühne, darunter Geschichten aus „Kraftbayerisch“, „Bauernerotik und Bauernfehme in Oberbayern“ oder auch „Die Schnurren des Rochus Mang“. Musikalische und auch dialogische Unterstützung bekam Mittendorfer mit Tuba und Akkordeon von Florian Burgmayr.

Noch heute erinnert in Frieding ein Gasthaus an seinen 1879 geborenen Schriftsteller Georg Queri, der vor allem durch seine Beiträge im Simplicissimus populär wurde. Dem vor allem als Journalist in München und New York arbeitenden Queri wurde wegen zwei seiner Werke, darunter auch die „Bauernerotik und Bauernfehme“, ein Sittlichkeitsprozess gemacht. Den Prozess gewann er – Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma unterstützten ihn –, aber sein Gesundheitszustand war so fragil, dass er bereits mit 40 starb. „Queris Anliegen war es, Brauchtum und Folklore für die Nachwelt zu retten“, erklärt Mittendorfer: „Er schrieb das auf, was im Wirtshaus gesagt und gesungen wurde.“

Der Titel „Kraftbayerisch“ sagt eigentlich schon alles: „Vielleicht wär‘s notwendig gewesen, dem bäuerlichen Musen­gaul die Scheuleder vorzubinden“, schreibt Queri selbst über seine Werke. Aber er habe sich nun schon so sehr in die „gute alte Zeit der Rollwagenbüchlein hineingelebt, dass ich die neue Ordnung der primitiven Begriffe nicht mehr verstehe. Ohne Scheuleder also.“ Und dann legt Bettina Mittendorfer los: Der Bauer, das ist ein „Tyrann im Haus, eine Sau im Bett, ein Lästerer der Pfarrer“. Und ja, die Pfarrer kommen so gar nicht gut weg bei ihm, Bürgermeister auch nicht: Keine Heiligkeiten oder ehrbare Amtspersonen, sondern nur Menschen, und da oft die des übelsten Schlags, ohne Anstand und Sitte. Queri schaute den Leuten aufs Maul, wenn er ihre Gstanzl und Schnaderhüpferl sammelte.

Es menschelt: Wenn der Bauer seiner Frau die Notbeichte abnehmen muss, da der Pfarrer den weiten Weg nicht rechtzeitig schaffen wird, und so erfährt, dass sie ihn mit einem Knecht betrogen hat: „Schier will er aufspringen bei ihrem Bekenntnis. Nein, aufspringen, das tut er nicht – erst muss er sie absolvieren, dass ihre Seel keinen Schaden nimmt in der andern Welt.“ Aber so ganz heilig ist er eben nicht: „Siehst, wann ich jetzt nit dagesessen wär an Gottesstatt, dann hätt ich Dir aber den Hennengattern an den Grind geschlagen, Du ganz Schlechte, Du.“ Woraufhin die Gattin selig stirbt.

Das erotische Treiben zwischen Frau und Mann ist oft Thema der Geschichten. Da gibt es den Kasper, der mit der roten Dirn unterwegs ist, als der „Hirnpecker“ kommt – der Vogel, der dem Menschen das Hirn herauspickt. Kasper zieht die Jacke über den Kopf, die Dirn ihre Röcke und schreit: „Der Hirnpecker ist da und pecken tut er auch schon. Aber wo der hinpeckt, da wird er halt das Hirn nit finden können.“ Doch wenn sie später sagt, ihr Bub sei vom Hirnpecker, „da hat‘s ihr kein Mensch nicht geglaubt“, am allerwenigsten der Kasper. So ist er eben, der Bauer, ein wenig feig, verschlagen, „am besten, wenn er weint, am schlimmsten, wenn er lacht.“

Bettina Mittendorfer und Florian Burgmayr überzeugen mit ihrer Darbietung. Mittendorfer zieht vom Leder, schlüpft in verschiedenste Rollen, kratzt sich im Schritt und flucht über die Weiber. Oder schwärmt von deren Waden. Burgmayr gibt gerne die Rolle des Dialogpartners, mal als Männlein, mal als Weiblein. Ansonsten begleitet er bei den Liedern mit Tuba und Akkordeon.

In der ersten Hälfte des Programms wirkt Mittendorfer noch ein wenig distanziert, als ob sie sich nicht ganz wohl fühlt. Doch das ändert sich nach der Pause: Es gibt mehr Musik, und die scheint Mittendorfer zu helfen, ihre Distanz abzulegen. Und dann frotzelt, flucht und liebt der Querische Bauer, dass es eine wahre Freude ist.

S. Greiner

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