Wasserschaden in Schondorf

Wenn das Rathaus zur Tropfsteinhöhle wird

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Wasserschaden mit Folgen: Im Büro von Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann wurden inzwischen Teppichboden, Türstöcke und Teile der Deckenverkleidung entfernt. Die Gebläse zum Trocknen laufen Tag und Nacht.

Schondorf – So hatte sich Martin Wagner die krankheits­bedingte Vertretung für Bürgermeister Alexander Herrmann nicht vorgestellt: Der temporäre Gemeindechef wurde unfreiwillig zum Krisenmanager. Denn am Wochenende vor seinem Dienstantritt gab es im Schondorfer Rathaus einen massiven Wasserschaden, der den normalen Verwaltungsablauf unmöglich machte.

In der jüngsten Gemeinderats­sitzung berichtete Wagner über die aufregenden Tage der Rettungsaktionen von Computern oder Akten. Nach aktuellem Stand wird es bis Jahresende dauern, bis wieder Normalität einkehren kann. Der Gesamtschaden geht in die Hunderttausende.

Wie Gutachter feststellten, nahm das Unglück von der Teeküche im ersten Stock des Westflügels seinen verhängnisvollen Lauf. Ungestört übers Wochenende sickerte das Wasser durch die Decken ins Erdgeschoss bis zum Keller. Türstöcke, Deckendämmung, Möbel und Teppiche von Finanzverwaltung und Kämmerei, Bauamt und Bürgermeisterbüro wurden total durchnässt, wobei hier sogar die Schreibtischschubladen überliefen. „Es war wie in einer Tropfsteinhöhle“ reüssierte Martin Wagner. Die Schondorfer Feuerwehr rückte mit drei Nasssaugern an und versuchte, die Wassermassen zu beseitigen. Spezialgebläse sind seitdem rund um die Uhr im Einsatz, um die Räume trocken zu bekommen.

Wagner war voll des Lobes über die Helfer und das Rathaus-Personal. Man habe eiligst Hunderte Kisten mit Akten befüllt und in die Grundschule in der Schulstraße in Sicherheit gebracht. Hier wurde ein provisorisches Teilrathaus eingerichtet, in dem vorübergehend das Bürgermeisterbüro mit Alexander Herrmann, die Finanzverwaltung mit Kämmerei und Kasse, das Technische Bauamt und die Friedhofsverwaltung untergebracht sind. Im nicht durchfluteten Teil des Rathauses wurde ebenfalls improvisiert. Im Sitzungssaal ist jetzt das Einwohnermeldeamt, das Trauungszimmer hat man zum Ordnungs-, Sozial-, Gewerbe- und Standesamt umfunktioniert. Ebenfalls im Rathaus bleiben das Bau- und Personalamt sowie Geschäftsleiter Ralf Müller.

In Containern

Da das Ausweichen in die Grundschule wegen Ferienende und Schulbeginn befristet ist und die Instandsetzungsarbeiten sowie Neumöblierung des Rathauses geschätzt bis Jahresende dauern, hat der Gemeinderat eine Interimslösung beschlossen. Für rund 75.000 Euro werden Container angemietet, wobei zwei Drittel die Versicherung übernimmt. Sie werden auf dem Parkplatz der Grundschule aufgestellt. „Der ideale Ort, weil hier die Infrastruktur vorhanden ist“, wie Bürgermeister Herrmann betonte. Auch er bedankte sich bei den vielen Helfern, die durch ihren Einsatz schlimmeren Schaden abwenden konnten. „Selbst von den Nachbargemeinden Greifenberg und Eching wurde uns Hilfe angeboten“, ergänzte Vize Martin Wagner.
Dieter Roettig

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