Mit viel Spürsinn:

Experte für Hundehaufen

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Immer der Nase nach…

Landsberg/Riederau – Hundedreck auf Straßen und Wegen ist für einen Rentner vom Ammersee-Westufer ein rotes Tuch. Immer wieder setzte er sich mit Nachdruck dafür ein, dass die Besitzer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner wegräumten. Zweimal schoss er dabei massiv übers Ziel hinaus; und das war einmal zu viel – nun muss er hinter Gitter.

Es ist nicht so, dass der 72-Jährige aus Riederau ein Hundefeind ist. Er besitzt selbst einen und ist auch zu anderen Vierbeinern freundlich. Nur wenn er überzeugt ist, ein Besitzer lasse Hundehaufen einfach liegen, platzt ihm der Kragen. Vor drei Jahren attackierte er deshalb einen Mann, drückte ihn gegen eine Hecke und schlug ihm mit der Hundeleine auf den Kopf. Damals verhängte das Amtsgericht Landsberg bereits eine Bewährungsstrafe.

Nun hätte nichts mehr vorkommen dürfen, doch im Oktober letzten Jahres wiederholte sich der Zwischenfall. Diesmal traf es eine 52-Jährige, die mit ihrer Tochter und ihrem Hund vom Joggen kam. Der Rentner sei „wie von der Tarantel gestochen“ auf sie losgegangen, berichtete die Frau im Zeugen­- stand. Er habe sie schmerzhaft am Arm gepackt, gegen eine Hecke gedrückt und übel beleidigt. „Stasi-Schlampe“ war noch einer der harmloseren Ausdrücke, die der Riederauer brüllte. „Ich hatte solche Angst“, so die 52-Jährige. „Ich dachte, der haut mir gleich eine.“ Weil zufällig vorbeikommende Spaziergänger einschritten, passierte nichts weiter.

Schon lange sei ihre Familie „das Feindbild“ für den Rentner, war die Frau überzeugt. Dabei achte man akribisch darauf, beim Spaziergang keine Hundehaufen zurückzulassen. Tatsächlich hatte der Rentner an jenem Tag im Oktober gar nicht beobachtet, dass der Hund die Landschaft verschmutzte. Er könne aber später an den Haufen erkennen, von welchem Hund sie stammen würden, behauptete der 72-Jährige. „Da können Sie ja zu ,Wetten, dass‘ gehen“, kommentierte Richter Alexander Kessler.

Der Rentner bestritt die Vorwürfe und behauptete, alles sei nur ein Komplott gegen ihn. Er habe die Frau lediglich von der anderen Straßenseite aus angesprochen. Eine Zeugin bestätigte allerdings die Schilderung der 52-Jährigen.

Mit einem Geständnis wäre der Angeklagte vielleicht noch um eine Haftstrafe herumgekommen. Doch so konnte Staatsanwältin Sabine Graf nichts finden, was zu seinen Gunsten sprach. Der Ausraster lasse ein erhebliches Gewaltpotential erkennen, zumal es dafür keinen Anlass gegeben habe. Hinzu kam, dass der 72-Jährige von der vorherigen Tat noch unter Bewährung stand und nicht weniger als 27 Vorstrafen mitbrachte. Umsonst bat Verteidigerin Anita Trautwein darum, es bei einer Geldstrafe zu belassen, umsonst bat der Angeklagte selbst den Richter, ihm noch einmal eine Chance zu geben.

„Sie haben ein berechtigtes Anliegen, aber Sie haben versucht, es mit den völlig falschen Mitteln durchzusetzen“, sagte Kessler, nachdem er das Urteil – fünf Monate Haft ohne Bewährung – gesprochen hatte. „Die Chance hatten Sie das letzte Mal.“

Ulrike Osman

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