Träume mit Nebenwirkung

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Die alternde Diva Paola (Mitte, Dr. Regina Kläger), umringt von ihren drei Freundinnen Hannah (Angelika Engl), Pezi (Nikita Janson) und der zynischen Geschäftsfrau Marzella (Christine Wachsmuth) (von links).

Landsberg – Vier Frauen beherrschen die Bühne. Sie waren Schulfreundinnen, haben nun aber schon den größten Teil ihres Lebens hinter sich. Nach 40 Jahren treffen sie sich wieder und ziehen Bilanz. Haben sich ihre Träume erfüllt? Max von Thebens satirische Komödie, das dritte Stück der Landsberger Theatergruppe „Randerscheinungen“, gibt eine eindeutige Antwort.

Paola, gespielt von Dr. Regina Kläger, ist die alternde Diva, die keine Rollen mehr bekommt. In jugendlicher Schönheit von Fellini entdeckt, rennt sie dem vergangenen Ruhm hinterher. Kläger spielt die Rolle mit der nötigen Übertreibung: Sie trinkt und schmollt, lacht laut und weiß doch ganz genau, dass ihr niemand mehr die Bewunderung geben wird, die sie so dringend benötigt. Ihr gegenüber stehen Hannah und Pezi, gespielt von Angelika Engl und Nikita Janson: Beide eher still, wollten sie sich mit dem Traum von Familie und Eigenheim zufrieden geben.

Doch auch das hat nicht funktioniert: Hannahs Ehemann ist schwul und hat sich mit einem jugendlichen Teenager vom Acker gemacht. Ihre vier pubertierenden Söhne rauben ihr den letzten Nerv. Und Pezis Mann ist spielsüchtig, so wie schon ihr Vater: Das Haus soll gepfändet werden. Die Spielmacherin unter den vier Damen ist die erfolgreiche Geschäftsfrau Marzella, gespielt von Christine Wachsmuth, die das Treffen einberufen hat. Im Hosenanzug und mit abgeklärtem Zynismus betrachtet sie ihre Freundinnen und sieht klar deren Scheitern. Doch auch ihr Traum hat sich nicht erfüllt: Ihr Leben ist zwar finanziell ein Erfolg, aber sie ist einsam geblieben.

Damals in der Schule standen Marcella die drei anderen Mädchen bei, als sie von anderen gemobbt wurde. In einem Video sieht der Zuschauer, was danach geschah: Die Vier füllen eine Truhe mit Zetteln, auf die sie die Träume ihres Lebens geschrieben haben. Von den Teenagermädchen vergraben, legen die erwachsenen Frauen die Truhe wieder frei. Die Träume von Hannah, Pezi und Paola nach Familie, Eigenheim und Ruhm haben sich erfüllt, aber nur mit fatalen Nebenwirkungen. Der eigentliche Traum, das Glück zu finden, ist allen versagt geblieben.

Die Vierte wollte nie einsam sein, immer Freunde haben. Und vor allem: nicht allein sterben. Damit dieser letzte Wunsch in Erfüllung geht, hat Marzella das Treffen einberufen. Während ihre Freundinnen im Drogenrausch mal so richtig ausflippen, trinkt sie den Schierlingsbecher. Ihr Geld vermacht sie den Freundinnen, damit diese zusammen ein Landgasthaus eröffnen können – und so vielleicht noch ein bisschen Zufriedenheit finden.

Max von Thebens Stück handelt von Freundschaft, Feindschaft und unerfüllten Träumen. Dabei schwankt es zwischen Komödie und traumhaften Sequenzen, in denen das wahre Ich der vier Damen gezeigt wird. Das wirkt ein wenig zu gewollt – ein bisschen Tiefgang statt reiner Komödie – und verhindert, dass das Stück rund wird. Die Komik hat die Zuschauer jedoch überzeugt. Am heutigen Mittwoch wird das Stück „Der Gott der Träume“ zum letzten Mal im Stadttheater aufgeführt.

Susanne Greiner

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