Königin und Vogelfänger

Erstes Rathauskonzert der Saison startet mit Hartmann-Heimspiel

+
Flötistin Wally Hase und Oboist Christoph Hartmann konzertierten zur Rathauskonzert-Saisoneröffnung mit Pianistin Akemi Murakami.

Landsberg – „Kenn ich nicht“ mag manch Konzertbesucher beim Blick auf das Programm zur Saisoneröffnung gedacht haben: Komponisten wie Génin oder Demersseman gehören nicht zum Standardrepertoire. Zu hören war am Sonntagabend ein Programm, das vor allem in der zweiten Hälfte durch eine gute Mischung und grandioses musikalisches Können aller drei Konzertierenden überzeugte.

Von denen waren zwei alte Bekannte: Akemi Murakami saß schon mehrmals im Rathausfestsaal an den Tasten. Und Oboist Christoph Hartmann, mit Franz Lichtenstern künstlerischer Leiter der Reihe, mag zwar in Berlin leben. Aber irgendwie ist er doch oft in Landsberg. Die Dritte im Bunde war neu: Flötistin Wally Hase. Die Freiburgerin wurde schon mit 22 Solistin der Staatskapelle Weimar. Und ist gern gesehener Gast in den Rundfunkorchestern von SWR, MDR und WDR. Sie überzeugte das Publikum im ausverkauften Festsaal vor allem mit einem Auszug aus den 32 Variationen über „Les Folies“ – oder auch „La Folia“, ein Barock-Thema, das zahlreiche Komponisten bearbeitet haben –, die der Franzose Marin Marais Anfang des 18. Jahrhunderts bearbeitet hat.

In Mozarts Arien aus der „Zauberflöte“, bearbeitet für Oboe und Querflöte, war der perfekte Zusammenklang beider Instrumente zu hören: das Hauchige Querflöte, der reine, leicht näselnde Oboenton. In Mozarts Vogelfängerarie meinte man, zwei Vogelstimmen zu hören. Und in der Rache-Arie der Königin der Nacht hatte die ‚Sängerin‘ Hase kein Problem, das dreigestrichene f zu erreichen. Auch das hervorragende Zusammenspiel der beiden Musiker überzeugte – das in der ersten Hälfte des Konzerts noch etwas knirschte. Zudem bot der erste Konzertteil weniger Abwechslung in der Stückauswahl.

Der spannendste Beitrag war die Sonate für Oboe und Klavier von Henri Dutilleux – er starb vor fünf Jahren im Alter von 97 –, die Hartmann mit Murakami präsentierte. Lyrische Passagen wechselten mit Staccato-Dissonanzen, bevor im letzten Satz ein strahlendes Thema die fragende Melodie des Mittelteils abrundete. Murakami und Hartmann ergänzten sich hier ideal.

Im ersten Teil punktete Wilhelm Friedrich Bachs Duo für Flöte und Oboe. Der Sohn Johann Sebastians zeigt zwar Strukturliebe, ist jedoch schon weitaus mehr in der Klassik verortet als sein Vater.

Nach Jules Dermessemans „Duo Brillant“ – samt rasender Läufe – und großem Applaus verabschiedeten sich die drei Musiker mit einem beschwingten Walzer in den Abend.
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Ein glänzendes Adventskonzert der Stadtkapelle Landsberg 
Ein glänzendes Adventskonzert der Stadtkapelle Landsberg 
BRK stöhnt: Altkleider im Überfluss
BRK stöhnt: Altkleider im Überfluss
Rentner baut Uttings Sprungturm originalgetreu nach
Rentner baut Uttings Sprungturm originalgetreu nach
Klares Signal für die Fuchstalbahn
Klares Signal für die Fuchstalbahn

Kommentare