Randale im Eisstadion

Rollentausch im Eisstadion… Cartoon: Pfeffer

Beim Eishockey-Spiel des EV Landsberg gegen den Deggendorfer SC im Januar vergangenen Jahres gab es Randale unter den mitgereisten Fans. Warum, lässt sich heute nicht mehr klären. Sicher ist, dass Alkohol im Spiel war und eine aggressive Stimmung herrschte. Um die Situation unter Kontrolle zu behalten, waren Polizisten in Zivil im Auswärts-Fanblock im Einsatz. Einer der Beamten erhielt von einem Deggendorfer Fan einen Fußtritt ins Gesicht und trug ein gebrochenes Nasenbein davon. Ein 33-jähriger Münchener stand deswegen vor dem Amtsgericht Landsberg.

Die Anklageschrift umfasste neben der Körperverletzung noch weitere Punkte: Der 33-Jährige habe den Polizisten auch angespuckt und mit diversen Kraftausdrücken belegt. Die Beleidigungen gab der Angeklagte zu, alles weitere stritt er ab. Die Beamten hätten Pfefferspray gegen die Fans eingesetzt, auch seine Freundin habe etwas abbekommen. Er habe daraufhin einen Beamten nach dem Grund fragen wollen. Kurz darauf habe man ihn festgenommen und zur Vernehmung in die Kabine des Stadionsprechers gebracht, wo er „aggressiv“ befragt und schließlich des Stadions verwiesen worden sei. Er habe den Polizisten nicht getreten, beteuerte der 33-Jährige. Der Beamte habe auf einer Treppe über ihm gestanden. „Ich bin kein Kick-Boxer. Ich hätte ihn gar nicht im Gesicht treffen können“, versicherte der gelernte Koch, der sein Gewicht mit 140 Kilo angab und erklärte, er treibe keinen Sport. Zeugen für die Version des Angeklagten gab es nicht. Von seiner damaligen Freundin sei er inzwischen getrennt. Der Landsberger Polizeibeamte schilderte den Vorfall ganz anders. Er sei an diesem Abend in Zivil im Einsatz gewesen. Nach Streitereien im Deggendorfer Fanblock habe er zu­sammen mit Kollegen eine Kette gebildet, um die Randalierer zurückzuhalten. „Wir wurden geschubst, beleidigt, Bier­flaschen flogen“, so der Beamte. Er habe daraufhin sein Pfefferspray gezückt. Dies sei ihm aus der Hand geschlagen worden, und als er sich danach bückte, habe der Angeklagte den Fußtritt geführt. „Er hat seine komplette Aggression an mir ausgelassen.“ Auch für diese Version der Geschehnisse gab es keine Zeugen. Staatsanwältin Stefanie Mader hielt die Aussage des Geschädigten jedoch für weitaus glaubwürdiger als die des Angeklagten. „Er will den Einsatz von Pfefferspray mitbekommen haben, aber nicht den Grund dafür“, so Mader. „Allein das ist schon widersprüchlich.“ Sie forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie 2500 Euro Schmerzensgeld für den Polizisten und weitere 2500 Euro für eine gemeinnützige Organisation. „Polizeibeamten wird in deutschen Gerichten stets geglaubt“, sagte Verteidiger Günther Herzogenrath-Amelung. „Ich glaube meinem Mandanten. Er ist kein junger Draufgänger, hat keine Vorstrafen, arbeitet seit acht Jahren im gleichen Betrieb.“ Auch kritisierte der Anwalt, dass nach dem Vorfall kein Alkoholtest durchgeführt worden war. „Das wird sonst wegen jeder Kleinigkeit gemacht und kann sich strafmildernd auswirken.“ Richterin Sabine Grub hielt sich an die Aussage des Geschädigten – „nicht, weil ich Polizisten immer glaube, sondern weil die Aussage glaubwürdig war“. Sie verurteilte den Angeklagten zu sieben Monaten Haft auf Bewährung und zu einer Schmerzensgeldzahlung von 2500 Euro. Rechtskräftig wurde das Urteil noch nicht. Man werde wohl in die Berufung gehen, so der Verteidiger.

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